Josephspfennig: Was aus einem Cent in 2.000 Jahren wird
September 12, 2026Ende des Goldstandards: der 15. August 1971
September 12, 2026Wenn Du bei Deiner Bank ein Darlehen über 20.000 Euro bekommst, holt die Bank dieses Geld nicht aus dem Tresor. Sie holt es auch nicht vom Sparbuch Deines Nachbarn – die Geldschöpfung durch Banken funktioniert völlig anders. Diese Form der Geldschöpfung durch Banken ist entscheidend für unser Finanzsystem.
Sie erschafft es. Durch eine Buchung. Und wenn Du es zurückzahlst, ist es wieder weg.
Die Geldschöpfung durch Banken ermöglicht es, dass Geld im Wirtschaftskreislauf zirkuliert und somit Investitionen und Konsum ankurbeln kann.
Das ist die Frage, die mir in meiner ganzen Bankausbildung nie beantwortet wurde. Hier beantworte ich sie Dir. Ohne Fachchinesisch.
Was hat die Mindestreserve damit zu tun?
Ein tiefes Verständnis der Geldschöpfung durch Banken ist notwendig, um die Mechanismen unseres Geldsystems zu begreifen.
Fangen wir oben an. Die Europäische Zentralbank hat in Europa die Währungshoheit.
Geschäftsbanken, also die Banken, bei denen Du Dein Konto hast, müssen bei der Zentralbank eine sogenannte Mindestreserve halten. Der Satz liegt bei einem Prozent der Einlagen. Und seit dem zwanzigsten September 2023 wird diese Mindestreserve nicht mehr verzinst. Sie liegt einfach da.
Die Regeln zur Geldschöpfung durch Banken haben sich im Laufe der Jahre verändert und beeinflussen direkt, wie Banken Kredite vergeben.
Warum der Geldschöpfungsmultiplikator in die Irre führt
Jetzt muss ich etwas geraderücken, das ich selbst jahrelang falsch weitererzählt habe. Auch in meinem Buch steht noch die alte Version.
Denn in den Lehrbüchern stand sehr lange ein Bild, das man den Geldschöpfungsmultiplikator nennt. Es geht ungefähr so: Eine Bank hinterlegt bei der Zentralbank 10.000 Euro als Reserve. Und weil sie nur zwei Prozent hinterlegen muss, darf sie daraufhin 490.000 Euro an ihre Kunden verleihen. Aus zehntausend werden knapp eine halbe Million.
Ein eingängiges Bild. Nur beschreibt es nicht, wie es tatsächlich läuft. Die Bank sammelt nämlich nicht erst Reserve ein und verleiht dann. Sie macht es genau andersherum.
Und das ist ausdrücklich keine Außenseitermeinung von mir. Die Deutsche Bundesbank beschreibt es selbst so: Eine Bank braucht keine vorher eingesammelte Einlage, um einen Kredit zu vergeben. Die Einlage entsteht erst durch die Kreditvergabe. Und die Mindestreserve begrenzt die Kreditvergabe nicht im Vorhinein. Sie wird hinterher besorgt.
Klingt das nach Haarspalterei? Ist es nicht. Es macht die Sache sogar noch deutlicher, als das alte Rechenbeispiel es je konnte. Denn wenn die Reserve nicht der Ausgangspunkt ist, dann gibt es überhaupt keinen Topf, aus dem geschöpft wird.
Wie die Geldschöpfung durch Banken tatsächlich abläuft
Die Geldschöpfung durch Banken hat auch Auswirkungen auf die Geldmenge in der Volkswirtschaft.
Banken erschaffen Geld durch die Vergabe von Schulden. Aus dem Nichts.
Wenn Du von Deiner Bank ein Darlehen über 20.000 Euro erhältst, wird dieser Betrag durch die Bank über eine Buchung erschaffen. Dir werden die 20.000 Euro auf Deinem Girokonto gutgeschrieben. Kein Geldtransport. Kein Tresor. Eine Buchung.
Damit Du das nachvollziehen kannst, brauchen wir zwei Begriffe aus der Buchhaltung. Und ich verspreche Dir, die sind harmlos. Jede Bilanz hat zwei Seiten. Die Passivseite zeigt, was die Bank schuldet. Die Aktivseite zeigt, was die Bank zu bekommen hat.
