Fragen und Antworten zu Vermögensaufbau und Vermögensschutz

Fragen und Antworten zu Vermögensaufbau und Vermögensschutz, ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Hier findest Du Orientierung zu vielen Themen und Mythen aus der Finanzbranche.

Was ist Vermögen?

Um Vermögen zu definieren, muss die Nachhaltigkeit berücksichtigt werden. Wir unterscheiden Geldwertvermögen und Sachwertvermögen. Diese beiden Vermögensformen sind gänzlich unterschiedlich. Das eine ist sicher, das andere nicht.

Was ist Sicherheit?

Sicherheit ist ein menschliches Konstrukt, eine Wortschöpfung. Sicherheit soll das Maß angeben, wie gering die Verlustgefahr ist. Die Angst vor Verlusten ist bei vielen Anlegern und Sparern so stark, dass sie ihr Augenmerk nur darauf richten und dabei den Gewinn oder die Chance aus den Augen verlieren.

Sicherheit ist für jeden etwas anderes. In der allgemeinen Meinung ist Sicherheit in der Geldanlage gleichbedeutend mit dem Vorhandensein von Garantien.

Was sind Garantien?

Eine Garantie bezieht sich in der Geldanlage auf nominale Werte oder Beträge. Die Garantie bedeutet, nach einer vereinbarten Zeit einen bestimmten Betrag sicher zu erhalten oder zu erreichen.

Für Garantiegeber sind Garantien ein adäquates Mittel, das Bedürfnis nach Sicherheit zu befriedigen. Man kann davon ausgehen, dass Garantien nur dann gegeben werden, wenn sich der Garantiegeber sicher ist, das Garantieversprechen leicht zu erfüllen.

Welche Garantien gibt es?

Wer ist nicht auf der Suche nach der garantiert sicheren Geldanlage mit garantiert sicherer – hoher – Rendite? Es wäre ein ideales Anlageprodukt für Kleinanleger mit Potential für eine satte Altersvorsorge. Doch diese sichere Anlagemöglichkeit ist ein Mythos. Eine Garantie ist immer ein Zeichen dafür, dass die Rendite zu gering ausfällt.

Garantie ist nicht gleich Garantie. Da gibt es viele Feinheiten. Garantien gehen immer zu Lasten des Ertrages, denn Garantien kosten Geld. Nicht immer gilt eine Garantie über mehrere Jahre oder auf alle Bauteile eines Angebots. Manchmal ist die Garantie auch nur eine zweijährige Mogelpackung, damit die Zeiten der gesetzlichen Gewährleistung überstanden werden. Der Preis einer Garantie ist oft unverhältnismäßig hoch.

Wunder gibt es in der Finanzbranche nicht. Alle können nur die Möglichkeiten ausschöpfen, die der Markt anbietet. Das betrifft insbesondere Garantien. Wer erfolgreich Vermögen aufbauen möchte, sollte keine Verluste machen. Darum stürzen sich die sicherheitsorientierten deutschen Anleger auf Garantieprodukte. Niemand fragt sich, wie Garantien zustande kommen. Worauf bezieht sich eine Garantie? Ist es machbar, echtes Vermögen mit Garantieprodukten aufzubauen?

Allgemein werden Garantien auf Nominalbeträge gegeben. Zum Beispiel wird bei einem Banksparplan garantiert, dass alles eingezahlte Geld garantiert nach Laufzeitende ausbezahlt wird. Zusätzlich wird ein garantierter Zins versprochen, der das Guthaben erhöht und ebenfalls am Laufzeitende ausbezahlt wird. Nun gibt es aber kaum noch Zinsen. Sparkonten rentieren derzeit mit 0,1 – 0,0 Prozent p.a. Welchen Grund – abgesehen vom Diebstahlrisiko – sollte ein Sparer also haben, sein Geld der Bank anzuvertrauen?

Vor etwa 15 Jahren kamen die sogenannten Garantiefonds auf den Markt. Diese Fonds garantierten am Ende der festgesetzten Vertragslaufzeit entweder mindestens die Rückzahlung des ursprünglich eingezahlten Anlagebetrages, eines bestimmten Prozentsatzes davon oder zwischenzeitlich erreichte Höchststände der Zielanlagen.

Garantiefonds sind ein Paradoxon. Der Begriff „Fonds“ impliziert höhere Renditechancen. Garantiefonds versuchen, Verluste an den Börsen zu kompensieren. Deshalb werden Garantiefonds als Mischfonds aufgelegt. Dabei wird größte Teil des Fondsvolumens in Nullkuponanleihen oder festverzinsliche Wertpapiere angelegt. Dabei wird der Anteil dieser Wertpapiere so bemessen, dass deren Wert inklusive der Zinserträge zum Stichtag oder am Laufzeitende für die garantierte Rückzahlung ausreicht.

Der Garantiewert wird also als Barwert kalkuliert und in festverzinsliche Wertpapiere angelegt. Bei den geringen Zinsen, die der Markt bietet, ist das eine große Herausforderung. Ein sehr großer Anteil des Fondsvermögens geht damit in die Absicherung. Theoretisch wird der Rest des Fondsvermögens in Optionen auf den zugrundeliegenden Basiswert (zum Beispiel Aktien) investiert, um auch Rendite zu erzielen. Dieser Rest ist aber so gering, dass man kaum auf eine ansprechende Gesamtrendite hoffen kann.

Eine weitere Absicherungsstrategie ist die Versicherung. Hier wird ebenfalls sowohl in Festzinsanlagen oder in den Geldmarkt als auch in Aktien investiert wird. Je nach Marktbewegung wird mehr in festverzinsliche Anlagen oder mehr in Aktien umgeschichtet. Bei dieser Absicherungsvariante braucht es ein gutes Händchen. Wenn auf Marktschwankungen nicht rechtzeitig reagiert wird, kann die gesamte Strategie fehlschlagen. Besonders zum Garantiestichtag könnte dann das gesamte Vermögen falsch investiert sein und die Garantie nicht eingehalten werden.

Fonds mit einer Höchststandsicherung zahlen an den Garantiestichtagen jeweils den erreichten Höchststand der Fondsanlage aus. Diese Fonds investieren entsprechend defensiver und rentieren viel geringer als ein vergleichbarer Fonds ohne Höchststandgarantie. Das liegt daran, dass die Fondsmanager nach jedem erreichten Höchststand zur Absicherung des erreichten Fondspreises mehr in sichere Anlagen investieren. Die Aktienanlagen werden also stetig geringer.

Der Preis einer Garantie sind also Performanceverluste oder höhere Verwaltungskosten; häufig trifft sogar beides zu. Bei einer Kapitalerhaltsgarantie wird zum Ende der Laufzeit mindestens die Rückzahlung des eingezahlten Kapitals garantiert. Dieses Prinzip kann jeder ohne eine Geldanlage erreichen, indem die Ersparnisse unters Kopfkissen gelegt werden. Inflationstechnisch gibt es keinen Unterschied, ob Geld unter dem Kopfkissen aufgezehrt wird oder Geldwerte in einem Garantiefonds. Unter dem Kopfkissen zahlt man aber wenigstens kein Agio.

Da sich Garantien immer nur auf Nominalbeträge beziehen, besteht beim Vermögensaufbau ein systemischer Fehler. Geld ist kein Vermögen. Geld ist nur Geld und Geldwerte sind auch nur Geld. Vermögen ist werthaltig. Und das kann man von Geld nicht behaupten. Sachwerte haben einen Wert und einen Preis. Der Preis ist von der Kaufkraft des Geldes abhängig, der Wert nicht.

Wer Vermögen aufbaut, muss diesen Unterschied realisieren. Wert und Preis sind nicht das Gleiche. Der Wert eines Kleidungsstücks liegt darin, dass man es tragen kann, dass es wärmt und schützt. Der Wert einer Kaffeemaschine liegt darin, köstlichen Kaffee zu kochen. Der Wert eines Autos liegt darin, schnell von A nach B zu kommen. Ob das Kleidungsstück, die Kaffeemaschine oder das Auto mehr oder weniger kosten, hat nichts mit dem Wert zu tun, nur mit dem Preis, den man bereit ist, für diesen Wert zu bezahlen.

Eine Garantie auf einen Geldwert sichert also nur den Nominalbetrag, nicht aber die Kaufkraft. Es wird also auch kein Vermögen garantiert, sondern nur ein Nennwert.

Was sind Nominalwerte?

Nominalwerte oder auch Nennwerte gibt es bei Geldwerten oder Wertpapieren. Eine 50 Euro Banknote besitzt den Nominalwert 50 Euro. Eine Aktie hat zum Beispiel den Nennwert von 50 Euro. Mit diesen 50 Euro ist z. B. der Aktieninhaber an der entsprechenden Aktiengesellschaft wirtschaftlich und stimmrechtlich beteiligt.

Was sind Kurswerte?

Wertpapiere mit einem festen Nennwert können beim Handel über eine Börse Preise erzielen, die vom Nennwert abweichen. Diese Preisabweichungen entstehen durch Nachfrage und Angebot. Eine Anleihe mit einer hohen Bonität und einer attraktiven Verzinsung besitzt eine große Nachfrage. Beim Verkauf würde diese Anleihe wahrscheinlich zu einem höheren Preis verkauft werden als ihrem Nennwert. Die Bereitschaft, mehr für ein attraktives Wirtschaftsgut zu bezahlen erzeugt die Kurswerte. Diese können über oder auch unter dem Nenn-/Nominalwert liegen.

Was ist Kaufkraft?

Die Kaufkraft eines Wirtschaftsgutes ist ihr Vermögen. Ein Wirtschaftsgut kann gegen andere Wirtschaftsgüter getauscht werden. Je höher die Kaufkraft dieses Gutes ist, desto mehr anderer Güter erhält man beim Tausch.

Geld ist das Tauschmittel im derzeitigen Wirtschaftssystem. Die Geldmenge steht immer in einem Verhältnis zu den erhältlichen Gütern oder Waren. Erhöht oder senkt sich die Geldmenge, wirkt sich das auf die Preise der Waren aus.

Eine Erhöhung der Geldmenge, also ein Überangebot an Geld lässt die Preise steigen (Inflation); die Kaufkraft des Geldes sinkt. Der Rückgang der Geldmenge lässt die Preise sinken (Deflation); die Kaufkraft des Geldes steigt.

Wie war die Kaufkraftentwicklung des Geldes in der Vergangenheit?

Bei dieser Frage muss ein Unterschied bei der Betrachtung der Geldsysteme gemacht werden. Wir unterscheiden das gedeckte Geld (Goldwährung) und das ungedeckte Geld (Fiatwährung). Während eine goldgedeckte Währung eine stabile Kaufkraft hatte, verliert jede Fiatwährung kontinuierlich an Kaufkraft. Die Geldmenge einer Goldwährung ist immer an die Menge des hinterlegten Goldes gebunden und konnte nicht beliebig vermehrt werden. Das ist bei ungedeckten Währungen völlig anders. Diese können beliebig ausgeweitet werden. Folglich ist bei ungedeckten Währungen langfristig ein Kaufkraftverlust zu beobachten.

Das Äquivalent von 100 US-Dollar am 01. Januar 2000 entsprach am 31.12.2020 155,31 US-Dollar. Das bedeutet, dass man für eine bestimmte Menge Waren, die 2000 für 100 US-Dollar erhältlich waren am 31.12.2020 155,31 US-Dollar bezahlen musste.

Das Äquivalent von 100 Euro am 01. Januar 2000 entsprach am 31.12.2020 134,66 Euro. Das bedeutet, dass man für eine bestimmte Menge Waren, die 2000 für 100 Euro erhältlich waren am 31.12.2020 134,66 Euro bezahlen musste.

Welche Faktoren wirken auf die Inflation?

Inflation (Kaufkraftverlust) entsteht durch Ausweitung der Geldmenge. Das Maß für die Inflation wird aus der Ausweitung der Geldmenge abzüglich des Wirtschaftswachstums ermittelt.

Die offizielle Inflationsrate wird über ein statistisches Modell festgestellt. Ein statistischer Warenkorb dient dabei als Indikator. Das Maß für den Preisanstieg dieser Waren wird als offizielle Inflationsrate bekanntgegeben.

Dieses Modell hat jedoch einen Fehler. Der unterstellte Warenkorb bildet nicht das reale Kaufverhalten der Haushalte ab. Dieses Kaufverhalten ist individuell und kann nicht vereinheitlicht werden. Außerdem fehlen in diesem Warenkorb die Kapitalanlagen (Aktien, Immobilien usw.). Die tatsächliche Inflation (gefühlte Inflation) ist für jeden Haushalt also anders und in der Regel erheblich höher als die offizielle Inflationsrate.

