Gebetsmühlen der Manipulation

Manipulation

Banken, Bausparkassen und Lebensversicherer haben das Land fest im Griff. Ihre Argumentationen für ihre Produkte wurden für die Deutschen bereits zum Allgemeinwissen. Die wenigsten stellen infrage, was von diesen Gesellschaften kommt, und die, die es tun, haben es schwer an diesen Gesellschaften vorbei zu kommen. Doch eine Minderheit erkennt die Geschäftspraktiken und sucht nach Alternativen.

Machen wir uns nichts vor: Ohne Banken, Bausparkassen und Lebensversicherungen geht es leider nicht. Jeder braucht ein Konto. Wer ein Auto hat, braucht eine KFZ-Haftpflicht und ohne Krankenversicherung sähe unser Leben auch anders aus. Und so nimmt der Wahnsinn seinen Lauf, denn die Institute haben leichtes Spiel. Sie streuen stetig Werbeinformationen aus und sorgen dafür, dass die Menschen ihre Produkte kaufen. Man muss etwas nur oft genug hören oder lesen. Wenn man es von überall her hört oder überall lesen kann, wird es zur Wahrheit und ein Teil unseres Lebens.

Die Institute sind Konkurrenten, jeder kämpft für sich. Die Strategien sind jedoch die gleichen und das macht die Konkurrenten gleichzeitig zu Partnern.

Wer profitiert eigentlich von Banken, Bausparkassen und Lebensversicherungen?

Diese Frage ist eine rhetorische Frage. Jeder weiß doch, dass Banken, Bausparkassen und Lebensversicherungen das Ziel der Gewinnmaximierung verfolgen und dieses Ziel auch erreichen. Die Frage sollte sein, warum unternimmt kaum jemand etwas dagegen? Das Aufwand-Nutzen-Verhältnis einer Kundenbeziehung mit diesen Gesellschaften ist doch offensichtlich unausgeglichen mit dem Vorteil auf Seiten der Institute.

Eine der wichtigsten „Waffen“ im Kampf um den Kunden sind die Massenmedien. Die Institute sind äußerst attraktive Werbekunden! Die meisten Fernsehsender und die Fachpresse finanzieren sich hauptsächlich aus Werbung. Ist es daher von Interesse, solvente Werbekunden, die regelmäßig Anzeigen oder Kampagnen beauftragen, mit ehrlicher, kritischer Berichterstattung zu vergraulen? Es versteht sich von selbst, dass man in die Hand, die einen füttert, nicht beißt. Und so finden die Desinformationen im-mer und immer wieder den Weg zu uns und bewegen uns dazu, Dinge zu tun, die wir gar nicht tun wollen.

Der Staat ist abhängig von diesen Instituten. Der Staat steht bei diesen Gesellschaften in der Kreide, und das nicht zu knapp. Die Schuldenuhr auf der Internetseite des Bundes der Steuerzahler weist einen Betrag von aktuell über 2.062 Mrd. Euro aus. Ein großer Teil dieses kaum vorstellbaren Betrages wurde über Staatspapiere realisiert. Bundesanleihen, Bundesobligationen, Bundesschatzbriefe Typ A, Bundesschatzbriefe Typ B, Finanzierungsschätze Typ 1, Finanzierungsschätze Typ 2, Bundesschatzanweisungen etc. stehen hoch im Kurs bei unserer sicherheitsbedürftigen Gesellschaft. Renditen sind Nebensache, Hauptsache, es ist sicher! Hauptsache wir verlieren unser Geld nicht! So denken die meisten Deutschen. Wer Staatsanleihen kauft, macht nichts anderes, als dem Staat ein zinsgünstiges Darlehen zu geben.

