Meinungen statt Wissen – Vorsicht bei Ratgebern

Meinung

Keine Ahnung, aber zu allem eine Meinung. Wie wir wissen, haben wir weitestgehend eine Meinungsfreiheit in Deutschland. Es ist somit gestattet, eine Meinung zu haben. Man ist jedoch keinesfalls dazu verpflichtet, seine Meinung mitzuteilen. Dass viele Menschen diesen Umstand noch nicht verinnerlicht haben, zeigt unser Alltag. Wer etwas zu erzählen hat, ist angesehen. Wer anderen das Gefühl vermittelt, er kenne sich aus, wird schnell als Experte angesehen. Doch die Wahrheit könnte nicht ferner sein.

In der Medizin ist es jedem klar: Wer Zahnschmerzen hat, geht zum Zahnarzt und nicht zum Hausarzt. Auch wenn beide ähnliche Grundstudien absolviert haben, in gleicher Branche tätig sind und weiße Kittel tragen: Der Hausarzt kann zwar eine Meinung zu den Zahnschmerzen äußern, ernst nehmen sollte man diese jedoch keinesfalls. Auch deshalb ist er gut beraten, diese für sich zu behalten. Ein weiser Mensch wird sich auch immer so verhalten. Denn wer bewusst durchs Leben geht, der weiß um die Manipulation, die von ihm ausgeht, sofern der Gegenüber einen als „Kenner“ ansieht.

In der Finanzbranche ist das leider ganz anders. Hier ist der weiße Kittel eher ein Anzug, ob feinster Zwirn vom Nobelhersteller oder Plastikanzug von Karstadt. Anzugträger sind die richtigen Ansprechpartner – so sieht es jedenfalls der Volksmund. So soll es vorkommen, dass nahezu jeder Anzugträger als kompetent und Fachmann, womöglich sogar als Experte angesehen wird. Bankkaufleute, Vertreter, Steuerberater, Anwälte und Notare genießen unter Verbrauchern einen Ruf, der es ihren auch noch so falschen und unwahren Aussagen schweres Gewicht verleiht. Damit beeinflussen diese die Verbraucherschaft erheblich, sei es noch so irrsinnig.

Es gibt Verbraucher, die befragen ihren Bankkaufmann zur Qualität eines ihnen angebotenen Produktes. Gerade so, als kenne dieser den Markt und als würde dieser eine herrliche Aussage treffen. Ein unter Verkaufsdruck stehender Banker, der gerade einmal die Produktpalette des eigenen Arbeitgebers kennt, soll als Fachmann neutrale Auskünfte erteilen? Der Anzug täuscht hier über ein sehr begrenztes Fachwissen hinweg.

Es gibt Verbraucher, die befragen ihren Steuerberater zur Qualität eines Produktes. Denn auch hier wird Fachwissen vermutet. Der Steuerberater, der schon Mühe hat, sich in Steuerfragen immer auf dem Laufenden zu halten und seine Mandanten diesbezüglich ordentlich zu beraten, wird zur Qualität eines Finanzproduktes befragt. Mal davon abgesehen, dass der Steuerberater sich nahezu niemals wirklich zu allen Themen auskennt, hat er denn überhaupt Zeit oder Lust, sich intensiv mit Finanzprodukten zu beschäftigen? Wenn ja, fehlt ihm die Mandantschaft. Doch das ist eine Grundvoraussetzung für eine fundierte Antwort. Die Praxis zeigt, dass Steuerberater niemals fundierte Antworten liefern können. Sie versagen bereits bei der Frage der verschiedenen betrieblichen Altersvorsorgelösungen des Marktes. Zweitens hat er sicher besseres zu tun. Da der Steuerberater für seine Aussagen vom Mandanten haftbar gemacht werden kann, wird sein Urteil – unabhängig von der Produktqualität – immer negativ ausfallen. Aus seiner Sicht ist es besser, ein Produkt abzulehnen, als eine halbherzige Zustimmung zu geben. Wenn die Qualität des Produktes nämlich nicht so ist, wie sie sein sollte, steht er als jemand, der ein positives Statement dazu abgab, im Nachgang dumm da. Deshalb sind Steuerberater in Finanzfragen kategorische Negativlinge.

Auch Anwälte gehören zu den Anzugträgern der Nation. Der Volksmund geht unverständlicher Weise auch immer noch davon aus, dass alle Anwälte Gutverdiener seien. Doch erfolglose Juristen gibt es in Deutschland mindestens so viele wie Hartz IV-Empfänger. Diese nehmen jedes Mandat an, sei es noch so aussichtslos, verkaufen ihren Mandanten immer Erfolgsaussichten, nur um schreiben und klagen zu können. Immerhin sichert den Anwälten ein unglaubliches System einer Gebührenordnung feste Sätze, die abgerechnet werden können. Das alles völlig unabhängig von Erfolg und Misserfolg. Ganz sicher macht es keinen Sinn, einen Anwalt über die Qualität eines Produktes zu befragen.

Das Kernproblem

Der Deutsche sieht es als Schwäche, auf eine Frage nicht antworten zu können. Anstatt stark zu sein und klar zu sagen, dass man keine fundierte Aussage dazu treffen kann, versuchen sich alle, als vermeintlich Wissende zu verkaufen. Dieses charakterlose und unbewusste Verhalten führt ein ganzes Volk in die Irre, da die Verbraucher mit den Aussagen dieser Berufsgruppen unbewusst umgehen. Dabei sollte doch zwischenzeitlich jeder wissen, dass drei Ärzte auf die gleiche Frage drei verschiedene Antworten geben.

Übrigens reihen sich die Medien und Presseschriften ohne Ausnahmen brav in die Reihe derer ein, die Halbwissen und Unwissen als Wahrheiten verbreiten und damit Zuschauer und Leser in die Irre führen. Der Deutsche ist noch immer so naiv, ja besser gesagt obrigkeitshörig, dass er glaubt, was er im Fernsehen oder in der Presse erfährt. Diese Gutgläubigkeit sollte langsam ein Ende finden.

Die meisten Autoren sind, wie jeder andere auch, unter Zeit- und Leistungsdruck. Und so bleibt einfach nicht genug Zeit, sich intensiv mit vertrauenswürdigen Quellen zu befassen. Wozu auch? Die meisten Leser haben oft noch weniger Ahnung von den Themen als der Autor. Das reicht in Deutschland aus, um qualifiziert zu erscheinen. Opfer werden in der schnelllebigen Zeit in Kauf genommen. Wir sind soweit, dass so ziemlich jeder unter dem Deckmantel der Pressefreiheit Unsinn verbreiten darf. Da wird weder auf die Würde noch auf den Leumund und die Folgen Dritter Rücksicht genommen.

Sie glauben, dass diese Sichtweise vielleicht überspitzt sei? In Wahrheit ist es noch viel extremer, als hier ausgedrückt. Wie sonst erklären Sie sich, dass die Medien so oft positiv über Produkttiefflieger wie Riester- und Rürup-Rente oder auch Bausparen schreiben? Wie erklären Sie sich, dass man von den wenigen wirklichen Highlights der Finanzbranche wenig oder nichts Positives hört? Wie erklären Sie sich, dass die Medien- und Presselandschaft einstimmig Geldwertanlagen favorisieren, obwohl jeder Kenner weiß, dass nur Sachwertanlagen auf Dauer zum Ziel führen? Alles Zufall oder gesteuerte Manipulation? Der Leser darf sich hier gern selbst ein Bild machen.

Infos zum Autor: Michael Sielmon
Foto: Bilddatenbank Fotolia

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