Wie funktionieren Geldanlagen?

Zunächst sind Geldwertanlagen Forderungen. Wenn Geld auf ein Konto eingezahlt wird, geht der Besitz des Geldes über. Das Geld gehört nicht mehr dem Anleger, sondern dem Institut. Der Anleger hat eine Forderung, die er zu den vereinbarten Vertragsbedingungen (Laufzeit, Verzinsung, Kündigungsfristen usw.) eingegangen ist. Mit dem Besitzübergang verliert der Anleger die tatsächliche Gewalt über das Geld. Diese erlangt der Anleger erst wieder zurück, wenn die Forderung aufgelöst, das Geld zurückgezahlt und sich in Form von gesetzlichen Zahlungsmitteln in den Händen des Anlegers befindet. Nur Bargeld ist eigenes Geld.

Geldanlagen gibt es nicht. Jedes Geld, welches z. B. für Zinsen an ein Institut verliehen wird, ist ein Darlehen. Ein Merkmal eines Darlehens ist die Rückzahlung des Darlehensbetrages. Hier geht es um Nominalwerte. Ein Geldbetrag hat zum Zeitpunkt der „Geldanlage“ aufgrund der schleichenden Inflation eine andere Kaufkraft als zum Ablauf der „Geldanlage“. Gleichen die Zinsen diesen Kaufkraftverlust nicht aus, kommt es zu einem Verlust.

Verluste können auch eintreten, wenn vereinbarte Vertragsbedingungen nicht eingehalten werden. So ist die vorzeitige Auflösung einer längerfristigen „Geldanlage“ oft mit Strafzinsen oder zusätzlichen Gebühren verbunden.

Wie funktionieren Sachwertanlagen?

Sachwerte haben in der Regel einen Wert und einen Preis. Der Wert ergibt sich entweder aus dem Materialwert, aus dem Gebrauchswert oder einer Kombination aus beidem. Der Preis bildet sich durch Angebot und Nachfrage. Ein attraktiver Sachwert mit einer hohen Nachfrage bildet einen entsprechend hohen Preis.

Sinkt die Nachfrage, sinkt der Preis. Sachwerte sind Güter. Folglich sind Sachwerte inflationsbeständig, da sich Inflation nur auf Geld und Geldwerte auswirkt. Steigende Preise von Sachwerten aufgrund der Inflation bedeuten also keinen Wertzuwachs. Der Wert der Sachwerte bleibt gleich, nur der Preis steigt.

Gewinne oder Verluste werden in der Regel beim Handel mit Sachwerten realisiert. Solange ein Sachwert sich im Besitz eines Anlegers befindet, gibt es weder einen Gewinn noch einen Verlust. Kauft ein Anleger Aktien bei einem hohen Kurs und sinkt danach der Kurs, hat der Anleger zunächst keinen Verlust. Erst wenn er zu einem geringeren Kurs als dem Einkaufskurs verkauft, realisiert er den Verlust. Genauso funktioniert dieser Prozess auch in die andere Richtung.

Die Preise von Sachwerten unterliegen Zyklen. Folglich sollte eine Sachwertanlage immer langfristig ausgerichtet sein. Dadurch profitiert der Anleger automatisch an der Inflation und kann seinen Sachwert später zu einem entsprechend höheren Preis wieder veräußern.

Kann man mit Geldwerten für das Alter vorsorgen?

Diese Frage kann man nicht grundsätzlich verneinen. Wer genug Geld übrig hat und wem Inflation und Steuern nichts ausmachen, kann mit einem entsprechend hohen Ansparbetrag auch für das Alter vorsorgen. Allerdings stehen bei Geldwerten Aufwand und Nutzen in keinem guten Verhältnis.

Ein Rechenbeispiel soll diese Behauptung verdeutlichen:
Ziel soll für eine Zusatzvorsorge von 1.000 Euro heutiger Kaufkraft in 40 Jahren sein. Unterstellt wird eine durchschnittliche Inflation von 3 Prozent pro Jahr. Für Waren im Wert heutiger 1.000 Euro müssten dann in 40 Jahren 3.262 Euro bezahlt werden.

Schwierig wäre, wenn das Geld nicht bis zum Tode reichen würde. Deshalb wird veranschlagt, dass diese 3.262 Euro für 33 Versorgungsjahre gezahlt werden müssten (Endalter 100). Das entspräche 396 Versorgungsmonaten, also wären dafür 1.291.752 Euro an Kapital nötig (396 x 3.262 Euro). Bei Geldwerten ist der Ertragsanteil zu versteuern. Für die Berechnung werden 20 Prozent für die Steuer eingeplant. Der Kapitalbedarf erhöht sich damit auf 1.550.102 Euro.

An dieser Stelle wird klar, dass man mit Geldwerten entweder einen sehr hohen Ansparbetrag benötigt oder eine sehr hohe, konstante Rendite. Bei nur 5 Prozent pro Jahr wäre ein Ansparbetrag von 1.007,48 Euro nötig, um dieses Kapital in 40 Jahren zu erwirtschaften.

Wer es sich leisten kann, 1.007,48 Euro jeden Monat wegzulegen, hat vermutlich einen viel höheren Versorgungsbedarf als 1.000 heutiger Euro. Insofern muss die Antwort auf die Frage, ob man mit Geldwerten für das Alter vorsorgen kann, „Nein“ lauten.

Kann man mit Sachwerten für das Alter vorsorgen?

Sachwerte speichern die Kaufkraft. Insofern hat jeder Euro, der heute in einen Sachwert investiert wird, der in Zukunft wiederverkauft wird, eine äquivalente Kaufkraft. Es muss also kein zusätzliches Geld zum Ausgleich der Inflation ausgegeben werden. Aufwand und Nutzen stehen also in einem viel besseren Verhältnis als bei Geldwerten. Dazu kommt, dass einige Sachwerte Erträge generieren (Immobilie: Miete, Aktie: Dividende). Mieten von Immobilien entwickeln sich z. B. parallel zu den Preisen. Also wird auch zukünftig ein adäquater Preis für die Nutzung von Wohnraum bezahlt werden. Die Inflation wird auch hier automatisch ausgeglichen.

Allerdings gibt es Sachwerte, die zusätzliches Geld kosten. Immobilien müssen gepflegt und instandgehalten werden, damit sie beim Verkauf oder bei der Vermietung entsprechend gute Erträge generieren. Ähnlich ist es bei Sammlerstücken. Edelmetalle müssen verwahrt werden. Dazu wird ein Safe benötigt oder bei einem Lagerkonzept fallen Lagergebühren an.

Dennoch rentiert es sich mehr, attraktive Sachwerte zu kaufen als Geldwerte. Besonders empfehlenswert sind Sachwerte, die leicht und überall auf der Welt verkauft werden können (z. B. Edelmetalle, Edelsteine usw.). Damit wird ein hohes Maß an Flexibilität erreicht, da man nicht von einem Ort oder einem eingeschränkten Markt abhängig ist (z. B. bei Sammlerstücken).

Was ist bei einer Währungsreform oder Hyperinflation?

Diese Ereignisse sind nicht sehr präsent in den Köpfen der Menschen. Trotzdem gab es diese Ereignisse auf deutschem Boden bereits mehrfach und man kann nicht ausschließen, dass so etwas nie wieder vorkommen wird.

Welche Symptome gab es vor Hyperinflationen/Währungsreformen? Das auffälligste Indiz für diese Ereignisse war die massive Verschuldung. Eine uferlose, unkontrollierte Ausweitung der Geldmenge endete stets in einer Hyperinflation oder Währungsreform.

Geldwerte werden bei einer Hyperinflation entwertet und bei einer Währungsreform umgestellt. Die Historie zeigt, dass Besitzer von Geldwerten dabei teilweise oder sogar vollständig enteignet wurden. Es ist wahrscheinlich, dass das auch bei einem zukünftigen Eintritt eines solchen Ereignisses geschehen wird.

Sachwerte sind unabhängig vom Geld. Bei einer Geldentwertung bleibt der Wert von Sachwerten vorhanden. Es erfolgt lediglich nach der Neuordnung des Geldsystems eine neue Preisfindung. Der Preis wird sich dann auf einem adäquaten Level finden, so dass die Besitzer von Sachwerten mit geringeren Verlusten oder im besten Fall sogar verlustfrei bzw. mit Gewinn aus der Krise hervortreten.

Wie kann man Vermögen schützen?

Vermögensschutz sollte auf zweierlei Art funktionieren. Einerseits tragen werthaltige Sachwerte zum Vermögensschutz bei. Auf der anderen Seite sollte auch ein sicherer rechtlicher Rahmen mit erschwerten Zugriffsmöglichkeiten für Dritte gewählt werden.

Werthaltige Sachwerte mit hoher Fungibilität eignen sich am besten für den Vermögensschutz. Dazu gehören Edelmetalle wie Gold und Silber.

Als rechtlicher Rahmen sollte ein Aufbewahrungsort gewählt werden, der sich außerhalb Deutschlands oder der EU befindet. Hier wäre der Zugriff durch Regierungen erschwert bis unmöglich. Diese rechtliche Vorsorge ergibt Sinn, wenn eine Regierung Enteignungsszenarien durchsetzen möchte, um den Staatshaushalt zu sanieren.

Maßnahmen wie eine Vermögensabgabe sind leichter möglich, wenn die Menschen ihr Geld auf Konten belassen. Hier kann auf Knopfdruck ein Teil des Geldvermögens enteignet werden. Bei Sachwerten außerhalb Deutschlands oder der EU ginge das nicht. Würde die Verwahrung z.B. in der Schweiz oder Liechtenstein erfolgen, wäre das Vermögen vor Zugriff vollständig geschützt, da beide Länder kein EU-Mitglied ist. Innerhalb dieses rechtlichen Rahmens ist somit Vermögen vor Zugriff durch EU-Behörden nachhaltig gesichert.

Nur eine Kombination aus dem geeigneten rechtlichen Umfeld in Verbindung mit leicht veräußerbaren, werthaltigen, stark nachgefragten Sachwerten liefert einen nachhaltigen Vermögensschutz.

Sind traditionelle Finanzprodukte empfehlenswert?

Grundsätzlich muss sich jeder Anleger und Sparer eines vor Augen führen: Banken, Bausparkassen und Versicherungen sind profitorientierte Unternehmen. Ihr Ziel ist der Gewinn und dieser ist dann maximal, wenn die Unternehmen nichts davon abgeben müssen. Erträge gibt es für die Institute in vielerlei Hinsicht. Ein beachtlicher Anteil sind Kosten. Viele Finanzprodukte kosten Geld. Bausparverträge kosten zu Beginn eine Abschlussgebühr. Dazu kommt die Kontoführung und ein Abo für Bausparmagazin. Lebens- und Rentenversicherungen berechnen ebenfalls eine Abschlussgebühr. Diese wird zu Beginn als Negativsaldo eingebucht. Und auch hier fallen Verwaltungskosten an und Kosten für den Versicherungsschutz.

Der deutsche Anleger oder Sparer scheint noch immer der Meinung zu sein, die Banken, Bausparkassen oder Versicherungen wären ihm wohlgesonnen. Den Menschen steht oft kein ausreichendes Wissen zu Finanzprodukten zur Verfügung. Damit sind sie leicht manipulierbar und werden in unrentable Produkte bewegt.

Wie kalkulieren die Versicherungen ihre Risikokosten?

Das Geschäft mit dem Leben der Versicherten bietet gleich mehrere Möglichkeiten für die Versicherer, sich einen beachtlichen Anteil der Gelder der Kunden anzueignen. Erwirtschaftete Überschüsse fallen der Versichertengemeinschaft zu. Jedoch nicht vollständig, denn ein Viertel dieser Gelder darf der Versicherer einbehalten. Die Versicherer können die Höhe der Überschussbeteiligung beeinflussen, indem sie zweckdienlich die Risiken kalkulieren.

Eine Riester-Rente ist z. B. eine Wette darauf, wie lange der Versicherte lebt und Rente beziehen wird. Je eher er stirbt, desto geringer fällt die Versicherungsleistung aus und desto höher ist der Anteil, der der Versichertengemeinschaft als Überschuss zufällt. Bei dieser Art Vertrag gehen die Erben nämlich leer aus, wenn der Versicherte verstirbt, ohne dass das Versicherungsguthaben vollständig zur Auszahlung gekommen ist.

