Gib mir die Welt plus 5 Prozent
Die Geschichte vom Goldschmied Fabian
Die Geschichte vom Goldschmied Fabian ist das beste Lehrstück über unser Geldsystem, das ich kenne. Sie ist schnell erzählt, sie kommt ohne Fachbegriffe aus – und wenn Du sie einmal verstanden hast, siehst Du jede Nachricht über Schulden, Zinsen und Notenbanken mit anderen Augen. Im Video oben erzähle ich sie Dir. Hier steht sie zum Nachlesen.
Wie aus Gold Papier wurde
Am Anfang steht ein Handwerker. Goldschmied Fabian besitzt das, was in seinem Dorf am wenigsten verbreitet ist: einen sicheren Tresor. Die Leute bringen ihm ihr Gold zur Verwahrung, und er stellt ihnen dafür einen Beleg aus. Auf dem Beleg steht, wie viel Gold hinterlegt ist und dass der Inhaber es jederzeit abholen kann.
Bald stellt sich heraus, dass niemand mehr Gold abholt, um damit zu bezahlen. Es ist viel bequemer, gleich den Beleg weiterzugeben. Der Beleg wandert von Hand zu Hand, das Gold bleibt liegen. Damit ist etwas Entscheidendes passiert, ohne dass es jemand bemerkt hätte: Nicht mehr das Gold ist das Zahlungsmittel, sondern das Versprechen auf das Gold.
Der Moment, in dem Fabian Geld erschafft
Fabian beobachtet das und zieht seinen Schluss. Wenn ohnehin fast niemand sein Gold abholt, dann liegt der größte Teil des Bestandes dauerhaft ungenutzt im Tresor. Warum also nicht Belege ausgeben für Gold, das gar nicht hinterlegt ist? Er verleiht diese Belege gegen Zins. Solange nicht alle gleichzeitig ihr Gold sehen wollen, fällt es nicht auf.
Das ist der Kern der Geschichte, und es lohnt sich, hier langsam zu lesen: In dem Moment, in dem Fabian einen ungedeckten Beleg verleiht, entsteht neues Geld. Nicht durch Arbeit, nicht durch Fund, nicht durch Handel – durch eine Eintragung. Fabian ist nicht reich geworden, weil er besonders fleißig war. Er ist reich geworden, weil er das Recht hatte, Zahlungsmittel zu erzeugen.
Die fünf Prozent, die es nicht gibt
Jetzt kommt der Teil, der der Geschichte ihren Namen gibt. Fabian verleiht hundert und verlangt hundertfünf zurück. Die hundert hat er geschaffen. Die fünf hat er nicht geschaffen.
Denk das einmal für alle Kreditnehmer gemeinsam zu Ende. Wenn insgesamt hundert im Umlauf sind, aber hundertfünf zurückgezahlt werden müssen, dann fehlen im System fünf. Es ist rechnerisch unmöglich, dass alle ihre Schulden begleichen. Irgendjemand muss ausfallen – nicht weil er faul oder unfähig wäre, sondern weil das Geld für seine Zinsen nie erzeugt wurde.
Und es gibt nur zwei Wege, den Zusammenbruch hinauszuschieben. Entweder jemand nimmt einen neuen Kredit auf, damit die fehlenden fünf entstehen – dann wächst der Schuldenberg. Oder jemand geht pleite und Fabian holt sich die Sicherheit: das Haus, den Hof, die Werkstatt. In beiden Fällen gewinnt Fabian. Am Ende gehört ihm die Welt plus fünf Prozent.
Was die Geschichte über unser heutiges Geldsystem sagt
Die Geschichte vom Goldschmied Fabian ist ein Gleichnis, keine historische Reportage. Aber das Prinzip, das sie beschreibt, ist keine Erfindung. Auch heute entsteht der weitaus größte Teil des Geldes nicht in einer Notenpresse, sondern als Buchung: Eine Geschäftsbank vergibt einen Kredit und schreibt den Betrag dem Kunden auf dem Konto gut. Das Geld existierte vorher nicht. Die Deutsche Bundesbank beschreibt diesen Vorgang in ihren eigenen Veröffentlichungen genau so.
Zwei Dinge aus der Geschichte gelten deshalb unverändert:
- Geld entsteht als Schuld. Zu jedem Guthaben gehört anderswo eine Verbindlichkeit. Ein schuldenfreies Geldsystem gibt es in dieser Konstruktion nicht.
- Die Zinsen entstehen nicht mit. Deshalb muss die Geldmenge wachsen, damit das System nicht stockt – und deshalb ist Wachstumsdruck kein politischer Wunsch, sondern eine Eigenschaft der Konstruktion.
Und noch etwas ist geblieben: Dein Guthaben auf dem Konto ist kein Eigentum, sondern eine Forderung. Genau wie Fabians Beleg. Solange alle darauf vertrauen, funktioniert es tadellos. Wenn dieses Vertrauen wegfällt, zeigt sich, wie viel tatsächlich hinterlegt ist.
Häufige Fragen zum Goldschmied Fabian
Wer war Goldschmied Fabian?
Eine erfundene Figur. Die Geschichte ist ein Lehrstück, das erklären soll, wie Zinsen und Geldschöpfung zusammenwirken – kein historischer Bericht über eine reale Person.
Woher kommt der Titel „Gib mir die Welt plus 5 Prozent“?
Aus der Pointe der Geschichte: Fabian verleiht das Geld, aber nicht die Zinsen. Wer alle Schulden der Welt zurückzahlen wollte, müsste die gesamte Welt plus fünf Prozent aufbringen – und die fünf Prozent gibt es nicht.
Stimmt das Prinzip auch heute noch?
Das Bild vom Gold im Tresor stimmt nicht mehr – eine Deckung durch Edelmetall gibt es seit 1971 nirgends mehr. Der Mechanismus dahinter, Geldschöpfung durch Kreditvergabe und Zinsen, die nicht mitgeschöpft werden, gilt unverändert.
Wie es weitergeht
Wenn Dich interessiert, was daraus für Dein eigenes Geld folgt, lies weiter bei Geldentwertung und Vermögensschutz. Dort geht es um die praktische Seite: Was der Kaufkraftverlust bisher angerichtet hat und was Du dagegen tun kannst.