Der Staat refinanziert sich auch indirekt. Lebensversicherungsgesellschaften müssen die Gelder ihrer Kunden nach strengen Anlagerichtlinien investieren. Der Großteil der Gelder fließt in Immobilien und festverzinsliche Wertpapiere, hier überwiegend in Staatspapiere. Der Gesetzgeber gestattet den Versicherern eine Aktienquote von maximal 30%. In der Praxis liegt die Aktienquote der deutschen Versicherer im Durchschnitt bei unter 10% Prozent, wobei viele Versicherer einen großen Teil der Aktienquote unter Akzeptanz zusätzlicher Kosten absichern. Unter dem Strich kann man feststellen, dass die deutschen Lebensversicherer zu den bedeutendsten Geldquellen für Vater Staat zählen. Denn sie kaufen Staatspapiere im richtig großen Stil. Es ist daher nur logisch, dass von Seiten des Staates ein berechtigtes Interesse daran besteht, dass die Deutschen ihr Geld in Lebens- und Rentenversicherungen einspare. Denn durch die Investitionen (der Lebensversicherungsgesellschaften in Staatspapiere) kann der Staat regelmäßig seine Schuldtitel verkaufen. Nachvollziehbar wird dann auch, warum Vater Staat sich bei der Schaffung von geförderten Altersvorsorgezusatzprodukten fast ausschließlich auf Lebensversicherungskonstrukte versteift. Nachvollziehbar ist auch die Informationspolitik des Staates und in dem Zusammenhang auch der von ihm gesponsorten Presseorgane, die die Lebensversicherung immer positiv als solide, sichere, für die Altersvorsorge geeignete Vertragsform propagiert.

Geht´s auch um Arbeitsplätze?

Die Banken, Bausparkassen und Versicherer haben allesamt sehr ansehnliche Verwaltungen mit sehr vielen Arbeitskräften. Im Allianz-Konzern arbeiteten nach eigenen Angaben weltweit z. B. im Jahr 2014 insgesamt 147.462 angestellte Mitarbeiter, etwa ein Drittel davon in Deutschland. Die Deutsche Bank beschäftigte 2014 insgesamt 98.138 Mitarbeiter, davon allein in Deutschland 46,3%, also hast die Hälfte. Nun gut, das ist ja auch nicht weiter verwunderlich, denn schließlich stammen beide Unternehmen aus Deutschland. Der Punkt ist, dass man ein Gefühl dafür bekommt, wie viele Jobs allein diese beiden Arbeitgeber bieten.

Und beiden Unternehmen geht es nicht übel. Die Eigenkapitalrendite der Allianz nach Steuern betrug in 2014 11,2%, in 2013 11,9%, in 2012 11,1%, 2011 5,9%, 2010 11,9% und 2009 12,5%. Die Allianz erwirtschaftete also mit ihrem eigenen Kapital in den letzten fünf Jahren fast durchgängig eine zweistellige Rendite. Ihren Kunden zahlt diese Allianz als größter deutscher Versicherer gerade mal unter 4%. Wehe dem, der Wasser predigt und Wein trinkt!

Ein Lebensversicherer kann auf Dauer nur funktionieren, wenn ausreichend Neugeschäft abgeschlossen wird. Schließlich wollen nicht nur die Mitarbeiter bezahlt und alle anderen Kosten bestritten werden, sondern am Ende will die Gesellschaft ihr in der Police verbrieftes Versprechen ihren Kunden gegenüber einlösen. Ob das unter den heutigen Rahmenbedingungen realistisch ist, kann bezweifelt werden. Und dabei hat die Hamburg Mannheimer eine leistungsfähige Struktur im Rücken, die seit Jahrzehnten für Neugeschäft sorgt. Es ist ruhig geworden um die HMI. Man backt jetzt kleinere Brötchen. Im Resultat bricht halt das so wichtige Neugeschäft weg.

Die Auswirkungen des Ausbleibens von Neugeschäft für einen Versicherer kann man sich ausmalen. Erstens gibt es weniger Arbeit für die Angestellten, zweitens kommt weniger Geld rein, mit dem man die Angestellten bezahlen kann. Entlassungen werden unumgänglich sein. Darüber hinaus wird es immer unwahrscheinlicher, dass die Versicherten die im Versicherungsschein dokumentierten Leistungen auch erhalten. Bereits heute steht schon in den Sternen, ob die Versicherer das schaf-fen. Sie erinnern sich, Branchenprimus Allianz erwirtschaftet für seine Kunden nicht einmal 4% – und diese unter 4% nur auf den Beitragsanteil, der tatsächlich in den Anlagetopf fließt. Die meisten Versicherer bedienen sich in unverschämter Weise an den Geldern ihrer Kunden.