Die Wette besteht darin, dass das Guthaben der Versicherten lange genug reicht, bis der Versicherte verstirbt. Lebt der Versicherte länger, muss die Versicherung entsprechend länger Rente bezahlen, selbst wenn das Guthaben bereits aufgebraucht wurde. Damit diese Wette also zugunsten der Versicherer ausgeht, wird mit utopisch hohen Lebenserwartungen kalkuliert. Sprich, die Rente soll sehr lange aus dem Versichertenguthaben gezahlt werden können.

Da das Geld lange reichen muss, fällt die Höhe der Rente viel geringer aus, als wenn man mit realistischen Lebenserwartungen kalkulieren würde, die viel kürzer sind. Das statistische Bundesamt geht bei einem heute 30-jährigen Mann von einer Lebenserwartung von 82 Jahren aus. Die Versicherer kalkulieren im Schnitt mit fast 93 Jahren, also über 10 Jahren mehr. Für Frauen fällt die Kalkulation noch spannender aus. Eine heute 30-jährige Frau wird nach Meinung der Versicherer sogar 97 Jahre.

Gerechtfertigt wird diese Praxis damit, dass man vorsichtig kalkulieren und deshalb eine Sicherheitsmarge berücksichtigen müsse. Die Frage ist, ob 10 Jahre nicht eine viel zu hohe Sicherheitsmarge sind. Eine Marge von 2-3 Jahren wäre eigentlich mehr als ausreichend.

Im Endeffekt sorgt diese vorsichtige Kalkulation dafür, dass den Versicherten eine geringere Rente ausgezahlt wird, als ihnen zustünde und somit im Falle des Todes noch mehr Geld, welches dadurch in den Verträgen verbleibt, in die Überschüsse fließt. Da weit mehr Menschen vor dem durch die Versicherer kalkulierten Todeszeitpunkt versterben als die, die diesen überleben, erhält der Rücklagentopf einen stetigen Geldzufluss.

Paradox wird die Angelegenheit, wenn man die Produktlinie Rentenversicherung verlässt und sich die Kalkulationspraxis der Risikolebensversicherung zuwendet. Bei der Todesfallabsicherung geht es wieder um eine Wette.

Diese lautet diesmal aber andersherum: Verstirbt der Versicherer vor Ablauf der Todesfallversicherung oder danach? Der Beitrag für den Todesfallschutz steigt mit der Wahrscheinlichkeit der Sterblichkeit. Kalkuliert man also eine geringe Lebenserwartung, kostet der Todesfallschutz entsprechend viel. Der gleiche 30-jährige Mann, dem bei der Rentenversicherung noch eine Lebenserwartung von 93 Jahren bescheinigt wird, hat bei der Kalkulation einer Risikolebensversicherung plötzlich nur noch eine Lebenserwartung von 73 Jahren!

Auch hier geht es darum, die Höhe der Überschüsse zu vergrößern. Denn wenn man mit einer geringen Lebenserwartung kalkuliert, verschiebt man die Rahmenbedingungen der Wette um den Todeszeitpunkt zu Gunsten der Versicherer.

Die Versicherungsbeiträge sind einfach viel zu hoch kalkuliert, so dass viel weniger Versicherungsleistungen ausgeschüttet werden müssen, als Beiträge hereinkommen. Man kann es drehen, wie man will. Die Versicherer sorgen schon dafür, dass sie nicht zu kurz kommen.

Wie gegen wir mit Risiken um?

Unsere Wahrnehmung spielt uns ständig Streiche. Wollen wir uns z. B. ein neues Auto kaufen, befassen wir uns intensiv mit dem neuen Autotyp. Unsere Wahrnehmung wird für dieses Auto sensibilisiert und plötzlich sehen wir überall dieses Auto. Vorher war uns noch gar nicht aufgefallen, dass unser Traumauto so weit verbreitet ist.

Der Alltag zeigt uns, wie wir Risiken einschätzen und danach handeln. Die Erfahrung lehrt uns, dass eine Gefahr dann am größten wird, wenn wir ständig an sie denken. Unsere Wahrnehmung richtet sich dann auf die befürchtete Gefahr aus und oft tritt das befürchtete Ereignis dann auch ein. Man zieht das Unglück quasi an, denn unsere Wahrnehmung macht uns für alle die Dinge empfänglicher, die mit dieser Gefahr etwas zu tun haben. Der Autofahrer auf der Autobahn mit fixiertem Blick auf ein Hindernis, steuert automatisch darauf zu.

Genauso passiert uns bei gefährlichen Dingen nichts, wenn wir nicht an die Gefahr denken. Wenn wir nicht an Gefahren denken, sondern mit den Situationen ganz selbstverständlich umgehen, haben wir keine Furcht. Ohne Furcht sind wir entspannt und es passiert uns auch nichts.

Trotzdem wir uns nicht mit ihnen beschäftigen, wissen wir um die Risiken. Wir wissen, dass wir unser Leben verlieren können, wenn wir in unser Auto steigen. Und wir wissen auch, dass wir krank werden können, wenn wir rauchen oder uns ungesund ernähren. Wir wägen die Risiken ab und stellen die Vor- und Nachteile in Relation, die entstehen, wenn wir unsere Verhaltensweisen verändern. Am Ende steht eine Entscheidung. Und vielleicht ist es uns sogar egal.

Bei der Auswahl unserer Kapitalanlagen sieht das allerdings anders aus. Eigentlich sollten wir die Chancen verstehen und die Risikobelehrung nachvollziehen können. Letztere fällt laut Gesetz immer sehr umfangreich aus. Der Gesetzgeber erwartet, dass über jedes eventuelle Risiko aufgeklärt werden muss, selbst wenn es unwahrscheinlich ist. Also gilt es, bewusst Risiken zu kennen und einzuschätzen.

Vollständige Sicherheit gibt es nicht. Gerade die sicheren Geldwertanlagen bieten nur eine Sicherheit; Nominalwerte auf einem Blatt Papier.

Wieso werden Geldwerte für die Altersvorsorge empfohlen?

Wenn es um Altersvorsorge in Deutschland geht, muss es sicher sein. Doch das allgemeine Sicherheitsverständnis ist völlig fehlgeleitet. Die Informationspolitik rund um das Thema Altersvorsorge lässt sehr zu wünschen übrig. Die Menschen werden von der Politik zur Zusatzvorsorge bewegt. Die Vorsorgelösungen lösen aber das Problem nicht, sie verschlimmern es!

„Die Rente ist sicher.“ Kein Satz hat sich zu diesem Thema so stark eingeprägt wie dieser. Norbert Blüm, ehemaliger Arbeitsminister war der Urheber dieses Zitats. Und diese Aussage stimmt zu 100 Prozent. Herr Blüm bezog sich auf das Umlagesystem der staatlichen Rente. Arbeitnehmer leisten Beiträge in die Rentenversicherung und diese Gelder werden sofort an die Rentner ausgeschüttet. Dieses System funktioniert und ist somit sicher und nicht anfällig bei Marktschwankungen.

Die staatliche Rentenversicherung ist eine großartige Sache. Es ist völlig unabhängig von den Weltbörsen und anderen Märkten; es ist sogar inflationsgeschützt, denn die Beitragshöhe bezieht sich immer auf die aktuellen Löhne. Leider spielt man bei der staatlichen Rente nicht mit offenen Karten.

Die Rentenmitteilungen, die regelmäßig an die Versicherten verschickt werden, gaukeln eine Art Scheinwelt vor. In dieser Scheinwelt wird den Versicherten Sicherheit über ihre spätere Rente vermittelt. Der Versicherte vergleicht seinen späteren Rentenanspruch mit seinem heutigen Einkommen. Aber was später alles kosten wird und ob diese Rente ausreicht, kann niemand voraussagen.

Die staatliche Rente ist ein Dorn im Auge der Finanzdienstleister. Sie sind schon immer scharf auf die Beitragssummen gewesen, die jeden Monat in die Rentenkasse fließen. Die Vertreter dieser Institute sägen also permanent am Ast der gesetzlichen Rente. Sie gewinnen immer stärkeren Einfluss auf die Politik und dieser zahlt sich aus.

Mit der schonungslosen Manipulation der Bevölkerung durch Desinformation, werden diese in unrentable Produkte bewegt. Die Lobby kratzt außerdem seit Jahren am Fundament des staatlichen Rentensystems. Da die Deutsche Rentenversicherung kein echter Generationenvertrag ist und nicht jeder in dieses System einzahlt, gibt es erheblich mehr Leistungsempfänger als jene, die durch ihre Beitragszahlungen Leistungen rechtfertigen würden.

Rentenansprüche ohne Beitragsleistungen werden z. B. ohne Gegenleistung oder Gegenfinanzierung aus anderen Mitteln gewährt. Es werden einfach Gelder aus der Rentenkasse entnommen. Dabei geht es um hohe Milliardenbeträge, die zum Vermögen der Rentenkasse gehören.

Die staatliche Rentenversicherung wurde ursprünglich als eigenes autonomes und unabhängiges Organ konzipiert. Sie sollte sich selbst verwalten und eigene Entscheidungen treffen dürfen. Doch die Politik übernahm diese Aufgaben und finanzierte aus den Mitteln der Rentenversicherung so nebenbei auch andere Dinge, die mit der Rente überhaupt nichts zu tun haben. Rückzahlung: Fehlanzeige! Der Staat behandelt die Rentenversicherung wie sein Eigentum und verfügt über Milliardenbeträge, die zum Vermögen der Rentenkasse gehören.

Was ist mit dem Rentensystem passiert?

Zwischen 1977 und 2015 gab es zahlreiche leistungsmindernde Eingriffe in Form von Reformen in das Rentenrecht. Weitere Rentenreformen folgten und werden sicher auch in Zukunft folgen. Man erinnere sich dabei an die Rentenreform 2001/2002, mit der in drei Stufen weitere einschneidende Eingriffe für die Versicherten verabschiedet wurden. Zum 01.01.2004 trat das zweite und dritte SGB VI (Sozialgesetzbuch VI) Änderungsgesetz in Kraft, das Rentenversicherungsnachhaltigkeitsgesetz wurde für 2005 und das Alterseinkünftegesetz ab 2005 beschlossen, welches eine höhere Besteuerung von Renten nach sich zog. Seit über 30 Jahren wird die gesetzliche Rente zu Gunsten der privaten Finanzinstitute reformiert. Es folgte die Rentenreform 2007 (Altersgrenzenanpassungsgesetz) mit der schrittweisen Anhebung des Renteneintrittsalters von 65 Jahren auf 67 Jahren im Zeitraum zwischen 2012 und 2025 und der mittelfristigen Festschreibung des Beitragssatzes auf 19,9 Prozent. Die Rentenreform 2008 (Rentenanpassungsgesetz) bewirkte das Aussetzen des Riester-Faktors für die Jahre 2008 und 2009 mit Nachholung in den Jahren 2012 und 2013. Die Rentenreform 2014 führte die Mütterrente für Mütter ein mit Kindern, die vor 1992 geboren wurden. Außerdem wurde die Rente ab 63 für Arbeitnehmer eingeführt, die bereits 45 Jahre Rentenbeiträge eingezahlt haben. Mit der Rentenreform 2017 kam die Einführung der Flexi-Rente ab 1.1.2017 und die Anpassung des Ostrentenrechts an das Westrentenrecht bis 2025. Das Gesetzgebungsverfahren dazu läuft noch. Die Rentenreform 2019 etablierte das RV-Leistungs- und Stabilisierungsgesetz mit der Verbesserung der Erwerbsminderungsrenten, der verbesserten Anrechnung von Kindererziehungszeiten, der Festlegung von Haltelinien für Beitragssatz und Rentenniveau und der Ausweitung der Midi-Jobs ab 01.07.2019.

Da wird viel herumgebastelt. Aber diese ganzen Maßnahmen sind weder Fleisch noch Fisch. Mit grundlegenden Reformen tut sich die Regierung schwer. Beispielsweise könnte eine verallgemeinerte Beitragspflicht aller Menschen und Berufsgruppen die Rentenversicherung stabilisieren und retten. Doch dafür hat die Politik leider nicht die Eier.

Der Gesetzgeber verweigerte im Jahre 1955 im Zusammenhang mit der Umstellung der Rentenversicherung vom Kapitaldeckungs- zum Umlageverfahren die Rückzahlung seiner Schulden, die er bei den Rentenversicherungsträgern hatte. Die Begründung war, dass sowieso Steuermittel zur Verfügung gestellt würden, wenn die Beiträge zur Finanzierung der Renten nicht ausreichend wären. Aus heutiger Sicht erscheinen die damaligen ca. 14,5 Mrd. Mark recht gering. Seinerzeit entsprach das fast der Hälfte des Haushaltsvolumens im Jahr 1956 (30 Mrd. Mark (Quellen: Bundestagsdrucksache 1659, S. 67; Die Angestellten-Versicherung 1956, Heft1, S. 1)).

