Wie entsteht Geld? Die Frage, die mir nie beantwortet wurde
September 8, 2026Als Anfang 2005 das Steuerprivileg für Lebensversicherungen endete, brach das Neugeschäft ein. Die Branche hatte ein echtes Problem. Und dann ging es sehr schnell. Wer ein Schneeballsystem erkennen will, muss zuerst verstehen, was ein Geschäftsmodell überhaupt vom Zufluss neuer Kunden abhängig macht.
Um ein Schneeballsystem erkennen zu können, ist es wichtig, die Methoden dahinter zu verstehen.
Die Geschwindigkeit, mit der die Politik damals handelte, sagt aus meiner Sicht mehr über die Lage aus als jede Pressemitteilung.
Was ist ein Schneeballsystem?
Bevor wir dahin kommen, klären wir das Wort. Wenn Du es hörst, was fühlst Du? Mir fällt als Erstes ein: Das ist illegal. Und das stimmt auch. Solche Systeme sind in Deutschland verboten.
Wie funktionieren sie? Ein Schneeballsystem lebt vom Zulauf neuer Mitglieder, die Geld einzahlen. Mit genau diesem Geld werden die bestehenden Mitglieder ausgezahlt. Es wird nichts erwirtschaftet. Es wird umverteilt, von hinten nach vorne.
Ein effizientes Schneeballsystem erkennen erfordert Aufmerksamkeit und Wissen über die Struktur solcher Systeme.
Und weil kein System unendlich wachsen kann, haben die späteren Einsteiger das Nachsehen. Nicht weil sie etwas falsch gemacht hätten, sondern weil die Mathematik keine andere Möglichkeit lässt. Irgendwann sind die neuen Mitglieder alle.
Es gibt noch ein zweites Merkmal, das mir damals aufgefallen ist. Wenn Bestandskunden ein Produkt anders nutzen, als der Anbieter sich das gedacht hat, dann versucht der Anbieter, sich von diesen Kunden zu verabschieden. Selten laut, meist ganz leise. Ein Kunde kann also genau das tun, wozu sein Vertrag ihn berechtigt, und für den Anbieter trotzdem der falsche Kunde sein. Über diesen Satz lohnt es sich nachzudenken, bevor man das Wort Sicherheit hört.
Wo kehrt ein Teil dieser Struktur wieder?
Wenn Du ein Schneeballsystem erkennen möchtest, achte auf die Anzeichen, die auf eine illegale Struktur hinweisen.
Als ich mich damit beschäftigt habe, fiel mir etwas auf. Es gibt in Deutschland etablierte, seriöse, gesetzlich beaufsichtigte Produktklassen, bei denen ein Teil dieser Struktur wiederkehrt. Nicht der Betrug. Die Abhängigkeit vom Neugeschäft.
Nehmen wir die Lebensversicherung. Diese Verträge sind bei den meisten Anbietern mit erheblichen Kosten belastet. Die Kosten bezahlen den Vertrieb, die Vertragsführung und den ganzen Apparat drumherum. Ein neuer Vertrag bringt einem Anbieter also nicht nur Beitrag, sondern vor allem eine Abschlusskostenposition, die vorne im Vertrag anfällt. Und dieser Zufluss muss laufen, damit die Rechnung aufgeht.
Die Lebensversicherung kann, wenn sie falsch strukturiert ist, wie ein Schneeballsystem erkennen lassen.
Bei den Bausparkassen ist das Muster sehr ähnlich. Dazu habe ich einen eigenen Beitrag geschrieben, in dem ich die Frage lohnt sich ein Bausparvertrag durchgehe, deshalb erzähle ich die Geschichte hier nicht noch einmal.
Was geschah nach 2005?
Als das Steuerprivileg für Auszahlungen aus Lebensversicherungen wegfiel, brach das Neugeschäft weg. Und rund um diesen Einschnitt entstanden zwei neue, staatlich geförderte Produktwelten: die Riester-Rente und die Basis-Rente, meist Rürup-Rente genannt. Was die beiden unterscheidet, habe ich im Beitrag Riester oder Rürup aufgeschrieben.
Es ist entscheidend, ein Schneeballsystem erkennen zu können, bevor man investiert.
Ich sage nicht, dass das eine Verschwörung war. Ich sage nur: Wenn ein wirtschaftlicher Einbruch in Rekordzeit eine gesetzliche Antwort bekommt, dann war der Einbruch offenbar sehr ernst. Und die Antwort war ein neues Produkt, für das es wieder Neugeschäft geben konnte.
Warum das trotzdem kein Schneeballsystem ist
Und jetzt kommt der Teil, den ich Dir schulde, auch wenn er meine eigene Zuspitzung entschärft.
Von einem Schneeballsystem kann man hier ausdrücklich nicht sprechen. Der Grund ist einfach und er ist entscheidend. Bei einem Schneeball wird das zufließende Geld direkt für die Auszahlung an die bestehenden Mitglieder verwendet. Genau das ist hier nicht der Fall.
