Kaufkraftverlust: Warum Deine Vorsorge leise schrumpft
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September 12, 2026Zwei Komma acht Prozent. So hoch war die offizielle Inflationsrate im Juli 2026. Eine Zahl, die jeden Monat veröffentlicht wird – und die für Dich trotzdem fast nie stimmt, weil Deine persönliche Inflationsrate eine andere ist. Diese individuelle persönliche Inflationsrate kann sich erheblich von der offiziellen Rate unterscheiden.
Sie wird an einem Warenkorb gemessen, den es in keinem echten Haushalt gibt. Und deshalb wird Dein Geld schneller weniger, als die Statistik zugibt.
Was Inflation und Deflation überhaupt beschreiben
Die persönliche Inflationsrate ist entscheidend für Deine finanzielle Planung, weil sie die tatsächlichen Preisänderungen widerspiegelt, die Du erlebst.
Wenn wir über Inflation und Deflation sprechen, sprechen wir über Preise. Deflation heißt: Die Preise gehen zurück, die Kaufkraft Deines Geldes steigt. Das passiert in der Regel, wenn die Geldmenge zurückgeht.
Inflation ist das Gegenteil. Die Preise steigen, weil sich die Geldmenge erhöht. Mehr Geld steht einer begrenzten Menge an Produkten gegenüber. Und Deine Kaufkraft nimmt ab.
Beides hat dieselbe Wurzel: das verzinste Geldsystem. Wie dabei überhaupt neues Geld in die Welt kommt, beschreibe ich ausführlich im Beitrag zur Geldschöpfung durch Banken. Das ist eine unbequeme Erkenntnis. Denn sie heißt: Wer dieses System nutzen muss, kann nicht viel dagegen tun. Du kannst nicht aussteigen. Du kannst nur verstehen, was passiert, und Dich danach richten.
Wie hat sich die Inflationsrate seit 2021 entwickelt?
Im Juli 2026 lag die offizielle Rate bei 2,8 Prozent. Die Kerninflation, also die Rate ohne Energie und Nahrungsmittel, bei 2,4 Prozent. Im Juni waren es noch 2,3 Prozent. Das klingt harmlos. Und genau deshalb lohnt der Blick auf den Verlauf.
Die persönliche Inflationsrate ist sehr wichtig, um zu verstehen, wie sich die Preise auf Deine Kaufkraft auswirken.
| Zeitraum | Inflationsrate |
|---|---|
| 2021 (Jahresschnitt) | 3,1 % |
| 2022 (Jahresschnitt) | 6,9 % – Höchststand 8,8 % im Oktober und November |
| 2023 (Jahresschnitt) | 5,9 % |
| 2024 (Jahresschnitt) | 2,2 % |
| 2025 (Jahresschnitt) | 2,2 % |
| Juli 2026 | 2,8 % |
Die Europäische Zentralbank strebt unverändert zwei Prozent an, symmetrisch und mittelfristig. Lies diesen Satz noch einmal. Sie strebt sie an. Zwei Prozent Kaufkraftverlust im Jahr sind kein Betriebsunfall. Sie sind ein erklärtes Ziel.
Warum 0,71 Prozent Zinsen ein reales Minus sind
Rechnen wir das einmal durch, mit echten Zahlen. Die Bundesbank erhebt jeden Monat, was die Banken im Schnitt tatsächlich zahlen. Auf Spareinlagen mit drei Monaten Kündigungsfrist waren das zuletzt 0,71 Prozent.
| Anlage | Zins | Inflation | Real |
|---|---|---|---|
| Spareinlage, drei Monate Kündigungsfrist | 0,71 % | 2,8 % | −2,03 % |
| Starkes Tagesgeld-Neukundenangebot | 2,9 % | 2,8 % | +0,1 % (vor Steuer) |
Beim Sparbuch machst Du also nicht plus 0,71 Prozent. Du machst real minus 2,03 Prozent. Jedes Jahr.
Und jetzt sagst Du vielleicht: Ich habe aber ein gutes Tagesgeld. Dann liegst Du bei 2,9 Prozent real bei plus 0,1 Prozent. Ein Zehntel Prozent – und zwar vor Steuer. Nach Abgeltungsteuer bist Du wieder im Minus. Der Kontostand steigt, die Kaufkraft fällt.
Lohnt es sich, auf steigende Zinsen zu warten?
Viele hoffen genau darauf: Dann warte ich eben, bis die Zinsen wieder steigen. Sie sind gestiegen. Zwischen 2022 und 2023 hat die Zentralbank die Zinsen so schnell angehoben wie nie zuvor in ihrer Geschichte.
Nur: Bei Dir kam davon wenig an. Als die Preise um fast neun Prozent stiegen, gab es auf dem Sparbuch so gut wie nichts. Über lange Strecken lagen die Sparzinsen unter der Inflationsrate. Es gibt Phasen, in denen der Realzins positiv ist. Sie sind kurz, und sie sind selten. Wer auf den rettenden Zins wartet, wartet meistens vergeblich.
Warum Deine persönliche Inflationsrate von der amtlichen abweicht
Die Bedeutung Deiner persönlichen Inflationsrate kann nicht genug betont werden, da sie die Inflation widerspiegelt, die Du tatsächlich spürst.
