Schneeballsystem erkennen: Die eine Frage, die genügt
September 8, 2026Lohnt sich eine Lebensversicherung – diese Frage bekomme ich häufiger gestellt als jede andere. Und die Antwort beginnt bei einem einzigen Wort. Wenn Du eine Lebensversicherung kündigst, heißt das nämlich nicht Kündigung. Es heißt Rückkauf. Lohnt sich eine Lebensversicherung wirklich? Das klären wir gleich.
Das klingt nach einer Kleinigkeit im Juristendeutsch. Ist es aber nicht. In diesem einen Wort steckt die ganze Wahrheit darüber, was Du da eigentlich unterschrieben hast. Und warum am Ende oft so wenig herauskommt.
Wirklich wichtig ist die Frage, ob sich eine Lebensversicherung lohnt oder nicht. Lohnt sich eine Lebensversicherung? Die Antwort auf diese Frage hängt von vielen Faktoren ab.
Wie viele Verträge laufen wirklich bis zum Ende?
Als ich mein Buch geschrieben habe, kursierte die Zahl, über siebzig von hundert dieser Verträge würden vor Ablauf gekündigt oder stillgelegt. So habe ich sie damals aufgeschrieben. Ich sage heute offen dazu: Diese Zahl kann ich Dir nicht mehr belegen. Ich stelle sie hier als Beobachtung aus jener Zeit hin, nicht als aktuellen Stand.
Ein wichtiger Punkt ist, wie viele Menschen tatsächlich ihre Lebensversicherung bis zum Ende halten. Lohnt sich eine Lebensversicherung in diesen Fällen, wenn so viele Verträge frühzeitig beendet werden?
Was sich belegen lässt, ist die Stornoquote der Branche. Sie lag 2024 bei 2,72 Prozent. Das klingt nach wenig, ist aber der Wert für ein einziges Jahr. Rechne ihn auf zwanzig oder dreißig Jahre Laufzeit hoch, dann landest Du sehr schnell bei einem großen Teil des Bestands, der nie bis zum Ende durchläuft.
Ich sage das nicht von oben herab. Ich hatte diese Vorstellung selbst. Ich habe solche Verträge auch verkauft.
Ich möchte auch die Frage aufwerfen: Lohnt sich eine Lebensversicherung für dich persönlich? Das hängt von vielen individuellen Faktoren ab.
Lohnt sich eine Lebensversicherung als Sparvertrag?
Die meisten Menschen sehen die Lebensversicherung als Sparvertrag mit Rendite. Man zahlt ein, das Guthaben wächst, am Ende kommt etwas heraus. Nichts könnte weiter von der Realität entfernt sein.
Es ist wichtig zu wissen, dass nicht alle Lebensversicherungen gleich sind. Daher ist die Frage: Lohnt sich eine Lebensversicherung für deine spezielle Situation?
Du gehst einen Vertrag darüber ein, dass die Gesellschaft Dein Leben absichert. Im Todesfall, und bei der Kapitallebensversicherung zusätzlich im Erlebensfall. Das sind zwei Leistungen, und die haben Namen: die Todesfallleistung und die Erlebensfallleistung.
Die Todesfallleistung ist einfach. Stirbst Du während der Laufzeit, bekommen Deine Hinterbliebenen die vereinbarte Summe. Die Erlebensfallleistung wird fällig, wenn Du bei Ablauf noch lebst. Beide Summen stehen von Beginn an in Deinem Vertrag.
Die Frage bleibt: Lohnt sich eine Lebensversicherung wirklich für jeden? Lass uns das genauer betrachten.
Und jetzt kommt der Teil, den kaum jemand erklärt bekommt: Wie kommt der Beitrag zustande?
Die Gesellschaft kalkuliert das Risiko nach ihren eigenen Vorgaben. Aus dieser Kalkulation ergibt sich der Betrag, den Du zahlen musst. Das ist die Prämie. Prämie ist der Fachbegriff für Deinen Versicherungsbeitrag. Du zahlst also nicht auf ein Konto ein. Du bezahlst den Preis für ein Versprechen.
Eine häufige Frage, die sich viele stellen: Lohnt sich eine Lebensversicherung? Es gibt viele Aspekte, die du berücksichtigen musst.
Das ist der ganze Unterschied. Und er ist riesig. Für die Gesellschaft ist bei der Kapitallebensversicherung der vorzeitige Tod das ausschlaggebende Risiko. Dann hat sie weniger Beiträge eingenommen, als sie auszahlen muss. Also kalkuliert sie vorsichtig. Wie das im Detail geschieht, steht im Beitrag zur Sterbetafel Rentenversicherung.
Warum die Kündigung Rückkauf heißt
Zusammenfassend möchte ich sagen: Lohnt sich eine Lebensversicherung? Es hängt von deinen persönlichen Lebensumständen ab.
Der Beitrag gilt genau dafür, dass die zugesicherte Leistung zum vereinbarten Zeitpunkt gezahlt wird. Dieses Versprechen ist verbindlich. Für beide Seiten.
Und deshalb heißt die Kündigung durch den Kunden eben Rückkauf. Der Anbieter kauft mit Deiner Kündigung sein Versicherungsversprechen zurück. Er löst sich aus einer Verpflichtung, die er eingegangen ist. Und das macht er natürlich nicht umsonst. Er macht es mit einem ordentlichen Abschlag.