Der gesetzlichen Rentenversicherung wurden im Laufe der folgenden Jahre vom Gesetzgeber eine Reihe von Aufgaben (versicherungsfremde Leistungen) übertragen, ohne die entsprechenden Mittel dafür in voller Höhe bereitzustellen. Dadurch werden seit mehr als 50 Jahren und auch heute noch die Überschüsse der gesetzlichen Rentenversicherung zugunsten der Staatskasse abgeschöpft. Dieses Geld fehlt selbstverständlich den Versicherten und ist einer der Gründe dafür, warum die gesetzliche Rente nicht ausreicht.

Aktuell leisten rund 33,41 Mio. (2019, Quelle: destatis.de) sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer Beiträge in die Deutsche Rentenversicherung. In Anbetracht von aktuell über 21,12 Mio. Rentnern, die ihren Lebensunterhalt aus diesen Geldern bestreiten müssen, wird schnell klar, dass das staatliche Rentensystem bereits heute schon nicht mehr so funktioniert, wie es sich Herr Blüm damals vielleicht erhoffte.

Aber natürlich gibt es auch das demographische Problem, welches man nicht wegdiskutieren kann. Immer weniger Arbeitnehmer zahlen ein, immer mehr Rentner erhalten Rente und das dann für immer längere Zeiträume. Der Rentner von heute hat im Schnitt 22 Jahre Rentenbezugszeit vor sich; Tendenz steigend. Im Verhältnis zu den 45 Lebensarbeitsjahren, die die Deutsche Rentenversicherung beim so genannten Eckrentner voraussetzt, ist das eine sehr, sehr lange Zeit.

Das war nicht immer so. Als die staatliche Rente von der Adenauer-Regierung ins Leben gerufen wurde, waren die Verhältnisse in Deutschland völlig anders als heute. Damals gab es viel mehr sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer. Und die Rentner bezogen im Schnitt nur halb so lange Rente. Im Ergebnis stand die staatliche Rente da, wie der sprichwörtliche Fels in der Brandung. Es gab genug Beitragszahler um die Rentner ausreichend zu versorgen. Die Rente war sicher und dieses Wissen grub sich in das Bewusstsein der Menschen ein.

Nun, da das Geld aus der staatlichen Rente für einen sorgenfreien Lebensabend nicht ausreichen wird, steht der Appell fest: Jeder muss selbst vorsorgen mit privater Zusatzvorsorge. Die Versicherer und ihre Helfershelfer sind selbstverständlich vorn dabei mit ihren Angeboten. Hier steht der schnelle Verkauf der Produkte im Vordergrund. Denn diese Produkte haben einen großen Vorteil: man merkt erst Jahre später, dass sie nichts taugen.

Die Hauptargumentation in der Kundengewinnung ist die Sicherheit. Die Altersvorsorge muss sicher sein! Und wenn man den Verband der Lebensversicherer (GDV) dazu interviewt, gibt es immer nur positive Nachrichten. Die Wirklichkeit, sieht anders aus. Die Lebensversicherer investieren die Kundengelder zu einem hohen Anteil in festverzinsliche Wertpapiere, meist Staatsanleihen. Bei Staatsanleihen kann man zwei Trends beobachten. Erstens ist das Zinsniveau seit Jahren im Keller.

Das bedeutet, die Lebensversicherer schaffen nicht mehr genug Ertrag, um ihre Versicherungsversprechen einzuhalten. Der Garantiezins sollte auf 0,9 Prozent herabgesetzt werden. Durch die Corona-Situation wurde das verschoben. Da sollte man mal drüber nachdenken. Zweitens sind Staatsanleihen seit der Rettung von Griechenland, Irland und Zypern vor dem Bankrott schon lange nicht mehr sicher. Und andere Länder verschieben ihren Bankrott nur aufgrund der massiven Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank.

Sehen wir uns das Beispiel Deutschland an. Deutschland ist ebenfalls stark verschuldet. Aber Deutschland steht in der EU noch vergleichsweise gut da. Aber Deutschland haftet für die EU-Mitgliedsstaaten kippen die über die Klippe, kippt Deutschland mit.

Was wenn die Auffanggesellschaft der Lebensversicherer, die Protektor Lebensversicherungs-AG, im Falle von Versicherungsinsolvenzen an ihre Grenzen stößt? Das könnte passieren, wenn mehrere Versicherer insolvent werden und die Branche keine Reserven mehr hat. Wenn eine Insolvenzmasse veräußert wird, sind dort wahrscheinlich auch Staatsanleihen im großen Umfang mit von der Partie.

Wie würde das geregelt? Wer weiß das schon, wenn es um solche Summen geht? Seit der Bankenkrise 2008 ist Bewegung bei den Versicherern. Wertpositionen in den Bilanzen haben arg eingebüßt. So etwas wird als stille Last verbucht und sorgt nicht gerade für ein gutes Bild beim Stresstest. Experten gehen davon aus, dass ein Viertel der Versicherer auf der Kippe stehen. Viele halten diese lange Wartezeit nicht durch.

Über 70 Prozent der abgeschlossenen Lebensversicherungen erreichen z. B. nicht ihren Ablauf. Die meisten werden innerhalb der ersten 7 Jahre gekündigt. Hauptursache dafür sind die unbefriedigenden Wertmitteilungen, die die Versicherer jedes Jahr an ihre Kunden schicken. Extrem hohe Kosten fressen die Rendite auf. Die Mehrzahl der laufenden Verträge bewegt sich innerhalb der ersten 15 Jahre im Minus. Welcher verantwortungsvolle Anleger schaut da lange zu?

Erfolgt die Beratung bedarfsgerecht?

Oft wird mangelhaft beraten. Viele Vermittler oder Makler nutzen oft Software, die die Rentenlücke ermitteln soll. Auf der Grundlage von heutigen und vergangenen Einkommen wird dann eine Rentensituation simuliert, die darüber Aufschluss geben soll, wie viel später an Geld fehlen wird. Größtes Manko einer solchen Vorgehensweise ist die Inflation. Sie ist nicht kalkulierbar.

Man geht bei diesen Berechnungen so um, als würden später in der Zukunft die gleichen Verhältnisse vorherrschen wie heute und dass 1.000 Euro auch in Zukunft 1.000 Euro sein werden. Vielleicht stützen sie sich darauf, dass der Staat geringe Inflationsraten öffentlich bekannt macht. Vielleicht lassen sie sie auch einfach unter den Tisch fallen, um den Verbraucher nicht zu verunsichern.

Wer ein Produkt verkaufen will, muss seinen potenziellen Kunden in einen positiven Zustand versetzen. Denn nur wer den Nutzen eines Produktes erkennt, unterschreibt. Geldentwertung ist kein angenehmes Thema. Wer das in seiner Beratung bespricht, macht ein echtes Fass auf. Das braucht keiner. Also muss man darüber nicht unbedingt reden.

Tragen Berater eine Mitschuld an der Altersarmut?

Wer nicht über seine Situation aufgeklärt wird, erkennt die drohenden Gefahren nicht. Die meisten Verbraucher sparen jeden Monat einen Teil ihres Geldes in Verträge ein, die später die Lücke zwischen dem letzten Gehalt und der staatlichen Rente schließen sollen. Und viele dieser Verbraucher tun das in dem Glauben, dass diese Verträge das auch können. Sie vertrauen darauf, dass die seriösen Institute ihnen mit ihren Produkten zu Vermögen verhelfen.

Schließlich machen es alle so. Doch genau das ist der springende Punkt. Nur weil viele etwas tun, ist es nicht zwangsweise richtig! Niemandem fällt auf, dass man auf dem falschen Weg ist, wenn man der Herde folgt, die in die gleiche Richtig geht. Im Gegenteil. Wenn man nach dem Weg fragt, würde jeder sagen, kommt doch mit. Wir wollen auch dorthin. Warum geht Ihr in diese Richtung, könnte man fragen. Wir haben jemanden gefragt, der sich auskennt, wäre wahrscheinlich die Antwort.

Ist es nicht das, was alle tun? Sie fragen jemanden, der sich auskennt. Mit Fachleuten ist es aber immer so eine Sache, denn:

  • Du kannst schwer einschätzen, wie groß sein Fachwissen ist,
  • Du weißt nicht, woher sein Fachwissen stammt,
  • Du kannst schwer einschätzen, ob es sich um Fachwissen oder Verkaufspsychologie handelt und
  • Du kannst nicht nachprüfen, wie breit das Angebotsspektrum Deines Ansprechpartners wirklich ist.

Es gibt nur eine Lösung. Du brauchst selbst Fachwissen. Erst dann kannst Du:

  • Aussagen hinterfragen,
  • vorgetragene Fakten überprüfen,
  • die Qualität der angebotenen Produkte einschätzen und
  • die wahren Motive Ihres Ansprechpartners feststellen.

Fakt ist eines: In Deutschland schafft es die Masse nicht, mit Hilfe von Finanzprodukten, Vermögen aufzubauen. Die Summen, die in Deutschland „angespart“ werden, werden vordergründig durch Verzicht und den Sparvorgang erreicht und kaum durch die „hohen“ Renditen traditioneller Produkte.

Zugegeben, die Kaufkraft des Geldes verfällt langsamer, als wenn man das Geld in der Matratze oder im Kopfkissen verstecken würde. Aber wachsen tut da nichts außer dem nominellen Zahlenwert. Angehäuftes Geld ist kein Vermögen. Es ist nur Geld; egal, ob es Geld, Lebensversicherung, Sparbuch, Bausparvertrag oder Sparbrief heißt. Es ist und bleibt nur Geld und durch Inflation wird dieses Geld aufgezehrt.

Die Masse der „Fachleute“ vertreibt traditionelle Produkte. Diese sind attraktiv für den Vermittler, denn die Provisionen sind ansehnlich. Die Produkte lassen sich leicht vertreiben, denn jeder hat sie, jeder kennt sie und sie werden in der Schwarmintelligenz als sicher angesehen.

Der Deutsche muss endlich erkennen, dass Sicherheitsdenken und traditionelle Wege des Sparens nicht zum Ziel führen. Es ist fraglich, ob die Produkte, die seit Jahrzehnten als sicher angesehen wurden, tatsächlich heute noch sicher sind; unrentabel und damit unzweckmäßig sind sie auf alle Fälle. Besser wäre, wenn der Erkenntnisprozess durch Einsicht geschieht und nicht durch Erfahrung. Denn erster Weg birgt zumindest die Chance, den eingeschlagenen Kurs zu ändern.

Wie aussagekräftig sind Beispielrechnungen?

Beim Verkauf von Lebensversicherungen wird gerne mit Hilfe von Beispielrechnungen aufgezeigt, wie sich das Guthaben entwickeln wird. Doch gerade bei Fondspolicen sind solche Beispielrechnungen gar nicht möglich, denn bereits die Eigenschaften dieser Produkte verhindern jegliche Vorhersage. Dazu kommt ein kreativer Umgang mit Kosten, mit dessen Hilfe die Berechnungen zu Gunsten besserer Ablaufergebnisse manipuliert werden.

Wer ein Finanzprodukt abschließt, möchte am liebsten sofort wissen, was er davon hat. Was liegt also näher, als dem Kunden diese Information zu geben? Es heißt, im Verkauf wäre es legitim, zu vereinfachen und zu übertreiben. Dieses ungeschriebene Gesetz nehmen die Lebensversicherer sehr ernst und setzen es brav in die Tat um.

Beispielberechnungen sollen dem Kunden aufzeigen, wie sich sein Vertrag entwickelt und mit welcher Ablaufleistung er rechnen kann. Tatsächlich gibt es im ganzen Land keinen einzigen Vertrag, der auch nur ansatzweise mit einer zuvor gemachten Beispielrechnung übereinstimmt. Fairerweise muss man zugeben, dass es Beispielrechnungen erst gibt, seit der Computer zur Ausstattung des Vertreters oder Verkäufers gehört; also seit Beginn der Neunzigerjahre.

Bei Berechnungen von Kapitallebensversicherungen werden Beispielrechnungen auf der Grundlage von Zins- und Überschussdaten aus der Vergangenheit angestellt. Leider ist die Zukunft nicht gleich der Vergangenheit. Und deshalb ist jegliche Prognose anzuzweifeln.

Bei Beispielberechnungen für Fondspolicen setzt man noch einen drauf. Für eine Fondspolice wird in der Praxis mittels einer – für die gesamte Laufzeit unterstellten – gleichbleibenden Jahresrendite prognostiziert. Hierbei ergeben sich gleich mehrere Fehlerquellen.

