Darlehen, Einbahnstraße in die Abhängigkeit

Das Vermögen der deutschen Sparer verliert jedes Jahr an Substanz. Es wächst nicht, es vermindert sich, denn der deutsche Sparer vertraut auf die süßen Worte der Institute und macht seine Rechnung ohne Inflation und Steuer. Ausbleibende Sparziele sind die Folge. Aber auch dafür haben die Institute gesorgt. Es gibt ja Darlehen.

Niemand verschuldet sich gern, soviel steht fest. Wenn man bei jemandem in der Kreide steht, ist das immer eine bittere Pille, denn so lange man jemanden etwas schuldet, ist man von ihm abhängig. Also sollte es darum gehen, Schulden zu vermeiden.
Doch wie soll man das tun, wenn der Wunsch so heiß brennt, aber die Haushaltskasse nicht mitspielt? In diesem Fall gibt es wohl nur die zwei Möglichkeiten, entweder zu verzichten oder sich zu verschulden.
Sich im Griff zu halten, erscheint als echte Herausforderung. Man will schließlich nicht nur arbeiten, sondern auch etwas von dem Geld haben, was man verdient. Leider rinnt das Geld oft schneller durch die Finger, als es verdient werden kann. Und so kommt es nicht selten vor, dass der Monat länger ist als das Gehalt. Tja, wie will man sich dann etwas leisten, wenn das Gehalt oft schon für die Dinge des täglichen Lebens drauf geht? Überall und ständig wird man mit Aussagen konfrontiert, warum es toll ist, das zu tun oder warum es hip ist, jenes zu haben. Hast Du was, bist Du was! Hast Du nichts? Den Rest kennen Sie.
Nun sollen hier nicht alle über einen Kamm geschert werden. Schließlich gibt es auch Situationen, in denen man Zwängen unterworfen ist, die es erforderlich machen, eine Sache zu kaufen, obwohl
das Geld dafür fehlt. Wer zum Beispiel ein Fahrzeug braucht, um einen neuen Job außerhalb anzutreten, hat kaum eine Wahl, als sich das Fahrzeug auf Kredit zu kaufen.
Wenn man aber jemand ist, der sich diesem Konsumzwang unterwirft und der seine Persönlichkeit dadurch ausdrückt, dass er etwas besitzt, wird aus den Wünschen schnell ein Bedürfnis, dass immer wieder nach neuen „Spielsachen“ verlangt. Besitz ist trügerisch und unbefriedigend. So lange man etwas haben möchte und sich danach verzehrt, ist eine Sache interessant. Hat man sie sich erst
einmal gekauft, ist zwar die Freude da. Sie verfliegt jedoch relativ schnell, denn wenn man den begehrten Artikel erst einmal jeden Tag frei zugänglich in der Umgebung hat, kann er sehr schnell seinen Reiz verlieren. Etwas Neues muss her und das Spiel beginnt von vorne.
Es ist fast wie eine Droge. Man will etwas haben und sehnt es herbei. Es baut sich ein starkes Bedürfnis auf. Im Moment des Kaufes werden Endorphine ausgeschüttet und man verspürt einen Kick und dann eine gewisse Befriedigung, gefolgt von Freude, dass man das begehrte Objekt nun in Besitz hat. Es geht im Grunde gar nicht mehr um das Objekt, sondern um das Gefühl, was man beim Kauf erlebt.
Und gegenüber Gefühlen sind wir Menschen leider völlig schwach.
Das dürfte dann wohl auch eine Erklärung dafür sein, warum so viele Menschen auf Pump einkaufen. Ein weiterer Grund dafür ist sicherlich auch die Aufmerksamkeit. Die Angebote werden ja heutzutage kaum noch mit den Kaufpreisen ausgestellt. Überall kann man nachlesen, wie viel man monatlich zahlen muss. Im Kleingedruckten findet man dann auch den Kaufpreis. Es wird alles unternommen, damit es
dem Kunden so leicht wie möglich gemacht wird, ja zu sagen.
Nur, viele kleine Raten tun auf Dauer auch weh. Vor allem dann, wenn der Monat ohnehin schon länger als das Gehalt war. Je mehr Raten man hat, umso schneller ist das Gehalt weg und umso länger erscheint einem dann der Monat. Man rutscht immer weiter in den Disporahmen – soweit vorhanden – rein.

