Fondspolice Kosten: 370.000 versprochen, 175.800 gerechnet
September 11, 2026Unterschied Rendite Verzinsung: Wohin Deine 100 Euro fließen
September 11, 2026Drei Fonds. Alle drei haben über fünf Jahre im Schnitt zehn Prozent gebracht. Aus 10.000 Euro werden beim ersten 16.105 Euro, beim zweiten 11.340 Euro, beim dritten 12.821 Euro. Gleiche Durchschnittsrendite, drei völlig verschiedene Ergebnisse. Wie kann das sein?
Die Durchschnittsrendite ist ein wichtiger Indikator für die Performance von Fonds.
Das betrifft Dich, sobald Dir jemand eine Beispielrechnung über den Tisch schiebt. Bei fondsgebundenen Lebens- und Rentenversicherungen ist das der Normalfall. Und diese Rechnungen haben eine Eigenschaft, die man kennen sollte: Sie sehen aus wie eine Prognose, sind aber keine.
Was ist eine Beispielrechnung wirklich wert?
Beispielrechnungen sind ein beliebtes Mittel beim Verkauf von Lebens- und Rentenversicherungen. Es sind jedoch nur Beispiele. Bei klassischen kapitalbildenden Verträgen mag das noch halbwegs funktionieren, solange man sich auf die Garantiewerte beschränkt. Sobald aber Überschussbeteiligungen einfließen, wird es schwierig. Denn Überschüsse werden nicht garantiert. Sie werden erhofft.
Es gibt Beispielrechnungen übrigens erst, seit der Computer zur Ausstattung des Vertreters gehört, also seit Anfang der Neunzigerjahre. Vorher hat man Verträge auch verkauft. Nur eben ohne bunte Zahlenkolonne. Im Verkauf gibt es ein ungeschriebenes Gesetz, das erlaubt, zu vereinfachen und zu beschönigen. Und wer einen Vertrag abschließt, interessiert sich nun einmal für das Ergebnis. Die Beispielrechnung liefert ihm eine Zahl. Diese Zahl kann so gar nicht eintreten. Aber der Kunde ist trotzdem zufrieden. Ich habe das selbst erlebt, von beiden Seiten des Tisches.
Die Durchschnittsrendite wird oft als Kriterium für die Auswahl von Anlagen herangezogen.
Bei Fondspolicen kommt etwas hinzu. Da gibt es überhaupt keine Zinsen. Es gibt Anteilspreise, die schwanken. Trotzdem wird eine Simulation in der Praxis so erstellt, dass man für die gesamte Laufzeit eine konstante Jahresrendite unterstellt. Man rechnet also mit Zinseszins, obwohl es gar keinen Zins gibt. Genau da liegen die Fehlerquellen.
Erstens: Es existiert kein Fonds, der über eine längere Laufzeit eine konstante Rendite hat. Keiner. Die Preise der Fondsanteile unterliegen Wertschwankungen, genau wie der Kurs von Aktien oder Anleihen. Man kann über einen Zeitraum einen Durchschnitt ermitteln. Aber ein Durchschnitt bedeutet nicht, dass die Kurse gleichmäßig verlaufen sind.
Zweitens: Fonds haben nicht in jeder Zeitspanne die gleichen Zuwächse. Wenn Du Dir Charts in Flyern anschaust, findest Du dort gute Wertentwicklungen über bestimmte Zeitspannen. Ausgerechnet über diese. Es lohnt sich, so einen dargestellten Fonds selbst zu recherchieren und verschiedene Zeiträume anzuschauen. Du wirst sehen, dass nicht jeder Zeitraum positiv verlief. Letztlich sind diese Darstellungen ohnehin nicht relevant. Denn wie die zukünftige Wertentwicklung aussieht, kann niemand vorhersagen. Niemand.
Wie kann dieselbe Durchschnittsrendite drei Ergebnisse haben?
Großen Einfluss hat die Volatilität. Das ist das Fachwort dafür, wie stark ein Fonds schwankt. Und diese Schwankung ist nicht nur ein Gefühl, sondern bares Geld. Nimm 10.000 Euro Anfangskapital und fünf Jahre.
Die Volatilität beeinflusst auch die Durchschnittsrendite und sollte bei Entscheidungen berücksichtigt werden.
| Jahr | Fonds A | Fonds B | Fonds C |
|---|---|---|---|
| 1 | +10 % | +50 % | −10 % |
| 2 | +10 % | −50 % | −10 % |
| 3 | +10 % | −10 % | −10 % |
| 4 | +10 % | +40 % | −5 % |
| 5 | +10 % | +20 % | +85 % |
| Durchschnitt | 10 % | 10 % | 10 % |
| Endkapital | 16.105,10 € | 11.340,00 € | 12.821,18 € |
Fonds A macht jedes Jahr brav zehn Prozent. Am Ende stehen 16.105 Euro und zehn Cent.