Warum kann man Fonds nicht darstellen?

Kein Fonds hat eine gleichbleibende Rendite über eine längere Laufzeit. Die Preise der Fondsanteile unterliegen – wie auch der Kurs von Aktien – Wertschwankungen. Diese sind niemals gleichmäßig und auf gar keinen Fall berechenbar.

Man kann bestenfalls einen Durchschnitt über einen gewissen Zeitraum ermitteln, wobei dieser Durchschnitt ebenfalls sehr stark schwanken kann. Je nach Betrachtungszeitraum können völlig unterschiedliche Durchschnittsrenditen ermittelt werden. Eine durchschnittliche Rendite kann bei Aktienfonds also auf unterschiedliche Weise zustande kommen. Großen Einfluss hat zum Beispiel die Volatilität, also wie stark ein Fonds schwankt.

Hier soll ein einfaches Beispiel Aufschluss darüber geben, wie wenig Durchschnittsrenditen von Fonds über ein Endergebnis aussagen können. Anfangskapital: 10.000 Euro (siehe Tabelle).

Obwohl alle drei Fonds im Schnitt 10 Prozent p.a. erreichten, ist das Endergebnis immer ein völlig anderes. Das zeigt eindeutig, dass man bei der Berechnung von Fonds nicht einfach Durchschnittsrenditen unterstellen darf. Eine Zinseszinsberechnung ist für Fondsanlagen ebenfalls ein völlig falscher Rechenansatz.

Wie wird mit versteckten Kosten und Kick-Back-Provisionen manipuliert?

Die Kapitalanlage – hier der Fonds – bietet viele Manipulationsmöglichkeiten. Seit der Einführung des Versicherungsvertragsgesetzes hat sich für den Kunden vor allem eines geändert: Das Versicherungsvertragsgesetz schreibt vor, die Kosten eines Vertrages transparent zu machen. Wenn man sich auskennt und die Versicherungsterminologie beherrscht, kann man diese Informationen zur Kostensituation vollständig aus den Merkblättern herauszulesen. Als Kunde bekommt man durch die neue Gesetzeslage mehr Papier mit noch mehr Informationen. Das macht es dem Versicherungsnehmer nicht leichter, seinen Vertrag besser zu verstehen.

Das eigentliche und wichtigste Anliegen des neuen Gesetzes ist bis heute nicht umgesetzt: Die für den Kunden besser nachvollziehbare Kostentransparenz. Und so haben die Versicherer einen Freifahrtschein, ihre Kostenkalkulation so nutzbringend wie möglich bei der Darstellung von Beispielberechnungen einzubringen.

Bei Fondspolicen kann man da schon mal ins Staunen geraten, wenn man sich z. B. ein Angebot mit 0 Prozent Wertentwicklung rechnen lässt. Bei einer solchen Berechnung sollte die Kostensituation nachvollziehbarer werden, denn man bekommt einen direkten Einblick darin, wie viele Gebühren abgezogen werden und was dann nach Abzug der Kosten im Topf übrigbleibt.

Wer diese Berechnung durchführt, wird überrascht sein, denn bei einigen Anbietern ist am Ende das Guthaben genauso hoch oder es wächst über den Betrag hinaus, den man bis dahin eingezahlt hat. Wie ist das möglich? Wenn man keine Wertentwicklung hat, muss das Guthaben nach Abzug von Kosten geringer sein als der Betrag, den man eingezahlt hat. Wenn dem nicht so ist, kann die Berechnung nicht stimmen.

Das Geheimnis ist die Kapitalanlage. Der Gesetzgeber hat Kostentransparenz für die Versicherungskosten vorgesehen, aber nicht für die Kosten der darin enthaltenden Kapitalanlage, sprich den Fonds. Ein signifikanter Kostenanteil in einer Fondspolice entsteht innerhalb der Fonds. An denen ist der Versicherer in aller Regel in Form von so genannten Kick-Back-Provisionen beteiligt.

Diese Kick-Back Zahlungen werden dem Kunden gegenüber oftmals nicht ausgewiesen. Bei einigen Gesellschaften fließen diese dann in Form einer Überschussbeteiligung oder auch einem Treuebonus im Angebotsausdruck als Gutschrift in die Gesamtdarstellung ein und sorgen so für eine geschönte Ablaufleistung. Wieder andere Gesellschaften am Markt spiegeln die Fonds.

Das heißt, sie bilden Fonds mit höheren Gebühren nach. Aufgrund der höheren Gebühren können Sie höhere Rückvergütungen in der Angebotsdarstellung ausweisen. Das Fatale ist, das die Rückflüsse in der Beispielrechnung berücksichtigt werden, die Kosten der Kapitalanlage jedoch nicht.

Ein großes Missverständnis bei der Betrachtung von Angebotsausdrucken besteht in dem Glauben, dass bei einer unterstellten Wertentwicklung von z. B. 9 Prozent in der Beispielberechnung, auch tatsächlich 9 Prozent Rendite beim Kunden ankommen. Je nach Art, der für die Kapitalanlage gewählten Fonds, müssen die Gebühren berücksichtigt werden, die in den Fonds anfallen.

Die Total Expense Ratio (TER) soll auf einen Blick Klarheit schaffen. Sie ist eine Kennzahl, die die Kostensituation rund um die Management- und Depotbankgebühr und die sonstigen Betriebskosten darstellt. Je geringer die TER, desto günstiger ist die Kostensituation.

Doch leider werden nicht alle Gebühren in der TER erfasst. Der Ausgabeaufschlag, die Transaktionskosten und eventuelle performanceabhängige Gebühren werden nicht berücksichtigt. Vor allem die Transaktionskosten stellen einen sehr hohen Faktor dar, den man nicht einfach unter den Tisch fallen lassen darf. Sie bilden einen Löwenanteil der Gesamtkosten eines Fonds.

Transaktionskosten kann man aber in den Griff bekommen. Kostengünstige Indexfonds, die auf aktives Management verzichten und lediglich den Index (z. B. den DAX) nachbilden (so genannte Exchange Trading Funds oder ETF), haben vergleichsweise geringe Transaktionskosten.

Bei einer Marktentwicklung von durchschnittlich 9 Prozent Rendite p.a. vor Kosten kommen bei einer herkömmlichen Fondspolice im Schnitt tatsächlich nur noch 3 Prozent bis 5 Prozent Nettorendite beim Kunden an. Die Darstellung einer neunprozentigen Wertentwicklung stellt somit ein hohes Maß an Augenwischerei dar, denn in Wirklichkeit kommt nur knapp die Hälfte der Rendite im Vertrag tatsächlich an.

Wie stark sich die Kosten auf eine Fondspolice auswirken können, offenbart die Überprüfung einer Fondspolice mit einem Rechentool für Versicherungsmathematiker. Ein solcher Vertrag über die gesamte Laufzeit durchgerechnet und nur das marktübliche Minimum an Kosten zugrunde gelegt, zeigt ein verblüffendes Ergebnis:

Bei einer Fondspolice eines günstigen Versicherers mit 150 Euro Monatsbeitrag und in der Beispielrechnung mit 9 Prozent Wertentwicklung ausgewiesenen Endauszahlung von über 370.000 Euro nach 35 Jahren Laufzeit, kommt man auf ein völlig anderes Ergebnis. Nach Berücksichtigung aller Kosten betragen diese rund 63.000 Euro. Das ist recht sportlich.

Insgesamt werden schließlich nur 63.000 Euro eingezahlt (150 Euro x 12 Monate x 35 Jahre). Eine Berücksichtigung aller Kosten würde die Ablaufsumme bei einer unterstellten Wertentwicklung von 9 Prozent auf rund 175.800 Euro vor Steuer korrigieren.

Im Vergleich zur ausgewiesenen Ablaufleistung von 370.000 Euro, käme es also zu einer Differenz von knapp 194.200 Euro, die auf entgangene Gewinne durch höheren Kostenabzug zurück zu führen wären. Dieser beträgt nämlich für den Versicherungsanteil insgesamt abgerundet 12.000 Euro und für die Kapitalanlage abgerundet 51.000 Euro.

Wer würde so einen Vertrag unterschreiben, wenn er darüber Bescheid wüsste? Die Ablaufleistung würde dann noch durch Steuern und den Kaufkraftverlust (Inflation) geschmälert.

All das spielt in einem Verkaufsgespräch keine Rolle. Hier kommt es nur darauf an, mit einer ansprechenden Berechnung zu glänzen, um beim Kunden den Kaufimpuls zu beschleunigen.

Eine besonders schöne Beispielberechnung einer Wertentwicklung aus dem Jahr 2009 stellt ein bekannter Versicherer aus. Gleich auf der ersten Seite ist das Rating der Agentur Franke & Bornberg zu sehen, welches damals ein „Hervorragend“ bescheinigte. So etwas schafft Vertrauen. Liest man mit wachem Auge, findet man Folgendes vor:

Eckdaten:
Fondsrente, Beitrag 150 Euro monatlich, Laufzeit 30 Jahre
Vertragsguthaben nach 30 Jahren bei 0 Prozent Wertentwicklung: 51.022 Euro
Insgesamt eingezahlt: 54.000 Euro

Schaut man im Produktinformationsblatt werden folgende Kosten aufgeführt:
Abschluss und Vertriebskosten (4 Prozent): 2.160 Euro
Jährliche Verwaltung (17,5 Prozent), 315,00 Euro (x30) = 9.450 Euro
Fixe Verwaltung (2 Prozent), jährlich 36,00 Euro (x30) = 1.080 Euro

Gesamt: 12.690 Euro

Weitere Kosten des Versicherers, die hinzukämen: Managementgebühr bis zu 0,84 Prozent jährlich.

Und falls es knapp werden könnte, lässt man sich ein Hintertürchen offen und formuliert in Paragraf 22 der Versicherungsbedingungen, dass die Kosten noch höher sein können.

Dabei stellt sich unter anderem folgende spannende Frage: Wie kann es sein, dass man mit 54.000 Euro eingezahltem Kapital und einem Kostenabzug von weit mehr 12.000 Euro bei einer Wertentwicklung von 0 Prozent zu einem Vertragsguthaben von 51.022 Euro kommen kann? Zumal bis hierhin nur die Kosten des Versicherers berücksichtigt wurden.

Die Fondskosten kommen noch hinzu und sind im Vergleich zu den Kosten des Versicherers viel höher. In diesem Beispiel wurden die Fondskosten inklusive versteckter Kosten wie z. B. der Transaktionskosten human mit 2,5 Prozent p.a. angenommen.

Selbst bei dieser humanen Kalkulation kommt man auf über 37.500 Euro Kosten aus der Fondsanlage. Wo sind diese Kosten geblieben? Es wird ein kalkuliertes Guthaben von 51.022 Euro ausgewiesen, obwohl in der Beispielberechnung kein einziges Prozent Wertentwicklung enthalten ist.

Um diese Berechnungen so gut wie möglich aussehen zu lassen, ist scheinbar jedes Mittel recht. Es gibt Anbieter, die schreiben zuvor kalkulierte und nicht ausgewiesene Kosten erst ab einer bestimmten Laufzeit wieder gut, um Anreize für Kunden zu schaffen, ihren Vertrag langfristig zu bedienen.

Kosten werden dabei zuerst höher als nötig kalkuliert und eine bestimmte Stornoquote berücksichtigt. Dadurch tragen zunächst erstmal alle Kunden die höheren Kosten. Wer vor einem bestimmten Zeitpunkt wieder aus seinem Vertrag aussteigt, käme nicht in den Genuss der Gutschrift dieser Kosten.

Deren Anteil verfiele und käme der Versichertengemeinschaft zugute. Dadurch erhöht sich die Ablaufleistung der treuen Kunden – zumindest auf dem Papier. Ob später dann tatsächlich Gutschriften erfolgen, ist nochmals eine ganz andere Sache. Diese Kostengutschriften fließen in die Überschussleistungen der Versicherungsgesellschaft und die werden bekanntlich nicht garantiert. Bei diesen Kostenquoten ist der Frustfaktor für die Versicherungskunden recht hoch. Die jährlichen Wertmitteilungen weisen über viele Jahre ein geringeres Guthaben aus, als an Beiträgen eingezahlt wurde.

