Weltweite Staatsverschuldung: Warum der Berg wachsen muss
September 12, 2026Deine persönliche Inflationsrate: die Zahl, die zählt
September 12, 2026Hundert Euro aus dem Jahr 2020. Du hast sie nicht angerührt, nicht ausgegeben, nicht verloren, nicht verzockt. Heute kaufst Du davon noch für 82 Euro und 3 Cent ein – das ist Kaufkraftverlust in seiner reinsten Form. Der Kaufkraftverlust zeigt, wie Geld über die Jahre an Wert verliert.
Fast ein Fünftel ist weg. Niemand war an Deinem Geld. Und trotzdem fehlt es.
Der Kaufkraftverlust betrifft nicht nur dein Geld, sondern auch die Preise für Waren und Dienstleistungen, die stetig steigen.
Ich will Dir zeigen, warum die allermeisten Altersvorsorgen, die in Deutschland verkauft werden, aus meiner Sicht nutzlos sind. Nicht schlecht gemacht. Nicht bösartig. Nutzlos. Und warum das kaum jemandem auffällt.
Woher der Kaufkraftverlust überhaupt kommt
Ein tiefes Verständnis für den Kaufkraftverlust ist entscheidend, um deine finanzielle Zukunft zu sichern.
Fangen wir bei der Ursache an. Neutrale Finanzinformationen sind schwer zu finden. Es fehlt bei den meisten Menschen an einem Grundverständnis dafür, was Geld überhaupt ist, wie es entsteht und wie es funktioniert. Wäre dieses Wissen da, hätten wir ein solides Fundament, auf dem man aufbauen könnte.
Ich glaube allerdings: Wäre dieses Wissen wirklich verbreitet, gäbe es dieses Geldsystem vielleicht gar nicht mehr. Denn es ist auf Umverteilung ausgelegt.
Diese Umverteilung läuft über den Zins. Vom Fleißigen zum Vermögenden. Heute passiert das nicht mehr von Mensch zu Mensch, sondern über gewaltige Kapitalsammelbecken mit Vermögen jenseits unserer Vorstellungskraft. Aus meiner Sicht ist der Zins die Wurzel der meisten Schieflagen in unserer Gesellschaft.
Warum für die Zinsen kein Geld geschöpft wird
Geld wird heute nicht mehr gedruckt. Es wird per Knopfdruck über eine Buchung erschaffen und als Kredit ausgereicht. Zahlt jemand den Kredit zurück, wird dieses Geld wieder vernichtet. So weit, so ordentlich.
Aber jetzt kommt der Haken. Das Geld für die Zinsen wird nicht mit erschaffen. Es wird dem System entzogen. Und dabei geht es nicht um Kleingeld.
Daraus entsteht ein Zwang. Es muss immer neues Geld erschaffen und in den Kreislauf gegeben werden, damit die Zinsen überhaupt bedient werden können. Diese permanente Ausweitung der Geldmenge ist die Ursache der Inflation. Sie ist kein Zufall. Sie ist eingebaut.
Und hier haben wir den zweiten Hebel der Umverteilung: Inflation mindert die Kaufkraft des Geldes. Damit werden alle Geldwerte schleichend aufgezehrt. Dafür brauche ich Dir kein Szenario auszumalen. Ich muss nur zurückschauen.
Was bedeuten 21,9 Prozent in fünf Jahren?
Von 2020 bis 2025 ist das Preisniveau in Deutschland um 21,9 Prozent gestiegen. Fünf Jahre. Der Reihe nach:
| Zeitraum | Inflationsrate |
|---|---|
| 2021 | 3,1 % |
| 2022 | 6,9 % – Spitze 8,8 % im Oktober und November |
| 2023 | 5,9 % |
| 2024 | 2,2 % |
| 2025 | 2,2 % |
| Juli 2026 | 2,8 % |
Rechne das auf Dich um. Hundert Euro, die 2020 auf Deinem Konto lagen, haben heute noch eine Kaufkraft von 82 Euro und 3 Cent. Aus 100.000 Euro wurden 82.030 Euro. In fünf Jahren. Ohne Gebühr, ohne Kündigung, ohne dass jemand etwas abgehoben hätte. Und ohne einen einzigen Kontoauszug, auf dem das gestanden hätte.
Das sollte dir bewusst machen, wie wichtig es ist, den Kaufkraftverlust aktiv zu bekämpfen.
Ich lasse das kurz stehen. Nicht, um Dir Angst zu machen. Sondern weil das die Zahl ist, die in keinem Beratungsgespräch auf dem Tisch lag, das ich in meiner Zeit als Vermittler erlebt habe. Und ich habe viele erlebt. Ich habe selbst welche geführt, in denen sie nicht auf dem Tisch lag.
