Dynamik Versicherung: jede Erhöhung ist ein neuer Vertrag
September 11, 2026Durchschnittsrendite: gleicher Schnitt, drei Ergebnisse
September 11, 2026150 Euro im Monat, 35 Jahre lang. Im Angebot steht eine Ablaufleistung von über 370.000 Euro. Rechnet man dieselbe Police mit allen Fondspolice Kosten nach, bleiben rund 175.800 Euro vor Steuer. Eingezahlt hast Du 62.000 Euro. Und ungefähr 62.000 Euro sind auch die Fondspolice Kosten.
Ein Rechenbeispiel, ja. Aber die Aufsicht hat inzwischen eigene Zahlen dazu. Ich will das Schritt für Schritt auseinandernehmen. Nicht um Dir Angst zu machen, sondern damit Du beim nächsten Angebotsausdruck weißt, wo Du hinschauen musst.
Wenn Du die Fondspolice Kosten verstehst, kannst Du besser einschätzen, was Du tatsächlich bekommst.
Warum hilft Dir die gesetzliche Kostentransparenz so wenig?
Seit dem Versicherungsvertragsgesetz von 2008 sollen die Kosten transparent offengelegt werden. Das klingt nach Fortschritt. In der Praxis ertrinkt der Versicherte in Papier. Wer die Versicherungssprache beherrscht, kann die Kostensituation vollständig aus den Merkblättern herauslesen. Aber genau da liegt der Haken. Man muss die Sprache können. Eine für den Kunden nachvollziehbare Kostentransparenz ist das aus meiner Sicht bis heute nicht.
Die Fondspolice Kosten sind oft höher, als man denkt.
Jetzt kommt der erste große Denkfehler. Wenn in einer Beispielrechnung eine Wertentwicklung von neun Prozent pro Jahr unterstellt wird, denkt fast jeder: Dann kommen bei mir neun Prozent an. Das stimmt nicht. Je nachdem, welche Fonds für die Kapitalanlage gewählt werden, fallen in den Fonds selbst Gebühren an.
Diese Gebühren sind Teil der Fondspolice Kosten und beeinflussen die Rendite.
Was erfasst die TER – und was nicht?
Dafür gibt es eine Kennzahl, die auf einen Blick Klarheit schaffen soll: die Total Expense Ratio, kurz TER. Sie bildet die Management- und Depotbankgebühr sowie die sonstigen Betriebskosten ab. Je geringer die TER, desto besser die Kostensituation. Leider werden nicht alle Gebühren erfasst.
| In der TER enthalten | Nicht in der TER enthalten |
|---|---|
| Managementgebühr | Ausgabeaufschlag |
| Depotbankgebühr | Transaktionskosten |
| sonstige Betriebskosten | performanceabhängige Gebühren |
Das ist bis heute so. An diesem Punkt hat sich seit meinem Buch nichts geändert.
Vor allem die Transaktionskosten darf man nicht ignorieren. Es sind die Kosten, die entstehen, wenn im Fonds gekauft und verkauft wird. Je mehr gehandelt wird, desto mehr fällt an. Immerhin: Diese Kosten kann man in den Griff bekommen. Fonds, die auf aktives Management verzichten und lediglich einen Index nachbilden, handeln deutlich weniger.
Die Fondspolice Kosten sind entscheidend für Deine Gesamtstrategie.
Sind teure Fonds die besseren Fonds?
Wie groß der Unterschied inzwischen ist, kann man nachlesen. Die europäische Wertpapieraufsicht ESMA hat ausgewertet, was Fonds ihre Anleger im Jahr 2024 gekostet haben.
Die Fondspolice Kosten sind ein wichtiger Faktor für die Wahl des richtigen Fonds.
| Fondsart (ESMA, Jahr 2024) | Laufende Kosten p. a. | Nettorendite 2024 |
|---|---|---|
| aktiv gemanagte Aktienfonds | 1,28 Prozent | 17,0 Prozent |
| börsengehandelte Indexfonds | 0,21 Prozent | 21,4 Prozent |
Die Nettorendite der billigeren Produkte war im selben Jahr also nicht niedriger, sondern höher. Ein einzelnes Jahr ist kein Beweis, das sage ich ausdrücklich dazu. Aber die Annahme, teuer sei automatisch besser, trägt diese Zahl nicht.
Die Fondspolice Kosten zeigen, dass nicht immer die teuersten Fonds die besten sind.
Was heißt das unterm Strich? Von einer angenommenen Marktentwicklung von neun Prozent vor Kosten kamen bei einer herkömmlichen Fondspolice nach meiner damaligen Nachrechnung nur noch drei bis fünf Prozent beim Kunden an. Die Darstellung einer neunprozentigen Wertentwicklung kann man aus meiner Sicht nur als Augenwischerei bezeichnen.
Eine detaillierte Betrachtung der Fondspolice Kosten ist unerlässlich.
Was hat die BaFin 2026 gemessen?