Keine echte Aufsicht

Spannend wird es, wenn man als Kunde mal in Erfahrung bringen möchte, wie viel Kosten die Versicherer tatsächlich aus den Verträgen entnehmen. Laut Versicherungsvertragsgesetz müssen die Versicherer die Höhe der Kosten in den Vertragsunterlagen ausweisen. Doch das, was die meisten Versicherer in den Verträgen ausweisen, sind falsche Zahlen. Dass das so ist, kann man leicht beweisen: Die meisten Versicherer beziffern z. B. die Abschlusskosten mit 4%, so wie es die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) seit Jahren von den Versicherern fordert. Ein Makler erhält bei der Vermittlung solcher Verträge jedoch fast überall 5% Provision. Darüber hinaus fallen bei Abschluss ja auch weitere Kosten an, die durch die Abschlusskosten gedeckt werden müssen. Eine Policenerstellung ist schließlich ein aufwendiger Verwaltungsakt. Hier müssen Konten eröffnet, Kundendaten angelegt, Vertragsdaten festgelegt werden, usw..

Wenn schon die Provision höher ist als die ausgewiesenen Abschlusskosten, wie hoch werden dann wohl die gesamten Abschlusskosten sein? Wer diese Information in Erfahrung bringen möchte, sieht sich einer echte Herausforderung gegenüber.

Auf der Webseite der BaFin werden allerlei Statistiken veröffentlicht. Unter Anderem findet man dort eine Tabelle mit dem Titel: Ausgewählte Kenn-zahlen der Lebensversicherungsunternehmen. Die aktuellste dieser Tabellen liefert Zahlen aus dem Jahr 2008. Und tatsächlich findet man dort eine Spalte, in der es um Abschlusskosten und Verwaltungskosten der Versicherer geht. Wer jetzt aber aufatmet und glaubt, die gesuchte Information dort erhalten zu können, irrt gewaltig. Interessant wird es nämlich, wenn man sich über die Herkunft der Daten informiert. Hier bekommt man nämlich zu erfahren, dass die Zahlen über Fragebögen von den Versicherern abgefordert und ungeprüft übernommen werden. Weiter erfährt man, dass es sich um Mittelwerte handelt, die einen Schnitt allen Geschäftes reflektieren, das der Versicherer tätigt, inklusive des Geschäftes, dass an Rückversicherer durchgereicht wird. Die Höhe des an Rückversicherer durchgereichten Geschäftes ist nicht ersichtlich und demzufolge kein Urteil über die Höhe der Kosten möglich. Man kommt zu dem Schluss, dass man als Verbraucher an der Nase herumgeführt wird. Selbst ein Organ der Aufsicht, wie es die BaFin ist, füttert ihren Webauftritt mit nutzlosen und undurchsichtigen Informationen ungeprüfter Herkunft, anstatt den Aufsichtsauftrag ernst zu nehmen, wirklich ernsthaft über die Dinge aufzuklären, die der Verbraucher wissen sollte.

Die Frage escheint legitim, was mit den Kosten passiert, wenn das Neugeschäft weiter Rückläufig bleibt. Wird sich der Versicherer zukünftig noch stärker an den Geldern seiner Kunden bedienen? Merken würde es schließlich niemand und darauf aufpassen tut auch keiner. Papier ist geduldig. Die Vertragsstandmitteilungen, die die Kunden regelmäßig erhalten, können doch in Wahrheit ausweisen, was sie wollen. Ob es am Ende tatsächlich so ist, erfahren die meisten Lebensversicherungs- und Rentenversicherungskunden sowieso nie, denn die meisten Verträge erreichen ihren Ablauf bekanntlich nicht. Jeder, der sich mit dem Gedanken trägt, seine Unterschrift unter einen Antrag für eine Lebens- oder Rentenversicherung zu setzen, sollte vorher in sich gehen und mal ernsthaft darüber nachdenken, ob er das wirklich will oder nur auf die süßen Worten seines Vertreters vertraut. Effizienter als mit Lebens- oder Rentenversicherungen kann man sein Geld nicht „entsorgen“.

Hauptsache Sicher!

