
Deine persönliche Inflationsrate: die Zahl, die zählt
September 12, 2026
Geldmenge M1 M2 M3: einfach erklärt in drei Schubladen
September 12, 2026Eine 30-Stunden-Woche. 153 arbeitsfreie Feiertage im Jahr. Eine Wohnung für einen Monatslohn. Das war nicht die Zukunft, das war das Schwundgeld Mittelalter – eine Zeit, in der eine Münze absichtlich an Wert verlor.
Das Schwundgeld Mittelalter hat die Wirtschaft nachhaltig beeinflusst und war eine der Schlüsselinnovationen dieser Ära.
Bauern mit silbernen Knöpfen, Gasthöfe mit Silberbesteck. Ich mache mit Dir einen Sprung in die Vergangenheit. Und ich mache ihn, weil er etwas zeigt, das man sonst kaum glauben mag: Es geht auch anders. Es ging schon einmal anders. Über rund dreihundert Jahre.
Wann war das goldene Mittelalter?
Die Zeit, um die es geht, reicht ungefähr von 1150 bis 1450. Man nennt sie das goldene Mittelalter. Und sie beginnt mit einem Mann, der wahrscheinlich gar nicht ahnte, was er anstößt.
In dieser Zeit des Schwundgeld Mittelalter erlebte Europa einen wirtschaftlichen Aufschwung.
Erzbischof Wichmann von Seeburg aus Magdeburg begann damit, nur einseitig geprägte Blechmünzen herauszugeben. Sehr dünn, sehr leicht. Diese Münzen nennt man Brakteaten.

| Jahr | Was geschah |
|---|---|
| um 1150 | Erzbischof Wichmann von Seeburg gibt die ersten Brakteaten aus |
| 1350 | Höhepunkt der Welle von Städtegründungen |
| 1377 | Baubeginn des Ulmer Münsters |
| um 1450 | Die Fugger erschleichen sich Machtgewinn durch Zins, die Zinswirtschaft kehrt zurück |
Rund dreihundert Jahre zwischen der ersten Blechmünze und dem Ende der Periode.
Schwundgeld Mittelalter: Was waren die Brakteaten?
Das Besondere waren nicht die Münzen selbst. Das Besondere war die Regel dahinter. Diese Münzen wurden zweimal pro Jahr zum Umtausch aufgerufen. Und beim Wechsel bekam man für zwölf alte Münzen nur neun neue.
Das Konzept des Schwundgeld Mittelalter beruhte auf der Idee, dass Geld ständig in Bewegung sein sollte.
Lies das ruhig noch einmal mit. Zwölf rein, neun raus. Ein Viertel weg. Und zwar zweimal im Jahr.
Gedacht war das übrigens ganz nüchtern. Es war als praktische und kostengünstige Methode der Steuereintreibung gemeint. Man musste keine Steuer eintreiben, keine Listen führen, niemanden aufsuchen. Sie wurde beim Umtausch einfach einbehalten.
Und noch ein Gedanke dazu, weil das oft missverstanden wird. Das war keine Enteignung im heutigen Sinn. Das war eine Steuer. Nur eben eine, die niemand eintreiben musste und die niemand umgehen konnte. Wer viel Geld hielt, zahlte viel. Wer wenig hielt, zahlte wenig. Und wer sein Geld arbeiten ließ, statt es zu horten, zahlte am wenigsten.
Lass Dir das einmal auf der Zunge zergehen. Diese Regel belohnte genau das Verhalten, das eine Wirtschaft braucht: das Weitergeben.
Im Schwundgeld Mittelalter wurden durch diese Regel viele soziale Veränderungen angestoßen.
Warum brachte das der Wirtschaft einen Schub?
Denk kurz mit. Wenn Dein Geld jedes halbe Jahr ein Viertel verliert, sobald Du es liegen lässt: Was tust Du? Du lässt es nicht liegen. Geld zu horten war schlicht teuer. Also gab man es lieber aus.
Die Prinzipien des Schwundgeld Mittelalter sind auch heute noch von Bedeutung für unsere Wirtschaft.
Man konsumierte. Man ließ bauen. Man kaufte beim Handwerker. Man verlieh das Geld, gerade vor dem halbjährlichen Wechsel, und zwar gern zinslos. Denn zinslos verliehen war immer noch besser als daheim liegen und ein Viertel verlieren. Man spendete an die Kirche. Man brachte das Geld auf jedem denkbaren Weg schnell wieder in Umlauf.
Und das Ergebnis? Jedes Gewerbe florierte. Sogar einfache Menschen lebten in Wohlstand. Mangel gab es nicht.
Halt hier einen Moment inne, denn das ist der Kern der Sache. Es kam kein zusätzliches Geld ins Land. Es wurde nicht mehr Silber gefunden. Die Menge blieb, wie sie war. Was sich änderte, war allein die Geschwindigkeit. Dasselbe Geld wechselte einfach viel öfter den Besitzer. Und jeder Wechsel war ein Auftrag, ein Lohn, eine Mahlzeit, ein Stein an einer Kathedrale.
Es ging also nicht um die Größe der Geldmenge M1 M2 M3, wie wir sie heute messen, sondern darum, wie schnell dasselbe Geld unterwegs war.
