Papiergeld Geschichte: 300 Jahre Versuch und Irrtum
September 8, 2026Geldschöpfung durch Banken: Geld aus dem Nichts
September 8, 2026Im Deutschen Kaiserreich entsprach eine Mark exakt 0,358423 Gramm Gold. Auf sechs Stellen hinter dem Komma – bis zum Ende des Goldstandards war das ganz selbstverständlich so geregelt. Dieses Ende des Goldstandards führte zu grundlegenden Veränderungen in der Finanzwelt.
Heute entspricht ein Euro genau: einem Euro. Zwischen diesen beiden Sätzen liegt ein einziger Tag im August 1971.
Das Ende des Goldstandards war ein entscheidender Moment in der Geschichte des Geldes.
Was ist ein Goldstandard überhaupt?
Räumen wir zuerst ein Missverständnis aus dem Weg. Ein Goldstandard bedeutet nicht, dass das Geld aus Gold ist. Und er bedeutet auch nicht, dass hinter jedem Schein eine gleich schwere Menge Gold liegt.
Das Ende des Goldstandards bedeutete, dass das Vertrauen in Papiergeld grundlegend verändert wurde.
Ein Goldstandard garantiert den Umtausch von Papiergeld in eine bestimmte Menge Gold. Die Währung ist auf Basis von Gold standardisiert. Das ist etwas anderes als vollständige Golddeckung.
Wie stark gedeckt wurde, war Sache des jeweiligen Landes. Deshalb gab es zum Teil erhebliche Unterschiede zwischen den Währungen, nicht zuletzt wegen der vorhandenen Goldreserven einer Nation.
Es gab verschiedene Ausprägungen. Der reine Goldstandard war der umfangreichste: Da waren ausschließlich Goldmünzen oder Banknoten im Wert der Goldreserve der Notenbank im Umlauf. Es gab aber auch abgeschwächte Formen. Da war nur ein Teil des umlaufenden Papiergeldes gedeckt. Oder sogar nur die Devisen für den Außenhandel.
Man muss sich also jeden Goldstandard einzeln anschauen, um zu wissen, wie viel Gold wirklich dahintersteckt.
Was bedeutet der Begriff Goldfuß?
Damit sind wir bei dem Wort, das ich Dir mitgeben möchte: Goldfuß. Der Goldfuß ist die Entsprechung einer Währungseinheit zu einer bestimmten Menge Gold. Im Deutschen Kaiserreich, also ab 1871, lag dieses Verhältnis bei 0,358423 Gramm Gold pro Mark.
Das hatte sehr praktische Folgen. Über die Goldfüße ließ sich der Preis einer Ware ohne drastische Kursänderungen direkt in die Heimatwährung des Käufers umrechnen. Mit ausländischem Geld zu bezahlen war unproblematisch. Auch Wechsel in fremder Währung konnte man nutzen. Der Welthandel hatte eine gemeinsame Maßeinheit.
Durch das garantierte Umtauschrecht waren die Papierwährungen im Goldstandard zumindest theoretisch werthaltig. Auf dieses Wort lege ich Wert: theoretisch. Denn in Teildeckungssystemen waren eben nicht alle Banknoten und Geldwerte mit Gold gedeckt. Umlaufende Wechsel, Schuldscheine und Ähnliches gehörten dazu.
Das Ende des Goldstandards führte zu einem System, das nicht mehr durch physisches Gold gestützt war.
Goldfuß und Einlösungsgarantie waren in erster Linie vertrauensbildende Maßnahmen für das umlaufende Zahlungsmittel. Übrigens war privater Goldbesitz während eines Goldstandards eher unerwünscht.
Wie lief die zeitliche Entwicklung?
Die Linie ist schnell erzählt.
Diese Entwicklung mündete schließlich im Ende des Goldstandards, das die Geldpolitik neu definierte.
| Jahr | Was geschah |
|---|---|
| 1821 | Die Briten etablieren den ersten Goldstandard |
| 1871 | Im Deutschen Kaiserreich gilt ein Goldfuß von 0,358423 Gramm Gold je Mark |
| 1873 | Das neugegründete Deutsche Reich führt den Goldstandard ein |
| 1944 | Konferenz in Bretton Woods mit 44 Staaten |
| 1946 | Die Bretton-Woods-Abkommen treten in Kraft |
| 15. August 1971 | Präsident Richard Nixon hebt den Goldstandard auf |
Mit dem britischen Goldstandard ab 1821 war das zirkulierende Papiergeld wertmäßig stets von der Goldmenge des Landes gedeckt. Es folgten viele weitere Nationen: Frankreich, Russland, die Vereinigten Staaten. Mit goldgedeckten Währungen ließen sich viele Finanzkrisen bewältigen. Leider nicht alle.
Warum zerbrach das System im Ersten Weltkrieg?