Immer genau verkehrt

Beim Beobachten des Anlageverhaltens der Masse der deutschen Sparer drängt sich der Verdacht auf, dass der deutsche Sparer ein sogenannter ANTI sein muss. Die Masse tut nämlich immer genau das, was
gerade nicht zu empfehlen ist. Steigen die Aktien, kauft die Masse Aktien. Fallen die Aktien, verkauft die Masse der Deutschen ihre Aktien. Ist das Gold teuer, kauft der Deutsche Gold. Was aber tut ein schlauer Fuchs? Steigen die Aktien, verkauft der Fuchs seine Aktien an die, die gerade Aktien kaufen. Da es die Masse ist, finden seine Aktien reißend Absatz. Er kauft aber auch Edelmetalle, denn das ist meist billiger, wenn die Aktien steigen. Fallen die Aktien, kauft der Fuchs, denn der Fuchs kauft, wenn´s billig ist. Ist das Gold teuer, lässt der Fuchs die Finger vom Gold, denn wer teuer einkauft, zahlt einfach zu viel.
Warum verhält sich die Masse so? Ist die Masse zu dumm? Ja, ist sie, denn sie wird ständig für dumm verkauft. Und wer verkauft die Masse für dumm? Es sind die Banker am Beratungstisch, die ihren Kunden lukrative Anlagen anbieten wollen. Was tun diese so genannten Berater? Sie haben Probleme damit, Anlagen zu verkaufen, die in der letzten Zeit Kursverfälle hatten. Sie zeigen viel lieber,
wie toll sich eine Aktie oder ein Fonds in der letzten Zeit entwickelt hat. Das schafft ein gutes Gefühl. Der Kunde kauft doch viel lieber ein Produkt, bei dem er gesehen hat, dass es Gewinn machte, als ein Produkt, das Verluste gemacht hat.
Und dann passiert, was passieren muss. Nach Kurssteigerungen,kommt immer auch ein Kursverfall. Der Kunde, teuer eingestiegen, erkennt, dass er Verluste macht. Was tut er? Er will die Verluste eingrenzen, verkauft und packt sein Geld auf das sichere Sparbuch oder Festgeld. Und zu allem Überfluss sieht man immer wieder den äußerst medienpräsenten Herrn H.-J. T. von der Zeitschrift
F., der als anerkannter Experte genau dieses Vorgehen im Fernsehen empfiehlt. Jedem wirklichen Experten entschlüpft da nur Kopfschütteln, denn solche Empfehlungen sind mit dafür verantwortlich,
dass viel Vermögen entsorgt wird.
Warum soll der Sparer oder Anleger da noch daran zweifeln, dass er alles richtig gemacht hat und die bösen unsicheren Anlagen an allem Schuld sind?
Geld sinnvoll und rentabel anzulegen ist keine Hexerei. Man muss nur ein paar Regeln beachten. Die erste Regel ist, niemandem zu glauben, der propagiert, dass man unbedingt sichere Anlagen wählen
soll. Sichere Anlagen werden immer mies verzinst und nutzen damit niemals dem Anleger sondern nur dem Anbieter, der das Geld verwaltet. Denn die sind die Wurzel allen Übels. Haben die Institute denn ein Interesse daran, dass die Anleger erfolgreich sind? Ein rentabler Kunde ist für eine Bank doch nicht der, der viel Geld auf der hohen Kante hat. Viel interessanter sind die Kunden, die kein Geld haben, die jeden Monat ihren Dispokredit in Anspruch nehmen müssen.
Die Bank verleiht viel lieber Geld. Denn verliehenes Geld bringt ihnen hohe Zinsen ein. Überzogene Girokonten sind eine der lukrativsten Einnahmequellen von Banken. Die Kunden, die sich permanent
innerhalb ihres Disporahmens aufhalten, sind loyale Kunden. Sie bleiben bei der Stange und wenn der Dispo zu sehr drückt, wird einfach umgeschuldet. Ein Ratenkredit wird aufgenommen und die
Kreditsumme gleicht das Konto aus. Bei dieser Gelegenheit kann gern eine Restschuldversicherung oder andere Zusatzbausteine abgeschlossen werden. Schließlich hilft man dem Kunden mit der Umschuldung.
Die Rate für den Umschuldungs-Ratenkredit kommt als Ausgabe hinzu. So ist es nicht verwunderlich, dass viele Menschen, die so eine Situation durchlebt haben, sich nach nicht allzu langer Zeit wieder innerhalb ihres Disporahmens im Minus aufhalten. Das ist so richtig lukrativ für eine Bank. Der Kunde befindet sich in absoluter Abhängigkeit zu seiner Bank. So sieht es die Bank gerne.
Wer Vermögen hat, kennt diese Situation nicht. Schon aus diesem Grunde sollte es erstrebenswert sein, sich ein finanzielles Polster zu schaffen. Wie macht man das? Man muss sich bewusst machen, dass Geldwerte sich langfristig nicht vermehren sondern ihre Kaufkraft einbüßen. Wer also sein Geld auf ein Sparbuch legt, auf das er beispielsweise 1,5 Prozent Zinsen erhält, mag am Jahresanfang, wenn die Zinsen gutgeschrieben werden sicherlich Wachstum auf seinem Sparkonto wahrnehmen. Dieses Wachstum hat aber weniger mit Rendite als vielmehr mit seinen Sparleistungen zu tun. Darüber hinaus, bekommt der Sparer nie Aufschluss darüber, wie sich die Kaufkraft seines Geldes entwickelt. Denn der Kontoauszug weist nur sein Guthaben, seine Einzahlungen und die darauf gutgeschriebenen
Zinsen aus.