Wie stark Deine eigene Belastung von dieser amtlichen Zahl abweicht, hängt davon ab, was Du tatsächlich kaufst. Dazu findest Du im Beitrag über Deine persönliche Inflationsrate eine einfache Anleitung.
Warum sich gegen diesen Verlust niemand wehrt
Das Problem an diesem Vorgang ist, dass er unsichtbar passiert. Näh 100.000 Euro in Deine Matratze ein und hol sie nach zehn Jahren wieder heraus. Es sind noch immer 100.000 Euro. Kein Scheinchen fehlt. Du bekommst nur entsprechend weniger dafür.
Der Kaufkraftverlust bleibt oft unbemerkt, bis es zu spät ist.
Es gibt keinen Moment, in dem Dir jemand etwas wegnimmt. Deshalb wehrt sich auch niemand.
Und genau das passiert mit Deiner Zusatzvorsorge, wenn sie auf Geldwerten aufgebaut ist. Auf Guthaben, auf Verzinsung, auf einem Papier, das Dir einen Geldbetrag verspricht. Der Kontostand mag steigen. Der Eindruck von Vermögensbildung entsteht. Der Jahresbrief sieht gut aus, die Zahl ist größer als im Vorjahr. Tatsächlich aber bildest Du kein Vermögen. Du häufst Geld an. Und dieses Geld wird in seiner Kaufkraft entwertet, während Du es anhäufst.
Warum Dir der Kaufkraftverlust erst in der Rente auffällt
Ich habe dafür ein Bild, bei dem irgendwann der Groschen gefallen ist. Stell Dir vor, Du füllst ein Fass mit Wasser. In diesem Fass ist ein kleines Loch. Im Moment hat es 2,8 Millimeter, in den Jahren 2022 und 2023 war es fast dreimal so groß.
Der Kaufkraftverlust wirkt sich direkt auf deine Lebensqualität aus, besonders im Alter.
Du gießt Eimer für Eimer hinein. Der Wasserstand steigt. Du siehst den Fortschritt. Es funktioniert doch. Gleichzeitig läuft unten langsam und unbemerkt Wasser ab. Nicht im Schwall. Tropfen für Tropfen.
Solange Du fleißig nachgießt, siehst Du das Loch nicht. Du siehst nur den steigenden Pegel. Erst wenn Du aufhörst zu gießen, also wenn Du in Rente gehst und keine Beiträge mehr einzahlst, merkst Du, wie schnell das Fass leerläuft. Und dann ist das Loch nicht mehr zu stopfen. Das ist keine Meinung über ein einzelnes Produkt. Das ist Mathematik.
Das Verständnis für den Kaufkraftverlust ist entscheidend, um finanzielle Rücklagen sinnvoll zu planen.
Wie viel bleibt von 100.000 Euro?
Nimm Deine letzte Standmitteilung, such die garantierte Ablaufleistung und rechne sie einmal grob auf heutige Kaufkraft zurück. Zwei Zahlen als Anhaltspunkt, gerechnet mit der Inflationsrate vom Juli 2026, also 2,8 Prozent:
| Zeitraum bei 2,8 % pro Jahr | Kaufkraft von 100.000 Euro |
|---|---|
| heute | 100.000 € |
| in 10 Jahren | 75.869 € |
| in 20 Jahren | 57.562 € |
Wenn Du also noch zwanzig Jahre bis zur Rente hast, dann streich von der Zahl auf dem Papier gut vier von zehn Euro. Das ist ein Rechenbeispiel und keine Prognose. Aber es ist ehrlicher als die Zahl auf dem Papier.
Die eine Frage zu Deiner Vorsorge
Die Frage nach dem Kaufkraftverlust sollte immer in Entscheidungsgespräche einfließen.
Zunächst einmal: keine Panik und keine Hauruck-Entscheidung. Ich sage Dir nicht, dass Du irgendetwas kündigen sollst. Ich sage Dir, dass Du bei jeder Vorsorge, die Du hast, eine einzige zusätzliche Frage stellen solltest.
Nicht: Wie viel Geld bekomme ich am Ende? Sondern: Was kann ich mir von diesem Geld dann noch kaufen?
Und dann sprich mit jemandem, der auf Deiner Seite steht und der diese Frage aushält. Wenn er sie wegwischt, weißt Du auch etwas.
Wie es weitergeht
Wenn Dich interessiert, wie groß das Loch im Fass insgesamt eigentlich ist, dann geht es im nächsten Beitrag um die weltweite Staatsverschuldung und die Schuldenblase dahinter.
Schreib mir gern, ob Du die Rechnung für Deine eigene Vorsorge einmal gemacht hast.
Zum Weiterlesen: Kaufkraft
Dieser Beitrag gibt meine persönliche Einschätzung wieder und ist keine Anlageberatung.
Die Auswirkungen des Kaufkraftverlustes sind real und sollten nicht ignoriert werden.
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