Das Lieblingswort der Versicherer ist Sicherheit. Dieses Wort ist voller Magie. Es motiviert die Deutschen, ihr Geld aus dem Fenster zu werfen und für Peanuts zu verleihen. Wie sonst ist es zu erklären, dass 1.788 Mrd. Euro auf Spareinlagen befinden (Stand 2009, Quelle: Deutsche Bundesbank). Im Schnitt rentieren diese Gelder unter 2% p.a. und liegen damit weit unter der Inflation. Warum tun sie das? Weil es sicher ist! Das Geld liegt in Spareinlagen sicher, zumindest im Rahmen der Höchstbeträge über den Einlagensicherungsfonds. Inflation und Steuern sorgen hier für den größten Vermögensabbau der Bundesgeschichte. Wie das passiert, ist schnell modellhaft dargestellt. Es werden 2% Zins, 3% Inflation und 25% Steuer unterstellt:

Das ist eine Menge Geld, das da jedes Jahr entsorgt wird. Wie sicher sind Spareinlagen also wirklich? Sie sind sicher auf dem Papier! In Wahrheit entwertet sich das Geld schleichend und der Anleger merkt es erst, wenn er sein Geld ausgeben will und nicht mehr soviel dafür kaufen kann, wie noch ein Jahr zuvor.

Das Thema Einlagensicherung ist in Bezug auf Versicherer ohnehin sehr spannend. Früher war es so, dass im Falle einer Pleite eines Versicherers nur die Kunden dieses betroffenen Versicherers ein Problem hatten. Heute haben im Pleitefall eines beliebigen Versicherers nicht nur diese Kunden sondern auch alle Kunden anderer Versicherer ein Problem. Warum das so ist, wird jetzt erörtert.

Der Fall Protektor

Unsummen Geld versauern in Lebens- und Rentenversicherungen (Stand 2009, Quelle: Deutsche Bundesbank). Warum? Weil es sicher ist! Die Versicherer hatten an der Börse gezockt und viel Geld verloren. Viele gerieten in Schieflage. Im Juni 2003 war es dann soweit. Die erste deutsche Lebensversicherungsgesellschaft, die Mannheimer Lebensversicherung, war pleite. Die bis dahin rund 345.000 Verträge waren plötzlich alles andere als sicher. Die Auffanggesellschaft Protektor wurde deshalb kurz vorher gegründet und sollte nun die Verträge der Mannheimer weiterführen. Einfach war das nicht. Die Übertragung der Verträge erwies sich als echte Herausforderung und zog sich über Monate hin.

Aus dieser Erfahrung heraus erkannte man die Notwendigkeit eines gesetzlich geregelten Sicherungsfonds. Dieser Sicherungsfonds sollte von der Branche selbst finanziert werden, so der Plan des Gesetzgebers. Dazu legte die Regierung im April 2004 einen Gesetzesentwurf vor, der regeln sollte, dass die Unternehmen aus ihrem Eigenkapital regelmäßig Beiträge in den gesetzlich geregelten Sicherungsfonds einzahlen sollten. Im Ernstfall sollte dieser dann zur Verfügung stehen und die Sicherheit der Kunden gewährleisten. Sollte das Geld des Fonds nicht ausreichen, sollten die Versicherer soviel Geld aus ihrem Eigenkapital nachschießen, wie erforderlich wäre.

Es tat sich ein Fass ohne Boden auf. Was passiert, wenn mehrere Versicherer gleichzeitig das Handtuch werfen müssten? Wie viel käme da im schlimmsten Fall auf die übrigen Versicherer zu? Die Branche war nicht amüsiert. Sicherheit hätte man zwar ganz gern, selber dafür die Zeche zahlen wollte man aber nicht. Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), lehnte lau-
fende Beitragszahlungen in den Sicherungsfonds ab. Im Bedarfsfall Leistungen zu erbringen reiche schließlich aus.

Der Finanzausschuss des deutschen Bundestages musste entscheiden. Die Versicherungslobby arbeitete effizient und setzte sich am Ende durch. Es landete eine Beschlussempfehlung beim Bundesrat, die den Verbraucher nicht schützte, sondern zum absoluten Verlierer machte. Verwunderlich war das nicht, schließlich vertraute man diese Aufgabe Menschen an, die Jobs in der Versicherungswirtschaft in Aufsichtsräten und Beiräten von Versicherungsunternehmen hatten. Das Gesetz, dass letztendlich zustande kam, hatte nur noch wenig mit Sicherheit für die Verbraucher zu tun. Die Versicherer sollten 500 Millionen Euro in den Sicherungsfonds zahlen. Im Krisenfall sollten dann noch einmal weitere 500 Millionen Euro von ihnen nachgeschossen werden. Der Sicherungsfonds hätte somit eine Kapitalstärke von 1 Mrd. Euro.