Diesen Abschlag kannst Du nachlesen. Er ist kein Geheimnis. In den Unterlagen zu so einem Vertrag steckt eine Tabelle, die Rückkaufswerttabelle. Dort steht Jahr für Jahr, was Du bekommst, wenn Du zu diesem Zeitpunkt aussteigst. Wenn Du so einen Vertrag besitzt, schau Dir diese Tabelle doch einfach einmal an. Nicht, um etwas zu tun. Nur, um zu sehen, was drinsteht.
Beginnt der Verlust wirklich mit der Kündigung?
Während wir über die Kündigung sprechen, denken viele: Lohnt sich eine Lebensversicherung? Die Antwort darauf kann oft enttäuschend sein.
Viele Menschen erschrecken bei diesem Blick. Und dann kommt der Frust, und der richtet sich meistens gegen die Kündigung. Nach dem Motto: Hätte ich mal durchgehalten.
Hier ist mir ein Gedanke wichtig. Aus meiner Sicht liegt die Ursache für diese Verluste nicht in der Aufhebung des Vertrages. Die Einbußen beginnen bereits mit der Unterschrift.
Ein zentraler Punkt ist: Lohnt sich eine Lebensversicherung, wenn du die Kosten und Erträge abwägst?
Ein Teil des Abschlusses ist mit Kosten verbunden: Vertriebsvergütung, Vertragsführung, der Unterhalt des Apparats dahinter. Diese Kosten musst Du erst wieder durch Erträge ausgleichen, bevor überhaupt etwas für Dich übrig bleibt.
Und jetzt schauen wir uns die Erträge an, mit denen das passieren soll.
Die Frage bleibt: Lohnt sich eine Lebensversicherung wirklich über lange Sicht? Wir werden die Erträge genauer betrachten.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Höchstrechnungszins ab 2017 | 0,90 % |
| Höchstrechnungszins ab 2022 | 0,25 % |
| Höchstrechnungszins seit 1. Januar 2025 | 1,00 % |
| Laufende Verzinsung der Branche 2026 | 2,62 % |
| Gesamtverzinsung mit allen Überschüssen 2026 | 3,23 % |
| Inflationsrate Juli 2026 | 2,8 % |
Den Höchstrechnungszins nennen fast alle Garantiezins.
Das ist tatsächlich eine Erholung gegenüber den Nullzinsjahren. Nur stell auch hier die Inflation daneben. Dann siehst Du: Das ist kein Ertrag, der Abschlusskosten in wenigen Jahren wieder hereinholt. Meine Erfahrung ist, dass viele dieser Verträge in den ersten fünfzehn Jahren nicht ins Plus kommen.
Fünfzehn Jahre. Das ist die Zeitspanne, in der die meisten Menschen längst ausgestiegen sind. Und deshalb ist der Rückkaufswert, so unangenehm er auch aussieht, nicht die Ursache. Er ist der Kassenbon. Er zeigt Dir nur, was vorher passiert ist.
Warum das mehr Menschen betrifft, als Du denkst
Es gibt noch einen zweiten Grund, warum sich der Blick lohnt. Lebensversicherungen wurden über Jahrzehnte nicht nur als Zusatzvorsorge verkauft. Sie steckten als Rückdeckung in betrieblichen Altersversorgungen. Sie steckten in Baufinanzierungen, bei denen die Tilgung ausgesetzt wurde. Sie steckten in allen möglichen Konstruktionen.
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Verträge Ende 2025, mit Pensionskassen und Pensionsfonds | 82,6 Millionen |
| Veränderung gegenüber dem Vorjahr | −2 % |
| Erwerbstätige in Deutschland | rund 45,7 Millionen |
| Stornoquote der Branche 2024 | 2,72 % |
Der Bestand schrumpft also. Aber setz die 82,6 Millionen einmal neben rund 45,7 Millionen Erwerbstätige. Dann siehst Du: Im Schnitt hat jeder Berufstätige mehr als einen solchen Vertrag.
Wenn so ein Vertrag weniger leistet als geplant, wackelt nicht nur der Vertrag. Es wackelt das Konstrukt, in das er eingebaut wurde.
Was Du jetzt tun kannst – und was nicht
Was ich damit ausdrücklich nicht sage: Kündige irgendetwas. Das wäre Unsinn, und es steht mir auch nicht zu.
Was ich sage, ist etwas anderes. Hol Deine Unterlagen heraus. Such die Rückkaufswerttabelle. Such die vereinbarte Todesfallleistung und die Erlebensfallleistung. Und dann frage Dich in Ruhe: Wusste ich das eigentlich, als ich unterschrieben habe?
Die ehrliche Antwort auf die Frage „Lohnt sich eine Lebensversicherung?“ hängt nicht an einem Gefühl, sondern an diesen drei Angaben. Wenn Dir die Antwort nicht gefällt, ist das kein Grund für Hektik. Es ist ein Grund, mit jemandem zu sprechen, der auf Deiner Seite steht und nicht an Deiner Unterschrift verdient.
Wie es weitergeht
Im vorigen Beitrag ging es um den Weltspartag und darum, wie früh die Prägung beginnt. Im nächsten schaue ich mir an, wie diese Verträge von innen kalkuliert werden – mit zwei verschiedenen Sterbetafeln für denselben Menschen.
Und schreib mir gern in die Kommentare, ob Du Deine Rückkaufswerttabelle überhaupt schon einmal gesehen hast.
Zum Weiterlesen: Kapitallebensversicherung
Lohnt sich eine Lebensversicherung? Diese Frage sollte jeder für sich selbst beantworten, basierend auf den eigenen Bedürfnissen und Zielen.
Dieser Beitrag gibt meine persönliche Einschätzung wieder und ist keine Anlageberatung.
Bildrechte: Bernd Liebl, Magdeburg