Inzwischen gibt es dazu auch Zahlen von der Aufsicht. Die BaFin hat 2026 bei 54 Versicherern die sogenannten Effektivkosten fondsgebundener Rentenversicherungen erhoben. Effektivkosten, das ist der Prozentsatz, um den die Kosten Deine Rendite Jahr für Jahr drücken.
| Kennzahl (BaFin-Erhebung 2026, 54 Versicherer) | Wert |
|---|---|
| teuerstes Viertel der Tarife, 30 Jahre Ansparphase | 1,9 Prozent p. a. |
| dasselbe teuerste Viertel im Jahr 2021 | 2,3 Prozent p. a. |
| Kündigung nach 15 Jahren | rund 3,2 Prozent p. a. |
| Schwelle, ab der die BaFin den Kundennutzen infrage stellt | etwa 4 Prozent p. a. |
Einzelne Spitzenwerte lagen über drei Prozent. Zur Fairness gehört dazu: Es hat sich etwas bewegt. Nur eben von sehr hoch auf hoch.
Und dann gibt es eine Ebene, über die kaum jemand spricht. Vorgeschrieben ist die Transparenz für die Versicherungskosten. Für die Kapitalanlage nicht. An deren Kosten ist der Versicherer in aller Regel beteiligt, über sogenannte Kick-Back-Provisionen. Das sind Rückvergütungen, die von der Fondsgesellschaft zurück an den Versicherer fließen. Einige Gesellschaften schreiben sie im Angebotsausdruck als Überschussbeteiligung oder als Treuebonus gut. Die Rückflüsse tauchen dann in der Beispielrechnung auf, die Kostenpositionen der Kapitalanlage nicht. Von vollständiger Kostentransparenz kann da keine Rede sein.
Die Fondspolice Kosten müssen transparent dargestellt werden, um Vertrauen zu schaffen.
Lange sah es so aus, als würde Brüssel diesem Geschäft den Stecker ziehen. In der sogenannten Kleinanlegerstrategie stand ein Provisionsverbot im Raum. Daraus ist nichts geworden. Rat und Parlament haben sich im Dezember 2025 auf etwas anderes geeinigt: auf einen Angemessenheitstest für Zuwendungen und auf Vergleichsmaßstäbe für Preis und Leistung. Die formale Verabschiedung wird im Herbst 2026 erwartet, angewendet wird das erst Jahre später. Ein generelles Provisionsverbot kommt also nicht. Wer Dir etwas anderes erzählt, geht über das hinaus, was beschlossen ist.
Fondspolice Kosten im Modell: wo bleiben die 370.000 Euro?
Zurück zur Rechnung vom Anfang. Und ich sage ausdrücklich dazu: Das ist ein Rechenbeispiel aus meinem Buch. Eine durchgerechnete Modellpolice, keine Statistik über den gesamten Markt. Ein günstiger Versicherer, 150 Euro Monatsbeitrag, 35 Jahre Laufzeit, unterstellte Wertentwicklung neun Prozent.
| Position der Modellpolice | Betrag |
|---|---|
| ausgewiesene Endauszahlung im Angebot | über 370.000 Euro |
| Kosten Versicherungsanteil | rund 12.000 Euro |
| Kosten Kapitalanlage | rund 51.000 Euro |
| Kosten insgesamt | rund 62.000 Euro |
| insgesamt eingezahlte Beiträge | rund 62.000 Euro |
| Ablaufsumme nach allen Kosten, vor Steuer | rund 175.800 Euro |
Nachgerechnet wurde mit einem Werkzeug für Versicherungsmathematiker. Die Differenz ist zum größten Teil kein einbehaltenes Geld, sondern entgangener Gewinn: Kapital, das nie mitarbeiten konnte, weil es vorher als Kosten abgezogen wurde.
Wie machst Du die Kosten sichtbar?
Es gibt einen einfachen Test. Lass Dir ein Angebot mit null Prozent Wertentwicklung rechnen. Null. Dann fällt die schöne Renditeannahme weg, und die Kostensituation wird sichtbar. Du siehst direkt, wie viele Gebühren abgezogen werden und was danach im Topf übrigbleibt.
Achte dabei auf eine Merkwürdigkeit. Bei einigen Anbietern ist das Guthaben am Ende genauso hoch wie die Einzahlungssumme oder sogar höher. Wie soll das gehen? Ohne Wertentwicklung kann das Guthaben die Einzahlungen nicht erreichen. Das würde bedeuten, dass es keine Kosten gibt und der Anbieter nichts verdient. So etwas gibt es nicht. Wenn Du das siehst, weißt Du: Da sind Rückflüsse eingerechnet, deren Kosten nicht gezeigt werden.
Wie es weitergeht
Die Fondspolice Kosten sind ein zentrales Thema, das Du nicht ignorieren solltest.
Warum schon der reine Durchschnitt einer Beispielrechnung trügt, habe ich im Beitrag zur Durchschnittsrendite beschrieben. Im nächsten Beitrag schauen wir uns die Dynamik Versicherung an – jene jährliche Erhöhung, die angeblich die Inflation ausgleicht. Auch dort spielen die Fondspolice Kosten wieder eine Rolle, nur an einer Stelle, an der man sie nicht vermutet.
Wenn Du schon einmal eine Nullprozent-Berechnung angefordert hast, erzähl gern in den Kommentaren, was dabei herauskam.
Dieser Beitrag gibt meine persönliche Einschätzung wieder und ist keine Anlageberatung.
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