Würde dieses Geld nicht ausreichen – und das war sehr wahrscheinlich – müssten die Kunden 5% ihres Sparkapitals als Solidarbeitrag abgeben. Zu Deutsch bedeutete das nichts anderes, als dass Kunden dafür gerade stehen müssen, wenn irgendein Versicherer pleite ginge. Und das Beste kommt zum Schluss: Im Pleitefall hat die Branche nun die Möglichkeit, eine Kündigungssperre zu verhängen. Als Kunde kann man sich dann noch nicht einmal aus seinem Vertrag zurückziehen und muss abwarten, bis dem Pleitegänger aus der Patsche geholfen würde – und das mit Geld aus dem eigenen Vertrag versteht sich.

Der Sicherungsfonds gilt schon immer nur als Zwischenlösung. Der Policenbestand notleidender Versicherer sollte nur so lange im Sicherungsfonds verweilen, bis ein Versicherer gefunden wird, der die Policen übernimmt. Bei einer Übertragung des in Not geratenen Policenbestandes eines Versicherers an den Sicherungsfonds, kann die Finanzaufsicht unter Umständen, wie wenn z. B. die Mittel des Fonds nicht ausreichen sollten, die Policenleistungen herabsetzen – auch die garantierten. Wird ein Versicherer gefunden, der die notleidenden Bestände übernimmt, drohen den Versicherten weitere Verluste, denn bei Bedarf können die Versicherungsbedingungen und Tarifbestimmungen an die Konditionen des neuen Versicherers angepasst werden.

Wie steht es nun tatsächlich um das Thema Sicherheit bei unseren Lebensversicherern?

Zusatzvorsorge für´s Alter – Bedarf ist da

Mit der Entrichtung des Rentenbeitrages erwirkt der Versicherte aufgrund der solidarischen Ausrichtung des Rentensystems keinen Anspruch auf Rückzahlung seiner eingezahlten Beiträge, sondern nur eine Anwartschaft oder Spekulation auf künftige Rentenzahlung.
[Rentenurteil Oberstaatsanwalt Dahl-mann, Berlin 06.04.2006 §170 Abs. 2 STPO]

Werden wir ein Rentenproblem bekommen? Diese Frage lässt sich ganz einfach beantworten, wenn man sich die Bevölkerungsstruktur ansieht und mit der Art der Beschäftigung in Relation bringt.

Die Antwort auf die gestellte Frage lautet NEIN! Nein, wir bekommen kein Rentenproblem, wir haben es schon längst! Die Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung bringt es bereits heute an´s Licht. Man muss nur lesen, mitdenken und sich nicht verwirren lassen. Man muss sich immer bewusst machen, dass Rentenverläufe für die Zukunft reine Fantasiegebilde sind, denn sie setzen Grundlagen voraus, die in 99 von 100 Fällen nicht eintreten. Ein schönes Beispiel hierfür ist das Modell des Eckrentners. Diese Eckrentner bezieht immer die Durchschnittsrente. Das kann er auch, denn er hat volle 45 Beitragsjahre den Durchschnittsverdienst gehabt. Auf wen trifft dieses Modell zu? Wer hat denn tatsächlich 45 Jahre lang den Durchschnittsverdienst erzielt? Gibt es da überhaupt einen, auf den das zutrifft? Wenn Sie den kennen, teilen Sie uns das bitte mit. Den müssen wir kennenlernen.

Die ausgezahlte Durchschnittsrente aller neuen Rentner im letzten Jahr lag bereits weit unter 1.000 Euro monatlich und dass sich die Situation in Zukunft verbessern wird, ist doch wohl eher unwahrscheinlich. Das bedeutet: Jeder muss für sich selbst sorgen und zwar in aller Konsequenz und vor allem mit Courage!