Dann kam der Erste Weltkrieg. Und der zwang viele Staaten dazu, ihre Goldreserven zu verbrauchen, um die Kriegskosten zu bezahlen. Ohne Gold verlor der Goldstandard seine Gültigkeit. Ganz nüchtern betrachtet: Das Gold war weg, also war die Garantie weg.
Hier siehst Du übrigens genau dasselbe Muster wie in der Papiergeld Geschichte. Ein System, das an eine Deckung gebunden ist, funktioniert exakt so lange, wie die Deckung vorhanden ist. Sobald ein Staat unter Druck gerät, wird die Bindung gelöst. Wieder nicht aus Bosheit, sondern aus Not.
Erst wird die Einlösung ausgesetzt, angeblich nur vorübergehend. Und dann wird aus dem Vorübergehenden ein Dauerzustand. Das ist in der Geldgeschichte keine Ausnahme. Das ist die Regel.
Was war Bretton Woods?
Der Ende des Goldstandards stellte die Frage nach der Stabilität des Geldes in den Vordergrund.
Nach 1918 versuchte man, ein System zu entwickeln, das Gold und Devisen kombiniert: den sogenannten Gold-Devisen-Standard. Er hatte keinen Bestand. Zwischen den Weltkriegen kam es zu Inflation und zur Abwertung aller bedeutenden Weltwährungen.
1944 kam der nächste Anlauf, und zwar in Bretton Woods, einem Ort im US-Bundesstaat New Hampshire. Dort fand eine Konferenz der Vereinten Nationen zu Finanz- und Währungsfragen statt. 44 Staaten nahmen teil. Man einigte sich auf die Errichtung der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds. Mehrere Abkommen wurden verabschiedet, die 1946 in Kraft traten.
Das Ergebnis war ein System fester Wechselkurse mit dem US-Dollar als Leitwährung. Die Rolle des Goldes wurde eingeschränkt. Der Dollar wurde zum Hauptelement des neuen Systems. Und der US-Dollar verfügte damals über einen Goldstandard. Man sollte jederzeit Dollar gegen Gold tauschen können. Auch Zentralbanken sollten Gold erwerben und veräußern können.
Das Gold war also nicht verschwunden. Es steckte nur noch an einer einzigen Stelle: hinter dem Dollar. Alle anderen Währungen hingen am Dollar, und der Dollar hing am Gold. Eine lange Kette mit einem einzigen Anker.
Das Ende des Goldstandards am 15. August 1971
Und dieser Anker hielt nicht. In den sechziger Jahren kam es durch Zahlungsbilanzdefizite im US-Haushalt zu einer weltweiten Währungskrise.
In deren Folge hob Präsident Richard Nixon den Goldstandard am 15. August 1971 auf. An seine Stelle trat eine Währungsordnung auf Basis flexibler Wechselkurse. Die gilt bis heute.
Was steht seither hinter Deinem Geld?
Seither ist das Ende des Goldstandards ein wichtiges Thema in der Wirtschaft.
Und jetzt kommt der Satz, um den es in diesem ganzen Beitrag geht. Seither herrscht ein Geldsystem, das durch keinerlei Substanzwert gedeckt ist. Es ist ein Schuldsystem. Alles Geld wird durch Aufnahme von Krediten geschaffen, also durch Schulden. Und für Schulden muss ein Zins bezahlt werden.
Das Ende des Goldstandards hat unsere Wahrnehmung von Geld und Wert nachhaltig beeinflusst.
Lass das kurz sacken. Nicht Gold steht hinter Deinem Geld. Sondern die Schulden anderer Leute. Von Privatleuten, von Unternehmen, von Staaten.
Das ist keine Verschwörungserzählung. Das ist die nüchterne Konstruktion des Systems, in dem wir alle wirtschaften. Man kann darüber streiten, ob das gut oder schlecht ist. Ich habe dazu meine Meinung. Aber wissen sollte man es.
Wie es weitergeht
Aus dem Ende des Goldstandards folgt für Dich eine einzige, sehr praktische Frage: Wenn alles Geld aus Schulden entsteht – wo kommt dann das Geld für die Zinsen her?
Die Frage nach dem Geldsystem seit dem Ende des Goldstandards bleibt aktuell und relevant.
Wie die Bank das Geld tatsächlich erzeugt, mit Buchungssatz und Bilanz, liest Du im nächsten Beitrag zur Geldschöpfung durch Banken. Im Buch findest Du die Zusammenhänge in Ruhe nachlesbar.
Und schreib mir in die Kommentare: Wusstest Du, dass der Goldstandard erst seit 1971 Geschichte ist?
Wusstest Du, dass das Ende des Goldstandards weitreichende Konsequenzen für die Weltwirtschaft hatte?
Datenquellen: Internationaler Währungsfonds
Dieser Beitrag gibt meine persönliche Einschätzung wieder und ist keine Anlageberatung.
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