Natürlich wird in Beratungen auch darüber gesprochen, dass es einen Risikoanteil zu bezahlen gibt und dass Kosten entstehen. Aber wie gut wissen die Vermittler wirklich Bescheid? Kennen Sie das wirkliche Ausmaß der Kosten? Wie könnten sie solche Produkte sonst ohne ein schlechtes Gewissen anbieten? Mit den Wertmitteilungen besteht also am Jahresanfang immer die Gefahr, dass der Kunde beim Anblick der Kontostände die Lust verliert und seinen Vertrag beendet. Sehr viele Verträge erreichen ihr Vertragsende nicht. Zu lang sind oft die Laufzeiten, zu unflexibel die Produkte und zu gering die Gewinnaussichten. Viele Menschen halten das nicht durch und entscheiden sich lieber für ein Ende mit Schrecken als für den Schrecken ohne Ende. Damit erreichen nur knapp 20 Prozent der Policen tatsächlich das vereinbarte Vertragsende.

Die Versicherer haben sich darauf eingestellt. Für sie sind beide Wege lukrativ, vorzeitig gekündigte Verträge und Verträge, die bis zum Schluss laufen. Bei Kündigung eines Lebensversicherungsvertrages fallen z. B. hohe Stornogebühren an. Gutschriften von Überschüssen bleiben meist ganz aus oder sind winzig. Der Versicherer wird aus seinem Leistungsversprechen entlassen, was für ihn kein Nachteil ist. Am Ende zahlt der Versicherte drauf – und das nicht zu knapp. In der Regel kommt nicht einmal das zurück, was bis dahin eingezahlt wurde.

Ist das eine Strategie der Versicherer? Wollen sie die Kunden durch Abschreckung und Verlustangst in ihren Verträgen halten? Für eine gewisse Zeit scheint diese Strategie auch aufzugehen: „Kündigst Du, machst Du Verluste!“ – so predigen es ja auch die so genannten Verbraucherschützer. Aber das stimmt nicht. Die Wahrheit ist: „Unterschreibst Du – machst Du Verluste!“

Nicht nur die Kunden sind von dieser Praxis betroffen. Eine Unverschämtheit ist auch der Umgang mit den Vermittlern der Policen – zumindest dann, wenn einer ihrer Verträge storniert wird. Denn nicht nur der Kunde zahlt hohe Stornogebühren. Nein, als würde das nicht ausreichen, darf der Vermittler einen Teil seiner Provision zurückzahlen. Bis zu fünf Jahre steht der Vermittler in der Stornohaftung. Nun mag der eine oder andere denken: Sei es drum. Er hätte solchen Schrott nicht verkaufen müssen. Viele Vermittler sind sich gar nicht dessen bewusst, was sie da verkaufen. Diese Informationen werden bei Produktschulungen bewusst verschwiegen.

Die hohen Kosten innerhalb eines Lebensversicherungsvertrages in Verbindung mit der für Kunden kaum nachvollziehbaren Kostenstruktur sind seit Jahren Kritikpunkt Nummer Eins. Die Versicherer erwecken auch nicht den Eindruck, als wollten sie alles nachvollziehbarer gestalten. Als eine mögliche Lösung im Markt werden seit einiger Zeit deswegen auch so genannte kostenneutrale Nettopolicen angeboten. Die Philosophie hinter Nettopolicen ist ganz einfach.

Ein Großteil der Kosten wird dem Kunden gegenüber separat in Rechnung gestellt. Dafür sollen in der Police nur noch Verwaltungskosten und die Kosten der Kapitalanlage belastet werden. Als Kapitalanlage würden dann die kostengünstigen ETF (= börsengehandelte Fonds) genutzt werden, die aufgrund des fehlenden Managements gegenüber gemanagten Fonds erheblich geringere Kosten verursachen. Soweit die Theorie. Bekannte Nettopolicen sind auch nicht gerade Highlights des Finanzmarktes.

Die separate Provisionsvereinbarung sollte hier wohl eher dem Vermittler von Nutzen sein. Der Anbieter spricht von geringen Gebühren in Höhe von ca. 7,2 Prozent bis 7,8 Prozent. Mit 11,85 Prozent Verwaltungskosten und ca. 2,5 Prozent laufenden Kosten der Fondsanlage kann hier wohl kaum von geringen Gebühren gesprochen werden.

Im Gegenteil: Bei einem Sparbeitrag von 100 Euro fällt ein einmaliges Honorar in Höhe von rund 3.000 Euro an. Wird dieses nicht in einer Summe bezahlt, kommen Finanzierungszinsen dazu, was den Gesamtbetrag nochmals erhöht.

Dazu kommen dann noch etwa 4.500 Euro Kosten des Versicherers und abgerundet 25.800 Euro Kosten der Fondsanlage. Mit Gesamtkosten von über 34.000 Euro ist man da bei nur 42.000 Euro Gesamtinvestition innerhalb von 35 Jahren bei einer für eine so genannte Nettopolice recht hohen Kostenquote.

Es geht aber auch anders. Eine Nettopolice macht es vor. Bei gleichen Rahmenbedingungen wie im gerade betrachteten Beispiel stellt sich die Kostensituation überraschend erfreulich dar. Investiert wird hier in ETFs. Dadurch kostet die Fondsanlage maximal 0,5 Prozent p.a. Hierbei handelt es sich um einen gemanagten ETF. Man muss wissen, dass es ETFs gibt, die den Dax nachbilden und daher lediglich 0,15 Prozent Kosten beinhalten.

Dazu kommen max. 0,3 Prozent auf das Fondsguthaben und 15 Euro Stückkosten. Die Police hat nur Verwaltungskosten in Höhe von 4 Prozent. Der Versicherer wird an den Honoraren beteiligt, was ein guter Schritt zu höherer Transparenz ist. Insgesamt kommt man bei einer Gesamtinvestition von 42.000 Euro innerhalb von 35 Jahren auf Gesamtkosten von aufgerundet 18.500 Euro.

Diese ließen sich dann noch weiter reduzieren, wenn der Kunde einen noch günstigeren ETF für seine Anlage wählt. Auf den ersten Blick mag diese Summe noch immer recht stattlich erscheinen. Jedoch nur dann, wenn man sich noch nicht mit dem Thema Kosten in Lebensversicherungen näher befasst hat. Der Fachmann weiß, dass es sich bei so einer Kostenstruktur um ein sehr faires Produkt handelt. Bei einem schmaleren Kostenapparat besteht zumindest die Chance einer Wertentwicklung.

Wie sinnvoll ist das Sparbuch?

Fast jeder hat oder hatte mal ein Sparbuch. Meist sind es die ganz Kleinen, die das Sparbuch in die Wiege gelegt bekommen. Und die älteren Semester wurden oft ihr Leben lang vom Sparbuch begleitet. Es ist die genialste Produktform, die Banken und allen voran die Sparkassen geschaffen haben.

Das Sparbuch ist nicht nur ein Konto. Ein Sparbuch ist Emotion. Wenn man ein kleines Buch in den Händen hält, in das jeder noch so kleine Geldbetrag nach der Einzahlung sofort eingetragen wird, kommen Glücksgefühle auf. Die Zahl im Sparbuch wächst und wächst. Und das macht den Besitzer stolz.

Hinter all diesem Gehabe steht eine perfekt funktionierende Maschinerie. Hier wird auf Seiten des Kreditinstitutes richtig Geld verdient. Objekt der Begierde der Institute ist der so genannte Bodensatz.

Bodensatz bedeutet für die Bank nichts weiter, als dass ein bestimmter Teil kurzfristiger Einlagen der Kunden eines Kreditinstitutes mit längeren Fristen als Darlehen ausgereicht werden dürfen. Bei Spareinlagen kann erfahrungsgemäß davon ausgegangen werden, dass etwa 20 Prozent nach 3 Monaten wieder abgehoben werden, 20 Prozent nach 5 Jahren wieder abgehoben werden und ca. 60 Prozent erst nach 10 Jahren wieder abgehoben werden.

Obwohl zum Beispiel die Einlagen des Sparbuches mit einer Kündigungsfrist von 3 Monaten komplett abgehoben werden könnten, muss die Bank oder Sparkasse nicht das gesamte Einlagenkapital ihrer Sparbücher mit dieser Frist bereithalten.

Auf die Masse der gesamten Kunden bezogen ergibt sich durch die verschiedenen Kontobewegungen der einzelnen Sparkonten – einige zahlen Geld ein, andere lassen Geld einfach liegen, andere holen Geld ab – ein Betrag, der quasi immer vorhanden ist. Dieses Geld muss nicht vom Kreditinstitut bereitgehalten werden und ist somit frei für lukrative Transaktionen der Bank.

Ein Vergleich der Zinskonditionen bei Sparbüchern bzw. Sparkonten am 05.11.2020 weist 0,1 Prozent p.a. beim Top-Anbieter aus. Alle anderen Anbieter liegen also unter 0,1 Prozent p.a.! Das Schlusslicht bietet sage und schreibe 0,0 Prozent Zinsen p.a. Gibt es tatsächlich Kunden, die ihr Geld auf dem Sparbuch deponieren für nur 0,0 Prozent Zinsen?

Es gibt sie offensichtlich, denn jedes Kreditinstitut hat ausreichend Schläfer, also Kunden, die sich nicht für Zinsen interessieren, die alles nur aus Gewohnheit machen, die nicht über den Tisch gezogen werden müssen, weil sie selbst freiwillig über den Tisch rüber gekrochen kommen.

Bodensatztheorie

Auf Wagner (1857) zurückgehende Theorie, nach der ein systematischer Unterschied zwischen den formellen und den tatsächlichen Laufzeiten von Einlagen besteht. So kann festgestellt werden, dass ein gewisser Teil der Einlagen, der sogenannte Bodensatz, unabhängig von der vereinbarten Fälligkeit nicht abgerufen wird. Beispielsweise steht ein hoher Prozentsatz der Spareinlagen den Kreditinstituten über die gesetzliche Kündigungsfrist von drei Monaten hinaus zur Verfügung. Da dieser (formell kurzfristige) Bodensatz den Kreditinstituten faktisch jedoch langfristig zur Verfügung steht, können hiermit langfristige Finanzanlagen refinanziert werden, ohne die Liquidität zu gefährden. Diese – im Widerspruch zur Goldenen Bankenregel stehende – Theorie erlaubt somit dem Kreditinstitut eine positive Fristentransformation.

Und dann gibt es noch den Kunden, dem man alles erzählen kann, der nicht vergleicht, sich keine zweite Meinung anhört, der dem Bankangestellten gegenüber hörig ist, wie der Gefreite gegenüber dem General. Viele Menschen machen sich leider keine ausreichenden Gedanken darüber, was mit ihrem Geld passiert, wenn sie es unrentabel auf dem Sparbuch parken.

Laut dem Manager-Magazin (Quelle) schlummern 1,5 Billionen Euro auf Geldwertkonten ohne Zinsen. Durch die Inflation werden davon jedes Jahr 38 Milliarden Euro vernichtet. Über die Hälfte dieses Geldes liegt nach Angaben des statistischen Bundesamtes auf Sparkonten.

Ist das den Sparern bewusst? Sicher nicht, denn so lange die Zahlen in seinem Sparbuch jedes Jahr größer oder zumindest gleicht groß sind als im Jahr davor, ist seine Freude ungebrochen. Der Sparer sieht, sein Geld ist sicher; zumindest glaubt er das. Das böse Erwachen kommt erst, wenn das Geld irgendwann abgehoben und ausgegeben wird. Erst dann wird der Kaufkraftverlust offensichtlich und die gute Laune wird verschwinden.

Wie sinnvoll ist die Riester-Rente?

In Deutschland gab es 2018 ca. 87,2 Millionen Lebensversicherungsverträge mit einem Vermögen von schätzungsweise 1.014,7 Milliarden Euro (Quelle). Schätzungsweise deshalb, weil viele Verträge gekündigt werden, das Vermögen also kontinuierlich schrumpft. Zehn Jahre zuvor lag der Bestand noch bei 93 Millionen Verträgen.

Angesichts von ca. 83 Millionen Bürgern in Deutschland hat also jeder Bundesbürger im Schnitt mehr als einen solchen Vertrag; Senioren und Kinder inbegriffen. Wenn Sie keinen haben, hat Ihr Nachbar vielleicht zwei davon. Die Lebensversicherung ist eines der in Deutschland weitverbreitetsten Produkte. Die Lebensversicherer haben eine Armee von Vertriebssoldaten, die jeden Tag alles darum geben, hohe Provisionen für Lebensversicherungsverträge zu verdienen.

Seit Jahren verschwinden immer mehr Argumente, die vielleicht noch für eine Lebensversicherung sprachen. Da war der Garantiezins, der teilweise völlig unbemerkt auf derzeit magere 0,9 Prozent schmolz, die Steuerfreiheit der Ablaufleistung nach 12 Jahren Laufzeit (seit 2005 ist diese Geschichte).

