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September 11, 2026Am 2. Mai 2022 stürzten in Europa binnen Minuten mehrere Börsen ab. Der Auslöser war kein Krieg und keine Notenbank. Es war ein Eingabefehler bei einer einzigen Bank. Den Rest erledigte der Hochfrequenzhandel.
Hochfrequenzhandel hat die Märkte revolutioniert und beeinflusst, wie Aktien gehandelt werden.
Genau darüber reden wir in diesem Beitrag: über einen Gegner, der schneller ist als Du. Immer.
Warum ist die Börse schwieriger geworden?
Aktien und andere Unternehmensbeteiligungen sind Sachwerte, aber sie erfordern Aktivität. Speziell bei Aktien brauchst Du Sachverstand und Timing.
Die Techniken des Hochfrequenzhandels erfordern eine präzise Analyse und schnelle Entscheidungen.
Früher war das einfacher. Man kaufte solide Dividendentitel und konnte einigermaßen gelassen in die Zukunft schauen. Heute steckt der Markt voller technologischer und wirtschaftlicher Umbrüche, die in Windeseile ganze Branchen auf den Kopf stellen. Was gestern selbstverständlich war, ist morgen ein Museumsstück.
Wie groß ist der Hochfrequenzhandel wirklich?
Die Popularität des Hochfrequenzhandels hat in den letzten Jahren zugenommen und zeigt, wie wichtig Technologie im Handel ist.
Und dann ist da dieses zweite Problem, über das kaum jemand mit Dir spricht. Die Handelsroboter sind die heutigen Fondsmanager.
In meinem Buch steht dazu eine Zahl aus dem Jahr 2020, die ich hier nicht wiederhole, weil sie überholt ist. Ich sage Dir stattdessen etwas Ehrlicheres, auch wenn es unbequemer ist: Wie hoch der Anteil des automatisierten Handels am Börsenvolumen heute genau ist, weiß ich nicht. Und Du findest es auch nirgends belastbar. Ich könnte Dir jetzt eine Zahl nennen. Ich tue es nicht.
Der Hochfrequenzhandel hat nicht nur den Handel, sondern auch die Marktstruktur verändert.
Was sich dafür belegen lässt, ist die schiere Größe des regelbasierten Geldes.
| Kennzahl | Stand |
|---|---|
| Weltweites Vermögen in börsengehandelten Indexfonds | 23,11 Billionen US-Dollar (31. Juli 2026) |
| Zahl der einzelnen ETFs weltweit | 17.654 |
| Anteil des automatisierten Handels am Volumen | keine belastbare aktuelle Erhebung |
| Letzte offizielle europäische Messung dazu | 2013 |
Und ich sage ausdrücklich dazu: Ein ETF ist nicht dasselbe wie ein Handelsroboter. Ein ETF bildet einen Index nach, mehr nicht. Aber diese Größenordnung zeigt Dir, wie viel Kapital heute nach festen Regeln bewegt wird statt nach der Entscheidung eines Menschen, der über ein Unternehmen nachgedacht hat.
Wie entsteht daraus ein Dominoeffekt?
Diese Systeme vertragen nur eine geringe Schwankungsbreite. Wird die Schwankung größer, werden Gegenmaßnahmen ergriffen. Und auch das passiert vollautomatisch. Da sitzt niemand, der überlegt.
Jetzt stell Dir vor, was passiert, wenn der erste dieser Töpfe anfängt zu verkaufen. Das löst Verkäufe bei den anderen aus. Deren Verkäufe lösen wieder Verkäufe aus. So entsteht ein Dominoeffekt, der schwer zu beherrschen ist. Und er läuft mit der Reaktionszeit einer Maschine ab. Nicht in Stunden.
Ein Beispiel für den Einfluss des Hochfrequenzhandels ist der plötzliche Marktcrash, der durch automatisierte Verkäufe ausgelöst wurde.
Ist das Theorie oder schon passiert?
Das ist keine Theorie. Es gibt zwei Beispiele, die ich Dir nicht vorenthalten will.
| Ereignis | Datum | Was passiert ist |
|---|---|---|
| Flash Crash in Europa | 2. Mai 2022 | Ein Händler einer großen Bank vertippte sich bei einer Order. Binnen weniger Minuten rutschten europäische Indizes deutlich ab, in Skandinavien besonders heftig. Die Aufsichtsbehörden in Großbritannien und Deutschland verhängten später Bußgelder. |
| Einbruch des Nikkei | 5. August 2024 | Der japanische Leitindex verlor 12,4 Prozent an einem einzigen Tag. |
Beim zweiten Fall war der Auslöser die Auflösung von Geschäften, bei denen Anleger sich billig in japanischen Yen verschuldet hatten, um woanders zu investieren. Als sich das drehte, mussten diese Positionen geschlossen werden, und zwar alle gleichzeitig, weil sie alle nach derselben Logik funktionieren.
Diese automatisierten Systeme, die im Hochfrequenzhandel eingesetzt werden, schaffen neue Herausforderungen für menschliche Anleger.