Die Frage bleibt: Wie kannst Du ein Schneeballsystem erkennen, wenn es um finanzielle Entscheidungen geht?
Die Beiträge werden angelegt, sie stehen im Deckungsstock, sie unterliegen der Aufsicht, und jeder Vertrag hat seine eigene Kalkulation. Wer diesen Vergleich zieht und dabei stehen bleibt, macht es sich zu leicht. Ich habe es im Buch geschrieben und ich sage es hier noch einmal deutlich: Das ist kein illegales System. Es geht um eine Strukturähnlichkeit an einem einzigen Punkt, nicht um einen Vorwurf.
Der berechtigte Punkt ist ein anderer, und er ist schwächer als der reißerische. Er ist trotzdem wichtig. Ein Geschäftsmodell, das ohne Neugeschäft in Schwierigkeiten gerät, ist anfälliger, als das Wort Sicherheit vermuten lässt. Und mit dem Wort Sicherheit werden diese Verträge verkauft. Nicht mit Rendite. Nicht mit Flexibilität. Mit Sicherheit.
Wie steht es heute um das Neugeschäft?
Heutzutage ist es wichtiger denn je, ein Schneeballsystem erkennen zu können, um sich vor Verlusten zu schützen.
Gut zwanzig Jahre nach dem Einschnitt von 2005 sehen die Zahlen so aus.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Riester-Verträge, Ende 2025 | 14,663 Millionen |
| Rückgangsjahre in Folge | acht |
| Vertragsbestand der Lebensversicherer, Ende 2025 | 82,6 Millionen |
| Veränderung gegenüber dem Vorjahr | minus 2 Prozent |
Acht Jahre in dieselbe Richtung sind kein Ausrutscher. Das ist ein Trend.
Und was ist passiert? Wieder eine gesetzliche Lösung. Im Mai 2026 wurde das Altersvorsorgereformgesetz verkündet. Ab dem 1. Januar 2027 soll es neue geförderte Produkte geben, darunter ein Altersvorsorgedepot mit einem Kostendeckel von einem Prozent für das Standardprodukt.
Das Verständnis, wie ein Schneeballsystem erkennen zu können, ist für jeden Anleger unerlässlich.
Ich finde das Muster bemerkenswert, und ich will dabei fair bleiben. Ein Kostendeckel ist eine gute Nachricht für Verbraucher, und der Reformbedarf bei Riester war offensichtlich. Trotzdem ist die Abfolge dieselbe wie 2005: Ein Produkt verliert an Zugkraft, und der Gesetzgeber schafft ein neues, für das es wieder Zufluss geben kann. Zweimal in gut zwanzig Jahren.
Ob man daraus etwas ableitet, überlasse ich Dir. Ich zeige Dir nur die Reihenfolge der Ereignisse. Das ist meine Einschätzung, keine Behauptung über Absichten.
So kannst Du ein Schneeballsystem erkennen
Was heißt das für Dich, ganz konkret und ganz ohne Aufregung? Ich sage Dir nicht, dass Du irgendetwas kündigen sollst. Bitte tu das nicht wegen eines Blogbeitrags.
Ich schlage Dir eine andere Frage vor, die Du bei jedem Finanzprodukt stellen kannst, das Dir angeboten wird. Sie lautet: Woher kommt das Geld, mit dem mein Anspruch am Ende bezahlt wird? Aus einer Kapitalanlage, die aus meinem eigenen Beitrag entstanden ist? Oder aus dem Zufluss von jemandem, der nach mir kommt?
Bei einer Lebensversicherung ist die Antwort die erste. Das ist der Unterschied, und er ist ein wesentlicher.
Aber die Frage selbst ist gut. Denn sie funktioniert bei jedem Angebot, das Dir jemals über den Tisch geschoben wird. Und sie ist aus meiner Sicht die einzige Frage, mit der Du ein echtes Schneeballsystem erkennen kannst, und zwar in dem Moment, in dem Dir jemand davon erzählt. Um ein Schneeballsystem erkennen zu können, musst Du aufmerksam sein.
Wie es weitergeht
Das Ziel ist klar: Du musst in der Lage sein, ein Schneeballsystem erkennen zu können, bevor Du investierst.
Damit schließt sich der Kreis dieser Reihe. Wenn Dich interessiert, warum ich Lebensversicherungen nicht für Sparverträge halte, lies den Beitrag zur Frage lohnt sich eine Lebensversicherung.
Und schreib mir gern: Wurde Dir ein Vorsorgeprodukt schon einmal in erster Linie mit dem Wort Sicherheit verkauft?
Zum Weiterlesen: Schneeballsystem
Dieser Beitrag gibt meine persönliche Einschätzung wieder und ist keine Anlageberatung. Er erhebt gegen kein Unternehmen den Vorwurf eines Schneeballsystems.
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