Gerade der Garantiezins ist besorgniserregend. Wenn man sich vor Augen führt, dass das Gros der Lebensversicherer derzeit mit den Kundengeldern kaum noch die Garantieversprechen der älteren Verträge erwirtschaften kann, ist die Frage nach der tatsächlichen Sicherheit dieser Verträge mehr als angebracht.

Heute zeigt sich mehr denn je, wie fadenscheinig die Argumentation pro Lebensversicherung war. Diese Verträge sind zu teuer, zu unflexibel, zu unrentabel. Wem die Fakten bekannt sind, kann kaum bei Verstand sein, wenn er davon überzeugt ist, dass Lebensversicherungen sicher wären. Früher wurden 2,75, davor 3,25 und davor 4,0 Prozent versprochen. Heute erwirtschaften die Versicherer weniger Ertrag, als damals noch als Garantieverzinsung versprochen wurden.

Die Wenigsten wissen, dass die Garantieverzinsung sich nicht auf die eingezahlten Beiträge bezieht. Sie bezieht sich ausschließlich auf den sogenannten Sparanteil. Der fällt viel geringer aus, als vermutet. Man muss den Beitragsanteil für die Absicherung (Todesfall, Berufsunfähigkeit etc.) und die Kosten (Abschluss, Verwaltung) abziehen. Je nach Gesellschaft fällt die Ertragslage viel geringer aus.

Eine Übersicht der Kosten kann Klarheit schaffen. Diese Daten stammen aus dem Jahr 2002 von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) aus der Ranglistentabelle/ausgewählte Kennzahlen der Lebensversicherungsunternehmen 2002. Aktuellere Daten gibt es leider nicht. Es ist also vorstellbar, dass sich da einiges geändert hat. Allerdings zeigen die Zahlen, welcher ein fairer Versicherer war und wer nicht. Daran wird sich wahrscheinlich nicht viel geändert haben.

Dabei sollte jedoch auch festgestellt werden, dass die Aufstellung nur die Abschluss- und Verwaltungskosten der Versicherungsunternehmen berücksichtigt. Die Kosten der eigentlichen Investments innerhalb der Lebens-, Rentenversicherung oder Fondspolice sind nicht enthalten und kämen hinzu.

Die Kunden flüchten aus ihren Lebensversicherungen. Ein Produkt, das bereits gerichtlich bestätigt als „legaler Betrug“ bezeichnet werden darf (AZ 74 047/83 Landgericht Hamburg), hat sicher nichts anderes verdient.

Der Bundesgerichtshof (BGH) stärkt die Rechte der Verbraucher, zwingt die Versicherer zu mehr Transparenz. Das Versicherungsvertragsgesetz zwingt die Versicherer zur Offenlegung der Kosten. Und was tun die Versicherer? Sie pfeifen darauf! Sie verschleiern die Wahrheit, geben falsche Kosten in ihren Policen an, halten sich nicht an die Vorgaben des BGH. Stehen die Versicherer über dem Gesetz?

Ohne Neugeschäft sind die Versprechen, die den Kunden gegenüber abgegeben wurden, nicht haltbar. Der Staat griff also ein. Wenn es etwas gibt, was in Deutschland funktioniert, dann sind es geförderte Produkte. Die Menschen sind viel stärker daran interessiert, Prämien vom Staat abzufassen, als sich darüber Gedanken zu machen, was mit ihrem Geld tatsächlich passiert. Die Riester-Rente sollte es richten und es funktioniert.

Die Riester-Rente als Rentenversicherung ist auch heute noch das beliebteste Altersvorsorgeprodukt. Nun gut, beliebt heißt nicht gut. Beliebt heißt nur, dass die Werbung funktioniert und der Vertrieb seine Hausaufgaben gemacht hat. Vater Staat wollte ein kostengünstiges Versicherungsprodukt, machte Vorgaben. Tatsache ist, dass die meisten Riester-Rentenprodukte der Versicherungswirtschaft zu den teuersten Produkten gehören, dies es bisher gab. Oft reicht nicht einmal die staatliche Förderung aus, um die Kosten zu decken.

Was jedoch am spannendsten ist, ist die Behandlung des Todesfalls des Versicherungsnehmers. Die Riester-Rente hat ein Totalverlustrisiko! Dieses Totalverlustrisiko greift, wenn der Versicherungsnehmer verstirbt, bevor seine Rente beginnt zu zahlen. Im Grunde ist es kein echtes Totalverlustrisiko. Es geht hier nämlich nicht um ein Risiko, sondern um die Gewissheit, dass das Geld weg ist.

Wer eine kürzere Lebenserwartung hat, wird seine Rente auch nicht ausschöpfen können. Das verbliebene Guthaben fließt in einen Topf, der der Versicherungsgemeinschaft zugutekommt. Daran ist grundsätzlich nichts auszusetzen. Einer lebt länger, der andere nicht. Wer nicht so lange lebt, hilft mit seinem Geld denen, die länger leben. Das ist das solidarische Prinzip. Jedoch trifft dies hier nicht vollständig zu.

Die Versicherungsgesellschaften kalkulieren mit Lebensspannen, die die wenigsten Menschen erreichen können. Sie sagen, sie würden das zur Sicherheit der Versichertengemeinschaft tun. Die Versicherungsgesellschaften dürfen einen Teil der Überschüsse für sich behalten. Deshalb wird so viel Geld wie möglich in diesem Topf „kalkuliert“.

Jeder zusätzliche Versicherungsbaustein wie Todesfallschutz oder eine Rentengarantie kostet zusätzliches Geld. Viel sinnvoller wäre es, auf die paar Piepen, die vom Staat kommen, zu pfeifen und sich um eine bessere Produktlösung bemühen.

Wie sinnvoll ist die Basisrente (Rürup-Rente)?

Wer viel Steuern zahlt, ist oft auch auf der Jagd nach Steuersparmöglichkeiten. Die Vergangenheit zeigt, dass dem Deutschen dafür manchmal jedes Mittel recht ist. Steuern sparen, koste es, was es wolle! Verlustmodelle – also Kapitalanlagen mit enormen Steuervorteilen waren und sind auch heute noch der Renner. Der Gesetzgeber hat zwar die Möglichkeiten stark eingeschränkt, trotzdem gibt es auch heute noch legale Wege, die individuelle Steuerlast zu mindern.

Doch diese brauchen wir die heute gar nicht mehr beschreiten, denn es gibt ja die Basisrente. Seit dieses Produkt von der Versicherungswirtschaft und der besserverdienenden politischen Elite zusammengewerkelt wurde, ist es das Lieblingsprodukt vieler Vermittler.

Vielleicht war genau das die Strategie. Vielleicht haben sich die Schöpfer dieses Produktes gesagt: Gefällt ein Produkt den Vermittlern, wird es auch rege verkauft. Schon möglich, aber die Nachteile für den Kunden überwiegen hier leider.

Das in einen Rürup-Vertrag eingezahlte Kapital bleibt im Falle einer längeren Arbeitslosigkeit (ALG II) bei der Anrechnung von Vermögen unberücksichtigt. Es heißt, es gilt ein Pfändungsschutz in der Ansparphase – in der Rentenphase kann jedoch der über den Pfändungsfreigrenzen liegende Teil gepfändet werden. Das sind zwei Vorteile, oder doch nur einer?

Getrieben von Geldgier preisen die Vermittler die Rürup-Rente seit Beginn als ideale pfändungssichere Altersvorsorge für Selbstständige. Auf diese Weise wurden riesige Einmalbeiträge eingesammelt.

Zum Pfändungsschutz bezog das Bundesfinanzministerium jedoch schon in 2012 Stellung und stellte unmissverständlich klar, dass eine Rürup-Rente sehr wohl nahezu vollständig pfändbar ist. Wörtlich sagt das Bundesfinanzministerium hierzu: „Der Pfändung des Altersvorsorgevermögens steht ein vertragliches Abtretungs- und Übertragungsverbot nicht entgegen.“ Ein Bericht des Versicherungsmagazins aus dem Jahr 2015 (Quelle) bestätigt dies.

Darin heißt es, Zitat: „Entgegen herrschender Meinung ist nach Auffassung des Münchener Rechtsanwalts Dr. Johannes Fiala und von Peter A. Schramm, so in einer am 22. Juli 2015 veröffentlichten Mitteilung, eine so genannte Basis-(Rürup-)-Rente auch in der Ansparphase keinesfalls pfändungssicher. Der Grund: Ein vertraglicher Kündigungsausschluss könne die Verwertung der Lebensversicherung über eine Kündigung durch den Insolvenzverwalter nicht verhindern.

Die beiden Experten berufen sich dabei auf ein Urteil des Bundesgerichtshofs vom 1. Dezember 2012, Az. IX ZR 79/11. Im Zweifel sei das komplette durch Prämienzahlung beim Versicherer gebildete Vermögen weg – Gläubiger könnten den Rückkaufswert hoheitlich über das Vollstreckungsgericht pfänden und überweisen lassen, Insolvenzverwalter könnten den (nur vertraglich unkündbaren und nur vertraglich nicht abtretbaren) Versicherungsvertrag kündigen und das Vermögen einziehen. Dazu der BGH: “Doch können nach § 851 Abs. 2 ZPO vereinbarungsgemäß nicht übertragbare Forderungen gepfändet werden, wenn der geschuldete Gegenstand der Pfändung unterworfen ist.”

Eine Ursache für den Erfolg der Rürup-Rente liegt an den Beigaben. Staatliche Förderungen und Steuervorteile sind Zauberwörter im Verkauf. Der Vermittler kann ein Produkt viel besser anpreisen, wenn der Staat etwas dazu gibt. Man redet einfach über die Förderung und bietet das dafür notwendige Produkt als Voraussetzung an, diese Förderung zu erhalten.

Diese Praxis hat sich seit Jahrzehnten bewährt und generierte schwindelerregende Umsätze bei verbraucher-unfreundlichsten Produkten. Bei der Basisrente funktioniert das Prinzip bestens. Die Provision für so einen Vertrag ist auch übel. Somit schließt sich der Kreis, denn dem Vertrieb wird ein leicht platzierbares Produkt mit hoher Provisionserwartung zur Verfügung gestellt. Die Versicherungsgesellschaften bilden die Vermittler selbst aus, machen Roadshows, treten auf Messen auf und argumentieren, was das Zeug hält. Folglich wird ausschließlich die Vorteilsargumentationen in die Köpfe der Vermittler gehämmert.

Und die Vermittler? Sie rennen wie die Marionetten los und quaken all das nach, was man ihnen eingetrichtert hat: Der Sparer kann eine Altersvorsorge mit staatlicher Förderung (Steuervorteile über Vorsorgeaufwendungen) aufbauen – großartig!

Man sollte dabei berücksichtigen, dass Beiträge zu Basisrenten nur gestaffelt steuerlich geltend gemacht werden können. Das bedeutet, dass seit dem Jahr 2008 66 Prozent der gesamten Altersvorsorgeaufwendungen zur Basisrente und gegebenenfalls zur gesetzlichen Rentenversicherung und zu berufsständischen Versorgungswerken bis maximal 20.000 Euro (Verheiratete 40.000 Euro) steuerlich berücksichtigt werden konnten. Der steuerfreie Beitragsanteil steigt bis 2025 jährlich um zwei Prozentpunkte.

Eine Lebens- oder Rentenversicherung ist ein Renditegrab. Die Basisrente ist ein Renditegrab mit Steuervorteilen. Wird das Produkt dadurch besser, dass der Staat einen steuerlichen Rabatt auf die Beiträge gewährt?

Wohl kaum; nur weil man ein Produkt billiger bekommt, wird es dadurch nicht gleichzeitig besser. Abgesehen davon holt sich Vater Staat seinen Anteil später wieder, denn die Rentenzahlungen müssen ab dem Jahr des Rentenbeginns vollständig versteuert werden. Und davon abgesehen, werden sämtliche steuerlichen Vorteile und staatliche Subventionen ohnehin aus Steuern finanziert, die die Bürger entrichten.

Viele Vermittler argumentieren, dass der Steuersatz im Alter höchstwahrscheinlich geringer sein wird als der heutige. Vielleicht ist das so, vielleicht auch nicht. Wer kann das schon wissen? Vielleicht verändern sich die Steuersätze in Zukunft komplett. Ob sich die Basisrente als steuerlicher Flop herausstellt, wird man erst dann sehen, wenn es zu spät ist. Dann gibt es keine Möglichkeit mehr, so einen Vertrag umzustellen.