Fonds B ist ein Zappelphilipp. Rechne die fünf Zahlen zusammen und teile durch fünf: Durchschnitt zehn Prozent. Derselbe Durchschnitt wie bei Fonds A. Am Ende stehen aber nur 11.340 Euro.
Fonds C fängt schlecht an und macht im fünften Jahr den großen Sprung. Auch das ergibt im Schnitt zehn Prozent. Ergebnis: 12.821 Euro und achtzehn Cent.
Und schau Dir Fonds C noch einmal genauer an. Vier Jahre lang ging es abwärts. Vier Jahre lang hättest Du auf Deinem Auszug rote Zahlen gesehen, bevor im fünften Jahr der Sprung kommt und den Durchschnitt rettet. Ich weiß nicht, wie Du in diesen vier Jahren entschieden hättest. Aber ich weiß, dass diese vier Jahre in der Durchschnittszahl überhaupt nicht mehr auftauchen. Der Durchschnitt kennt keine Nerven.
Eine fundierte Analyse der Durchschnittsrendite ist unerlässlich für jeden Investor.
Drei Fonds, ein und derselbe Durchschnitt. Und zwischen dem besten und dem schlechtesten Ergebnis liegen fast 4.800 Euro. Das ist beinahe die Hälfte des eingesetzten Kapitals.
Warum wiegt ein Verlust schwerer als ein Gewinn?
Woran liegt das? An einer Eigenschaft, die viele unterschätzen. Ein Verlust wiegt schwerer als ein gleich großer Gewinn. Wenn Fonds B im ersten Jahr fünfzig Prozent gewinnt und im zweiten Jahr fünfzig Prozent verliert, steht er nicht wieder bei null. Er steht deutlich darunter. Aus 10.000 werden erst 15.000 und dann 7.500. Der Prozentsatz ist derselbe, die Basis nicht. Deshalb schmerzen Schwankungen, auch wenn der Durchschnitt hübsch aussieht.
Der Dreh ist damit klar. Obwohl alle drei Beispielfonds im Schnitt zehn Prozent pro Jahr gebracht haben, variiert das Endergebnis deutlich. Man kann Fonds nicht mit einer Zinseszinsberechnung darstellen. Die Durchschnittsrendite ist eine Rückschau. Sie ist kein Fahrplan. Eine Beispielrechnung, die eine glatte Rendite Jahr für Jahr fortschreibt, beschreibt einen Fonds, den es nicht gibt.
Welche drei Fragen helfen Dir bei der nächsten Hochglanzrechnung?
Beachte die Durchschnittsrendite, wenn Du die zukünftige Performance bewertest.
Ich sage Dir nicht, ob Du in Fonds investieren sollst oder nicht. Das ist Deine Entscheidung und hängt an Deiner Lage. Aber wenn Du das nächste Mal eine Hochglanzrechnung siehst, stell drei Fragen.
- Mit welcher jährlichen Wertentwicklung wurde hier gerechnet?
- Ist diese Zahl garantiert oder angenommen?
- Was passiert mit dem Ergebnis, wenn wir denselben Schnitt anders über die Jahre verteilen?
Die dritte Frage ist die unbequemste. Und sie ist die ehrlichste. Denn sie führt genau zu dem, was Du gerade gesehen hast: derselbe Schnitt, drei Ergebnisse.
Und noch ein Gedanke, den ich Dir mitgeben will. Eine Zahl auf Papier fühlt sich sicher an, weil sie so präzise aussieht. 16.105 Euro und zehn Cent. Zwei Nachkommastellen wirken wie Wahrheit. Sie sind aber nur das Ergebnis einer Annahme. Und Annahmen darf man hinterfragen.
Wie es weitergeht
Wenn Du wissen willst, warum schon der Zinssatz im Angebot nur einen Ausschnitt Deines Geldes beschreibt, findest Du das im Beitrag zum Unterschied Rendite Verzinsung. Im nächsten Beitrag geht es darum, was von einer solchen Beispielrechnung übrig bleibt, wenn man alle Fondspolice Kosten berücksichtigt.
Schreib mir gern in die Kommentare, welche Durchschnittsrendite in Deiner letzten Beispielrechnung stand.
Zum Weiterlesen: Geometrisches Mittel
Dieser Beitrag gibt meine persönliche Einschätzung wieder und ist keine Anlageberatung.
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