Darlehen: Geschäft ist Geschäft

Übrigens ist an der Vorgehensweise der Banken gar nichts auszusetzen, denn diese Vorgehensweise begegnet uns jeden Tag an den unterschiedlichsten Orten. Man nennt es Geschäft. Jeder macht Geschäfte
und hofft auf seinen Vorteil.
Und jeder hat bestimmt schon einmal einen Informationsvorsprung ausgenutzt und war schneller als andere. Banken tun nichts anderes, sie nutzen ihren Informationsvorsprung aus. Der Unterschied ist,
dass sie diesen Informationsvorsprung künstlich vergrößern, indem sie bewusst Falschinformationen streuen. Vergleichbar wäre es, wenn jemand ein Virus verbreitet, zu dem er das Heilmittel besitzt
und sich dann als Retter ausgibt. Die Banken verbreiten Informationen darüber, dass es unseriös sei, zweistellige Renditen zu erwirtschaften, sie verunsichern die Menschen und schüren ihre Verlustängste durch haarsträubende Geschichten über die hohen Risiken. Und wenn sie die Menschen genug verunsichert haben, sammeln sie das Geld ein und kommen mit ihrer wirkungsvollen Sicherheitspredigt. Sie sagen, Dein Geld ist sicher bei uns, Du kannst nichts verlieren. Wir garantieren für Dein Geld. Und genau das ist es, was sie tun. Sie sprechen eine Garantie darüber aus, dass der Sparer nach einer bestimmten Zeit ein Papier in den Händen hält, auf dem er lesen kann, wie viel er eingezahlt hat und was an Zinsen dazu kam. Wie viel der Sparer sich dann dafür noch kaufen kann, ist eine ganz andere Baustelle und nicht mehr das Problem der Bank. Die Institute machen uns etwas vor. Sie handeln mit Papier und geben uns Papiergarantien. Niemand weiß, wie lange die Papiere noch als Tauschmittel anerkannt werden oder wie viel man mit diesem Papier später noch kaufen kann. Seine Ziele erreicht man damit nur schwer. Am Ende baut der Bankkunde kein Vermögen auf, denn Inflation und Steuer vernichten die Substanz des Geldes stärker als die Zinsen für Wachstum sorgen. Also bleiben doch nur Verzicht oder Verschuldung als Alternative? Das muss jeder selbst entscheiden. Wie so oft, kann man nur durch eigene Kraft eine Veränderung erwirken.

Infos zum Autor: Michael Sielmon
Foto: Bilddatenbank Fotolia

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