Wie lebte ein Arbeiter in dieser Zeit?
Aus dieser Zeit stammen Städtegründungen in großer Zahl. Diese Welle nahm damals ihren Anfang und fand im Jahr 1350 ihren Höhepunkt. In dieselbe Periode fällt auch der Beginn sämtlicher großartiger Kirchenbauten, die Du heute noch bestaunst. Der Baubeginn des Ulmer Münsters 1377 gehört dazu.
Aus jener Zeit stammen auch Sätze, die Du bis heute kennst. „Stadtluft macht frei.“ Und „Handwerk hat goldenen Boden.“ Solche Sätze entstehen nicht in einer armen Zeit.
Und dann die Zahlen zum Alltag, die mich am meisten beschäftigt haben.
| Alltag im goldenen Mittelalter | Überlieferung |
|---|---|
| Arbeitswoche eines Arbeiters | 30 Stunden |
| Arbeitsfreie Feiertage im Jahr | 153 |
| Preis einer Wohnung | ein Monatslohn |
| Knöpfe der Bauern | aus Silber |
| Besteck im Gasthof | nahezu überall Silber |
| Umtausch der Brakteaten | zweimal im Jahr, 12 alte gegen 9 neue |
153 arbeitsfreie Tage, wesentlich mehr als heute.
Ich sage dazu ehrlich: Solche Überlieferungen kann man diskutieren, und Historiker tun das auch. Ich gebe sie so weiter, wie ich sie recherchiert habe. Aber selbst wenn Du großzügig abziehst, bleibt ein Bild übrig, das mit unserer Vorstellung vom finsteren Mittelalter überhaupt nicht zusammengeht.
Warum endete diese Zeit so plötzlich?
Um 1450 erschlichen sich die Fugger einen Weg zum Machtgewinn durch Zins. So beschreibe ich es in meinem Buch, und so sehe ich es. Bald darauf gab es wieder Zinswirtschaft. Und darauf folgte das, was wir heute das finstere Mittelalter nennen.
Was danach geschah, ist der eigentliche Beweis. Die Kirchenbauten, die in der Zeit des fließenden Geldes begonnen worden waren, konnten über viele Jahrhunderte nicht zu Ende gebracht werden. Wegen Geldmangel. Dieselben Menschen, dieselben Städte, dieselben Steine. Nur das Geld floss nicht mehr. Es gab Unzufriedenheit und große Unterdrückung im Volk, und das endete schließlich in den Bauernkriegen.
Der Satz, auf den ich hinauswill, ist einfach. Fließendes Geld befeuert die Wirtschaft. Gehortetes Geld schädigt die Wirtschaft.
Das Schwundgeld Mittelalter verdeutlicht, wie wichtig es ist, Geld in Bewegung zu halten.
Was Du daraus für heute mitnehmen kannst
Und jetzt schau Dir an, wie unser System aufgebaut ist. Bei uns wird nicht das Liegenlassen bestraft, sondern belohnt. Wer sein Geld liegen lässt, bekommt Zinsen dafür. Das ist genau die Umkehrung dessen, was die Brakteaten bewirkt haben. Wer diese Zinsen aufbringt und woher kommen die Zinsen überhaupt, das habe ich in einem eigenen Beitrag auseinandergenommen.
Ich behaupte nicht, dass wir Brakteaten wieder einführen sollten. Ich weiß auch nicht, wie das in einer modernen Volkswirtschaft aussehen müsste. Ich bin kein Notenbanker.
Aber ich möchte, dass Du eine Sache mitnimmst. Die Regeln unseres Geldes sind gemacht. Von Menschen. Sie sind kein Naturgesetz. Ein Erzbischof aus Magdeburg hat sie einmal anders gemacht, aus einem ganz banalen Grund, und daraus wurde eine der größten Schaffensperioden der Geschichte.
Die Lehren aus dem Schwundgeld Mittelalter können uns helfen, moderne wirtschaftliche Herausforderungen zu meistern.
Wenn Du das nächste Mal hörst, es gehe eben nicht anders, dann denk an die Brakteaten. Zwölf rein, neun raus. Und ganz Europa baute Kathedralen.
Die Prinzipien des Schwundgeld Mittelalter waren revolutionär und beeinflussten die Geldpolitik für Jahrhunderte.
Wie es weitergeht
Im Buch findest Du das im Kapitel „Fließendes Geld“, mit Bildern der Brakteaten und von Erzbischof Wichmann. Damit ist der Block über Zins und Zinseszins abgeschlossen – als Nächstes schauen wir uns an, was die Inflation ganz konkret mit Deinem eigenen Warenkorb macht.
Der Einfluss des Schwundgeld Mittelalter auf die Gesellschaft kann nicht unterschätzt werden.
Schreib mir gern in die Kommentare, ob Du diese Zeit anders im Kopf hattest.
Zum Weiterlesen: Schwundgeld
Das Schwundgeld Mittelalter bleibt ein faszinierendes Thema für Historiker und Ökonomen.
Dieser Beitrag gibt meine persönliche Einschätzung wieder und ist keine Anlageberatung.
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In der heutigen Zeit können wir viel aus dem Schwundgeld Mittelalter lernen.