Wieder derselbe Mechanismus: Nicht die Unternehmen hatten sich verändert. Die Mechanik hatte sich verändert.
Der Privatinvestor hat in solchen Momenten überhaupt keine Zeit zu reagieren. Als Mensch kannst Du gegen die Maschinen nicht gewinnen. Das ist keine Beleidigung. Das ist Physik.
Der Hochfrequenzhandel stellt eine physikalische Herausforderung dar, gegen die Menschen kaum gewinnen können.
Kommen Börsennachrichten zu spät?
Damit sind wir beim zweiten Punkt. Es gibt an der Börse kaum verwertbare Informationen für Menschen wie Dich und mich.
Denk an den Börsenbericht im Fernsehen. Da steht jemand vor der Anzeigetafel und erklärt, warum der Markt heute gestiegen ist. Das ist unterhaltsam. Nur ist die Information längst zu alt. Wer danach handelt, läuft Trends hinterher und verpasst fast zwangsläufig den richtigen Zeitpunkt.
Die Informationen, die im Hochfrequenzhandel verarbeitet werden, sind oft für menschliche Trader zu spät.
Wer ist der schwierigste Gegner?
Und jetzt kommt der Teil, den ich für den entscheidenden halte. Der schwierigste Gegner sitzt gar nicht in der Serverhalle. Er sitzt in Dir.
Die Angst vor dem Hochfrequenzhandel führt dazu, dass Anleger sichere Alternativen suchen, was oft nachteilig ist.
Die meisten Anleger verkraften Verluste nicht gut. Das ist keine Schwäche, das ist normal. Das Verlustgefühl ist viel intensiver als die Freude über einen Gewinn gleicher Höhe. Wenn Dein Depot um tausend Euro steigt, freust Du Dich kurz. Wenn es um tausend Euro fällt, denkst Du abends im Bett darüber nach. Ich kenne das von mir selbst.
Diese Schieflage führt zu zwei typischen Reaktionen, und beide sind teuer. Die einen handeln vorschnell, sobald sich Verluste abzeichnen. Sie verkaufen genau dann, wenn es am unangenehmsten ist. Die anderen lassen alles laufen, in der Hoffnung, das werde schon wieder. Und das vorschnelle Handeln hat noch einen zweiten Effekt: Gewinne werden viel zu früh realisiert, aus lauter Angst, sie könnten wieder verschwinden.
Dazu kommt etwas, das noch schwerer zu bemerken ist. Entscheidungen werden selten auf Basis von Fakten getroffen, sondern emotional. Anleger lieben Informationen, die zu ihren eigenen Erwartungen passen. Was nicht ins Bild passt, wird ignoriert oder verdrängt. Das nennt man selektive Wahrnehmung, und das geht den meisten Menschen so, mir eingeschlossen. Nur führt es zu irrationalen Entscheidungen.
Um im Hochfrequenzhandel erfolgreich zu sein, müssen Entscheidungen oft ohne emotionale Einflüsse getroffen werden.
Wohin die Angst vor Schwankungen führt
Das Ende vom Lied kenne ich aus unzähligen Gesprächen. Wer sich einmal so die Finger verbrannt hat, meidet danach alles, was schwanken könnte. Er sucht sich eine sichere Alternative, auch wenn es dort kaum Zinsen gibt.
Und landet genau in der Falle, über die ich an anderer Stelle schreibe: im Geldwert, der langsam an Kaufkraft verliert. Wie viel das über die Jahre ausmacht, habe ich im Beitrag zum Kaufkraftverlust durchgerechnet. Die Angst vor dem einen Risiko treibt ihn in ein anderes, das er nicht sieht.
Was heißt das für Dich?
Ich sage Dir nicht, ob Du Aktien kaufen sollst. Das ist Deine Entscheidung.
Aber ich gebe Dir einen ehrlichen Rat, der nichts kostet: Höre in Dich hinein. Ganz ruhig, ohne Selbstbetrug. Wie hast Du reagiert, als zuletzt etwas Wertvolles von Dir weniger wert wurde?
Wenn Du merkst, dass Du schnell die Nerven verlierst, dann lass lieber die Finger von Einzelaktien. Das ist kein Versagen. Das ist Selbstkenntnis, und die ist an der Börse mehr wert als jeder Tipp.
Wie es weitergeht
Wie man dem Schwanken der Kurse mit einem langen Atem begegnet, statt gegen die Maschinen zu rennen, zeige ich Dir im Beitrag darüber, wie Du Dir einen Finanzplan erstellen kannst. Vorher geht es aber noch um den Goldpreis und darum, warum er ein Eigenleben führt.
Und schreib mir gern: Wie ruhig bleibst Du wirklich, wenn es rot wird?
Wie reagierst Du auf die Herausforderungen des Hochfrequenzhandels? Ist es Dir gelungen, ruhig zu bleiben?
Zum Weiterlesen: Hochfrequenzhandel
Dieser Beitrag gibt meine persönliche Einschätzung wieder und ist keine Anlageberatung.
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