Apropos Umstellung: Eine Kündigung und die Auszahlung eines „Rückkaufswertes“ ist bei Basisrenten ausgeschlossen! Wenn man also entdeckt, dass man einen Fehler mit dem Abschluss eines solchen Vertrages begangen hat, kann man den nicht berichtigen!

Es gibt nichts zurück! Rürup-Verträge können nicht beliehen, übertragen, vererbt oder verschenkt werden. Es gibt auch kein Kapitalwahlrecht. Die spätere Auszahlung erfolgt ausschließlich als Leibrente und beginnt frühestens nach Vollendung des 60. Lebensjahres. Für Sparer, die krank werden und deshalb lieber die Summe mit einem Mal abgerufen hätten, sieht es düster aus. Sie wissen bereits, dass sie kaum das aus dem Vertrag herausbekommen werden, was sie einzahlten. Und wer den Rentenbeginn nicht erreicht, bekommt gar nichts.

Denn bei Tod des Versicherten vor Rentenbeginn verfällt das gesamte eingezahlte Kapital. Erlebt der Sparer den Rentenbeginn, sieht es auch nicht viel rosiger für ihn und sein Guthaben aus. Denn auch bei Tod des Sparers nach Rentenbeginn verfällt das gesamte restliche Kapital. Wer also etwas von seiner Rürup-Rente haben will, sollte nicht früh sterben. So etwas nennt man nicht Totalverlustrisiko, sondern Totalverlustgewissheit.

Nur wer sehr lange lebt, wird sein Geld wiedersehen – abzüglich Steuer versteht sich. Sehr lange leben darf man hier wörtlich nehmen, denn wie auch bei der normalen Rentenversicherung und der Riester-Rente kalkuliert der Versicherer mit Lebenserwartungen aus hauseigenen Sterbetafeln, die mit der statistischen Lebenserwartung nichts zu tun haben. Der Versicherte muss viel älter werden, als es möglich ist. Andernfalls wird er kaum Gewinn aus der ganzen Aktion ziehen können.

Die aufgrund der Todesfälle anderer Versicherter verfallenen Rentenauszahlungen fließen teilweise in die sogenannten Überschussgewinne der anderen Policen ein. Die Rendite der Versicherten mit höherem Rentenalter hängt also zum Teil von der Lebenserwartung der übrigen Versicherten ab.

Die früh verstorbenen finanzieren also einerseits die Gewinne der Lebensversicherungsgesellschaft und andererseits Teile der Renditen der anderen Lebensversicherungsverträge. Das ist vergleichbar mit einem alleinstehenden Mann, der kurz vor seinem Tod sein Vermögen zu einem Drittel an ein fremdes Unternehmen und zwei Drittel an fremde Nachbarn spendet, gleichzeitig aber seine eigene Familie und Verwandtschaft leer ausgehen lässt.

Versicherungen basteln Produkte, die in erster Linie den eigenen Gewinn mehren. So funktioniert das System nun mal. Die Versicherungswirtschaft hat es geschafft, aus einem unattraktiven Produkt wie der privaten Rentenversicherung einen legalen Betrug zu machen. Dabei haben sie diesen so positiv zu verpackt, dass die Vermittler das Produkt anpreisen, als ob es kein Morgen gibt.

Erfüllungsgehilfe ist der Staat. Er sorgt mit unseren Steuergeldern dafür, dass so ein Produkt gefördert wird. Damit sorgen wir alle indirekt selbst dafür, dass wir betrogen werden. Und es geht noch weiter.

Natürlich macht es sich blöd beim Verkauf, wenn jemand diese Nachteile wie kein Kapitalwahlrecht, keinen Pfändungsschutz, Sparsumme ist nicht vererb-, übertrag-, verschenk- oder beleihbar, Verfall des Guthabens bei Tod herausfindet. Manche Versicherten lesen ihre Verträge tatsächlich nach. Aber dann oft zu spät, denn wenn man seinen Irrtum bemerkt, kann man nicht mehr raus.

Einige Mankos kann man mit kreativen Zusatzversicherungen ausbügeln, gegen Aufpreis natürlich und nicht steuerlich gefördert. Je nach Anbieter kann eine Zusatzversicherung in Form einer Hinterbliebenen-Rente oder eine Beitragsrückgewähr vereinbart werden. Eine Rentengarantiezeit gibt es bei Basisrenten nicht.

Sofern der Versicherte aber schon verheiratet ist, kann jedoch eine Hinterbliebenenrente für den Ehegatten vereinbart werden. Diese Bausteine machten den Hauptvertrag nicht attraktiver, sondern einfach nur deutlich teurer. Meist kommt man günstiger weg, wenn man solche Bausteine als Risikoversicherung beim Direktversicherer abschließt, als wenn diese Bausteine in den Hauptvertrag einer Basisrente integriert. Letzten Endes sind das aber nur Mittel, um eine absolute Ungeheuerlichkeit positiv zu verpacken.

Wie sinnvoll sind Bausparvertrag und Bausparfinanzierung?

Der Bausparvertrag, der Produktname lädt ein, ein Eigenheim anzusparen. Nach allgemeiner Meinung ist ein Bausparvertrag in Deutschland zum Bauen. Hier antwortet die Schwarmintelligenz: Bausparen ist zum Bauen da. Einerseits stimmt das, andererseits wird er auch schnell zu einer Mogelpackung.

Wenn man Bauen sagt, meint man eigentlich finanzieren. Zum Bauen benötigt man sicher kein Stück Vertragspapier, sondern Steine, Ziegel, Holz usw. Wer also baut finanziert in der Regel sein Vorhaben. Und wer eine Finanzierung eingeht, sollte sicherstellen, dass er sich diese auch dauerhaft leisten kann.

Bei einer Finanzierung sollte eine möglichst geringe Belastung bestehen. Für eine schnellere Tilgung sollte der Bauherr parallel Kapital aufbauen und dann größere Summen zwischendurch tilgen. Damit ist seine Belastung auch in schwierigen Lagen noch tragbar, denn der freiwillige Kapitalaufbau kann auch mal pausieren. Der Kredit in der Regel nicht.

Die Finanzierungsvariante mit der geringsten Belastung ist das Annuitätendarlehen der Bank. Es gibt nichts Günstigeres, wenn es um Fremdkapital geht. Also ist die Bank als Institut auch der erste Ansprechpartner.

Lehnt die Bank freundlich ab, hat das in der Regel Gründe. Die Bank ist grundsätzlich daran interessiert, Häuser zu finanzieren. Es ist eines Ihrer wichtigsten Geschäftsfelder. Wenn sie das Geschäft ablehnt, muss etwas mit den Voraussetzungen nicht stimmen.

Wenn die Bank ablehnt, wird der Fall gern an eine Bausparkasse übertragen. Hier ist man etwas liberaler. Es gelten andere Richtlinien und daher werden sogar Finanzierungen bewilligt, die bei der Bank durchfallen. Ob das positiv ist liegt im Auge des Betrachters. Denn hier wird ab und an mit der Finanzierungsbelastung gemogelt, bis der Fall darstellbar ist.

Eine komplette Finanzierung über einen Bausparvertrag wäre von der monatlichen Belastung für die meisten viel zu hoch (so viel zum Thema Bausparen ist zum Bauen). Also wählt die Bausparkasse einen Umweg. 60 Prozent des Geldes kommen von einer Hypothekenbank.

Für dieses Bankdarlehen zahlt der Bausparkunde die monatliche Finanzierungsrate; und zwar nur die Zinsen. Anstelle der Tilgung wird ein Bausparvertrag angespart, der dann zu einem bestimmten Zeitpunkt mittels Bauspardarlehen das Bankdarlehen ablösen soll.

Den Rest des Finanzierungsbedarfes holt man sich ebenfalls von der Bank als sogenanntes Nachrangdarlehen. Dieses soll dann in gleicher Form über einen Bausparvertrag getilgt werden. Das führt zwangsläufig zu folgender Situation: Da die Bankfinanzierung über Annuitätendarlehen die Finanzierungsform mit der geringsten monatlichen Belastung ist, folgt daraus, dass die Finanzierung der Bausparkasse eine höhere Monatsbelastung haben muss. Somit bekommt der Kunde, der für die Finanzierung mit der kleinen Belastung abgelehnt wurde, nun eine Finanzierung, die ihn theoretisch stärker belasten würde.

Doch da kommt der Finanzierungsexperte der Bausparkasse mit einem Zaubertrick auf den Plan. Der Bausparvertrag muss mit einer bestimmten monatlichen Sparleistung (Regelsparbeitrag) angespart werden, damit er zum gewünschten Zeitpunkt seinen Zweck erfüllen kann.

Da die Zinsrate für die Bankdarlehen plus der Sparleistung für den Bausparvertrag recht hoch ist, wird die Sparrate für den Bausparvertrag einfach auf das Minimum reduziert und – Simsalabim, dreimal schwarzer Kater – hat die Finanzierung plötzlich eine geringere Rate als die Annuitätenfinanzierung der Bank.

Mission erfüllt! Der Kunde ist glücklich, er bekommt sein Haus und kann sich sogar seine monatliche Belastung leisten. Alle sind zufrieden und der Bausparexperte klopft sich sogar zufrieden auf die Schulter, weil er es wieder mal geschafft hat, eine Familie in die eigenen vier Wände zu bringen.

Wenn der Bausparvertrag zum vereinbarten Zeitpunkt nicht genug Guthaben aufweist, funktioniert das Konzept jedoch nicht. Ebenso wackelig wird es, wenn der Bausparvertrag sich noch nicht in der Zuteilung befindet. Der Bausparvertrag muss die Zuteilungsreife erreichen. Eine Voraussetzung dafür ist ausreichend Guthaben im Bausparvertrag. Aber genau das ist es, was in der Praxis oft nicht passiert. Es wird mit dem Mindestsparbeitrag angespart.

Die Erbschaft, der Lottogewinn und andere Zusatzeinzahlungen werden gern vom Vertreter erwähnt. In den seltensten Fällen können Menschen, die eine Finanzierung bedienen müssen, für die sie eigentlich ein zu geringes Einkommen haben noch zusätzliches Kapital aufbauen und in den Bausparvertrag einzahlen. Die erhoffte Erbschaft kommt selten zum rechten Zeitpunkt und über den Lottogewinn wollen wir gar nicht reden.

Im schlimmsten Fall fliegt den Kunden die Finanzierung um die Ohren. Im anderen Fall wird gekittet, was zu kitten geht, damit die Familie in ihrem Haus bleiben kann. Dass dies unter dem Strich mit günstigen Finanzierungen nichts zu tun haben kann, geht den Betroffenen spätestens zu diesem Zeitpunkt auf.

Aber was sollen sie sonst tun, sie haben meist keine Wahl. Diese Finanzierung der Bausparkasse ist in Deutschland leider nicht die Ausnahme. Die Folge: In Deutschlands Finanzierungsordnern ticken massenweise Zeitbomben.

Der Bausparvertrag ist fürs Ansparen von Eigenkapital gedacht, so die gängige Gegenargumentation. Wenn das wahr wäre, wieso wirbt die Bausparkasse immer nur mit ihren geringen Darlehenszinsen? Ansparen mit einem Bausparvertrag bedeutet, kaum Sparzinsen zu bekommen. Man zahlt Gebühren und davon nicht gerade wenig und wird zum Abonnenten des Bauspar-Magazins, was man gar nicht haben will, aber trotzdem bezahlt.

Bausparen kann doppelt gefördert werden. Es gibt die Wohnungsbauprämie und die Arbeitnehmersparzulage, die man beim Bausparen bekommen kann. Und dann gibt es auch Wohn-Riester. Diese dreifache Förderung wird rege in der Werbung genutzt.

Ein Zulage-Paradoxon ist das Einkommen: Wer die Zulage bekommt, hat ein zu geringes Einkommen, um zu finanzieren. Wer aber finanzieren kann, verdient meist zu viel für die Zulagen.

Die Arbeitnehmersparzulage bekommt man durch Vermögenswirksame Leistungen. Die Wohnungsbauprämie, die übrigens an wohnwirtschaftliche Zwecke, genau wie die Wohnriester-Förderung gebunden ist, wird auf Eigensparleistungen gewährt.

Zusammengefasst haben wir es hier mit einem Produkt zu tun, dass seinem Namen nicht immer gerecht wird. Es ist teuer und oft unzweckmäßig. Die Werbung ist einseitig und zielt bewusst auf Informationen ab, die sich später als unhaltbar erweisen. Finanzierungen über Bausparkassen sind teuer und viele bestehende Finanzierungen funktionieren nicht.