Diejenigen, die vor lauter Angst, ein paar Euro zu verlieren immer auf Nummer sicher gehen, können ihr Geld getrost ausgeben. Dann tun sie wenigstens etwas für sich und kurbeln die Wirtschaft an. Wer beim Aufbau eines Vermögens immer nur auf Nummer sicher geht, wird spätestens dann, wenn er das Geld braucht, erkennen, dass er es nicht geschafft hat, ausreichend vorzusorgen. Die Renditen traditioneller, also sicherer Anlageformen lassen einen Vermögensaufbau nicht zu. Da kann man sich auf den Kopf stellen, es ist unmöglich! Für 10 Euro bekommt man überall einen Zinsrechner. Diese Investition lohnt sich wirklich, denn nun kann man nachvollziehbar ausrechnen, wie viel Geld man bei welcher Rendite anlegen muss, um ein genau vorgegebenes Versorgungsziel zu erreichen. Und dabei ist man allein für sich, hat keinen Vertreter oder Banker um sich, die eh nur Dünnes von sich geben und kann in aller Ruhe seine Chancen durchspielen. Dabei sollte man das Modell etwas vereinfachen. Aus Erfahrung kann man feststellen, dass es kaum möglich ist, alle Eventualitäten vorher einzukalkulieren.

Zum Beispiel:

Man ist jung und hat noch 40 Jahre bis zur Rente Zeit. Man wünscht sich später als Zusatzversorgung ein Äquivalent von 1.000 Euro heutiger Kaufkraft.

1. Durchschnittliche Inflation festlegen
Inflation ist etwas sehr individuelles. Die Preise von Produkten steigen nicht in gleichem Maße. Steigt der Preis eines Produktes, welches im eigenen Haushalt häufig gekauft wird, beeinflusst es die Inflation stärker als die gleichgroße Preissteigerung eines Produktes, dass selten gekauft wird. Es kommt also darauf an, die Augen offen zu halten und realistisch zu dokumen-
tieren. Angenommen die durchschnittliche Inflation trägt in diesem Beispiel 3% p.a..

Für die Kaufkraft von 1.000 Euro heute benötigt man bei 3% p.a. Inflation in 40 Jahren 3.262 Euro. Grundregel: Alle 20 Jahre halbiert die Inflation die Kaufkraft, so dass 1000 Euro in 40 Jahren nur noch 250 Euro wert sind.

Inflationäre Einflüsse auf die Versorgungshöhe nach Rentenbeginn werden hier zugunsten der Nachvollziehbarkeit vernachlässigt.

2. Benötigtes Kapital ermitteln
Um die monatliche Versorgung von 1.000 Euro heutiger Kaufkraft (3.262 Euro in 40 Jahren) zu gewährleisten, muss das Kapital so hoch sein, dass erstens, das Kapital trotz Inflation erhalten bleibt und zweitens eine Entnahme so lange ausreicht, bis der Tod eintritt. Letzteres hat man nicht in der Hand. Deshalb muss man seine Lebenserwartung etwas großzügiger bemessen. Nicht dass das Geld irgendwann ausgeht! Angenommen, das Geld soll bis Alter 100 ausreichen.

Renteneintritt ist mit 67. Bis 100 bleiben also 33 Jahre. Die Kapitalsumme muss also so lange reichen, bis 396 mal 3.262 Euro (33 Jahre = 396 Monate) entnommen wurden.
3.262 Euro x 396 = 1.291.752 Euro.

3. Steuer berücksichtigen
Aus heutiger Sicht fallen Abgeltungssteuer oder Einkommenssteuer und ggf. Kirchensteuer an. Es werden daher pauschal 30% für Steuer berücksichtigt.
(1.291.752 Euro – 120.000 Euro (eingezahltes Kapital)) x 130% = 1.523.278 Euro

4. Zur Verfügung stehenden Ansparbetrag ermitteln
Vorsorge ist nichts für jetzt und hier. Die Beträge, die man für die eigene Versorgung zurücklegen möchte, sollten langfristig immer verfügbar sein (von Notfällen abgesehen). Ein deutscher Haushalt spart im Schnitt 250 Euro monatlich in langfristige Sparverträge oder in die Altersvorsorge. Hier soll dieser Betrag als Grundlage dienen.