Damit sind wir beim eigentlichen Punkt. Die Inflationsrate ist kein Naturgesetz. Sie ist ein statistischer Wert. Ermittelt wird er anhand eines modellhaften Warenkorbs: Man legt fest, welche Waren und Dienstleistungen ein durchschnittlicher Haushalt kauft und in welchem Verhältnis. Dann schaut man, wie sich deren Preise entwickeln.
Klingt sauber. Ist es aber nur, wenn Du dieser Durchschnittshaushalt bist. Und den gibt es nicht. Das Kaufverhalten der Haushalte ist völlig unterschiedlich, der Warenkorb für die meisten nicht repräsentativ. Folglich hat jeder Haushalt seine eigene Rate. Sie leitet sich daraus ab, was Du tatsächlich kaufst und wie oft.
Deine persönliche Inflationsrate ist ein wichtiger Indikator für den Wertverlust Deines Geldes im Alltag.
Mach das einmal an Dir selbst fest. Wenn Du zur Miete wohnst, pendelst, Kinder hast und jeden Tag einkaufst, bestehen Deine Ausgaben zu einem großen Teil aus Miete, Energie, Sprit und Lebensmitteln. Das sind die Posten, die Du nicht verschieben kannst. Wohnst Du dagegen abbezahlt, fährst kaum und machst selten größere Anschaffungen, sieht Dein Warenkorb völlig anders aus. Zwei Haushalte, ein Land, eine amtliche Zahl – und zwei völlig verschiedene Wirklichkeiten.
Und noch etwas macht den Abstand größer. Die Posten, denen Du nicht ausweichen kannst, sind meistens die, die am stärksten steigen: Wohnen, Energie, Nahrung. Genau die Dinge, bei denen Du nicht sagen kannst: Dann kaufe ich es dieses Jahr eben nicht. Wer wenig Spielraum hat, spürt die Teuerung deshalb doppelt. Einmal im Preis und einmal darin, dass er nicht ausweichen kann.
Die steigenden Kosten, die Du erlebst, zeigen, wie wichtig es ist, Deine persönliche Inflationsrate zu kennen.
Deshalb gibt es das, was man die gefühlte Inflation nennt. Ich mag das Wort nicht besonders, weil es klingt, als wäre es Einbildung. Ist es nicht. Sie liegt meistens über dem statistischen Wert des Statistischen Bundesamtes. Und das heißt nichts anderes, als dass der Kaufkraftschwund bei diesen Haushalten höher ausfällt als die offizielle Zahl.
Was „Enteignung der Sparer“ wirklich beschreibt
Die persönliche Inflationsrate ist oft höher als die offizielle Rate, was bedeutet, dass viele Menschen einen höheren Kaufkraftverlust erleben.
Genau das ist gemeint, wenn Du irgendwo von der Enteignung der Sparer liest. Das ist kein Kampfbegriff und kein Krisengerede. Das ist schlicht die Beschreibung eines Vorgangs.
Dir wird nichts weggenommen, das man zählen könnte. Auf Deinem Konto steht am Jahresende dieselbe Zahl oder sogar eine etwas größere. Weniger wird nur das, was Du dafür bekommst. Und weil niemand Dir einen Brief darüber schreibt, merkst Du es erst, wenn Du an der Kasse stehst.
So ermittelst Du Deine persönliche Inflationsrate
Der Schritt ist einfach und unbequem zugleich. Nimm Dir Deine Kontoauszüge der letzten zwölf Monate und schreibe auf, wofür Dein Geld tatsächlich weggeht. Nicht, was Du glaubst. Was wirklich abgebucht wird: Miete, Energie, Lebensmittel, Mobilität, Versicherungen.
Und dann schau Dir an, wie sich genau diese Posten bei Dir in den letzten Jahren entwickelt haben. Das ist Deine persönliche Inflationsrate. Sie ist die einzige, die für Dich zählt.
Diese Erkenntnis ist wichtig, um Deine persönliche Inflationsrate zu verstehen und darauf zu reagieren.
Wenn Du diese Zahl hast, stell Dir eine einzige Frage: Bringt das, was ich für später zurücklege, überhaupt mehr, als meine eigene Rate mir wegnimmt? Wenn die Antwort nein lautet, dann sparst Du nicht. Dann verlierst Du langsam.
Ein Verständnis Deiner persönlichen Inflationsrate kann Dir helfen, besser mit Deinen Finanzen umzugehen.
Ich sage nicht, dass Du irgendetwas kündigen sollst. Ich sage, dass Du diese Rechnung kennen solltest, bevor jemand anderes sie für Dich macht.
Wie es weitergeht
Was dieser stille Kaufkraftverlust über zehn oder zwanzig Jahre mit einer Altersvorsorge anstellt, rechne ich im nächsten Beitrag vor. Da geht es um ein Fass mit einem sehr kleinen Loch.
Im nächsten Beitrag werde ich die Auswirkungen Deiner persönlichen Inflationsrate auf Deine Altersvorsorge näher erläutern.
Schreib mir gern in die Kommentare, welcher Posten in Deinem Haushalt am stärksten gestiegen ist.
Diskutiere mit mir, wie sich Deine persönliche Inflationsrate auf Deinen Alltag auswirkt.
Datenquellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bundesbank, Europäische Zentralbank
Dieser Beitrag gibt meine persönliche Einschätzung wieder und ist keine Anlageberatung.
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