5. Benötigte Rendite ermitteln
Hier wird es oft ernüchternd. Wen die großen Zahlen in den Schritten davor noch nicht überfordert haben, wird spätestens jetzt auf den Boden der Realität heruntergeholt. Mit 250 Euro monatlich benötigt man eine Rendite von 10,34% p.a., um 1.523.278 Euro zu erwirtschaften! Damit wird eines klar: Produkte, die von Banken, Bausparkassen oder Lebensversicherungen angeboten werden, fallen hier durch und alles, was deren Mitarbeiter in Sachen gute Vorsorge mit diesen Produkten von sich gaben, war nichts weiter als ein schön klingendes Märchen.

Um einmal den Unterschied deutlich zu machen: Würden Sie 40 Jahre lang 250 Euro in einen Sparvertrag mit 4% Zins p.a. (traditionelle Produkte) investieren, ergäbe das einen Endbetrag von 290.266 Euro! Ziehen wir vom Gewinn 30% Steuer ab, verbleiben 239.186 Euro. Was für ein Unterschied. Diesen Betrag bis zum Alter 100 verteilt, ergäbe eine monatliche Zusatzversorgung von 604 Euro. Das entspricht bei 3% Inflation pro Jahr gerade mal 185 Euro heutiger Kaufkraft!

Was soll man mit einer Zusatzversorgung von 185 Euro heutiger Kaufkraft anfangen, wenn man 1.000 Euro braucht? Es würde darauf hinauslaufen, 1.000 Euro zu entnehmen, also in 40 Jahren monatlich 3.262 Euro aus dem Kapital von 239.186 Euro zu entnehmen. Nach 73 Monaten wäre das Kapital verbraucht und man müsste zusehen, wie man an Geld kommt. Mit 73 Jahren ist das sicher nicht die einfachste Aufgabe.

Die Frage der Fragen

Warum schließen so viele Menschen heute noch für die Altersvorsorge Verträge mit Renditen von 5% und weniger ab? Die Antwort liegt auf der Hand: Es gibt einfach kaum sinnvolle Alternativen auf dem Markt. Die wenigen Alternativen sind kaum bekannt, denn die verschleudern nicht Millionen an Kundengeldern für Imagekampagnen und für Werbung.

Zugegeben, natürlich besteht auch das Risiko, völlig ins Fettnäpfchen zu treten und mit 67 völlig ohne Kapital dazustehen. Wäre es also doch besser, auf Nummer sicher zu gehen? Wie groß ist denn der Unterschied zwischen den Situationen des 4% Anlegers mit seinen 239.186 Euro und dem, der alles in den Sand gesetzt hätte?

Der 4%-Anleger aus unserem Beispiel würde sein Kapital verbrauchen und mit 73 Grundsicherung beim Sozialamt beantragen. Der andere beantragt sofort seine Grundsicherung. Die Frage ist erlaubt, ob der Anleger mit 4% wirklich besser damit lebt als der Anleger, der zum Schluss mit leeren Händen dasteht. Eines ist jedoch unbestritten: Würde die rentable Anlage funktionieren, ginge es dem Anleger mit seinen 1,5 Mio. Euro erheblich besser als dem Anleger mit seinen rund 240.000 Euro. Und zusätzlich gibt es den Fall nicht, dass man bei Anlage in chancenreiche Anlagen am Ende völlig mittellos dasteht. Schließlich wird das Kapital gestreut und man reagiert rechtzeitig, wenn mal etwas nicht funktioniert. Was man bei einer Investition verliert, gewinnt man mit einer anderen dazu. So ist das nun einmal, wenn man die Regeln befolgt. Niemand sieht 40 Jahre lang zu, wie sein Geld verschwindet! Es gibt jedoch eine Menge, die zusehen, wie schlecht sich ihr Vermögen auf sicheren Anlagen entwickelt. Sie sehen, wie die Zahlen auf den Kontoauszügen wachsen und vergessen, dass die Preise auch unablässig steigen. Deutschland schläft und träumt den Traum, den ihnen die Handlanger von Banken, Bausparkassen und Lebensversicherern ins Gehirn einpflanzten. Und jedes Quentchen Wahrheit verhält sich wie ein Tropfen auf einen heißen Stein: Es verdampft, bevor es sein Ziel erreicht.

Infos zum Autor: Michael Sielmon
Foto: Bilddatenbank Fotolia

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