Dein Girokonto ist eine sogenannte Sichteinlage. Sichteinlagen zählen zu den Einlagen bei der Bank. Das heißt: Die Bank hat Dir gegenüber eine Verbindlichkeit in Höhe von 20.000 Euro. Sie schuldet Dir dieses Geld. Diese Verbindlichkeit steht in der Bilanz der Bank auf der Passivseite.
Gleichzeitig entsteht durch Dein Darlehenskonto eine Forderung der Bank gegen Dich. Ebenfalls 20.000 Euro. Du musst dieses Geld zurückzahlen. Diese Forderung erscheint auf der Aktivseite.
| Bilanz der Bank | Aktivseite | Passivseite |
|---|---|---|
| Was dort steht | Forderung gegen Dich (Darlehen) | Verbindlichkeit gegenüber Dir (Girokonto) |
| Betrag bei Auszahlung | 20.000 Euro | 20.000 Euro |
| Betrag nach vollständiger Tilgung | 0 Euro | 0 Euro |
Und damit ist die Bilanz ausgeglichen. Links 20.000, rechts 20.000. Es fehlt nichts. Es wurde nichts entnommen. Es wurde nichts verschoben. Es wurde etwas hinzugefügt, auf beiden Seiten gleichzeitig.
Diesen Buchhaltungstrick bezeichnet man als Bilanzverlängerung. Das Wort klingt sperrig, meint aber genau das, was es sagt: Die Bilanz wird länger. Sowohl die Aktiv- als auch die Passivseite wurden um 20.000 Euro erhöht. Und das Geld, das jetzt auf Deinem Konto liegt, gab es vorher nicht.
Was genau ist Buchgeld?
Man nennt dieses Geld Buchgeld oder Giralgeld. Es existiert rein virtuell. Es ist nicht durch gesetzliche Zahlungsmittel abgedeckt. Und gesetzliche Zahlungsmittel sind ausschließlich Banknoten und Münzen.
Ein weiterer Name dafür ist Fiat Money, also Geld ohne Gegenwert. Es gilt, weil es gilt. Damit schließt sich der Kreis zum Ende des Goldstandards: Seit 1971 steht hinter dem Geld kein Substanzwert mehr, sondern eine Schuld.
Warum verschwindet das Geld wieder?
Und jetzt kommt der Teil, den fast niemand kennt. Sobald Du das Darlehen zurückzahlst, wird die Bilanz um 20.000 Euro verkürzt. Die Forderung fällt weg, die Verbindlichkeit fällt weg. Und das zuvor erschaffene Geld wird wieder vernichtet. Es verschwindet. Genauso lautlos, wie es entstanden ist.
Das Prinzip der Geldschöpfung durch Banken zeigt, dass Geld nicht immer physisch existiert, sondern auch virtuell kreiert wird.
Lass diesen Gedanken einen Moment stehen. Das ist der Punkt, an dem bei mir damals der Groschen gefallen ist. Geld entsteht, wenn jemand Schulden aufnimmt. Und Geld verschwindet, wenn jemand Schulden tilgt.
Das heißt im Umkehrschluss: Wenn alle gleichzeitig ihre Schulden zurückzahlen würden, wäre praktisch kein Geld mehr da.
Und wo kommen die Zinsen her?
Jetzt aufgepasst, denn hier kommt der Punkt, an dem es aus meiner Sicht wirklich unangenehm wird. Die Bank fordert für das Darlehen Zinsen. Aber das Geld für diese Zinsen wird überhaupt nicht erschaffen. Erschaffen wurden nur Deine 20.000 Euro. Die Zinsen darauf nicht.
Wo soll das Geld für die Zinsen also herkommen? Es muss von anderen Schuldnern kommen. Von Menschen, Unternehmen oder Staaten, die dann ihrerseits ihre eigene Schuld nicht mehr vollständig zurückzahlen können.
Das ist keine Meinung von mir, das ergibt sich aus der Rechenmechanik. Meine Meinung ist die Bewertung dazu: Ich halte es für einen Systemfehler, dass die Zinsen im System nie mit erschaffen werden. Andere sehen das anders, und das darf gern in den Kommentaren diskutiert werden.
Ein besseres Verständnis der Geldschöpfung durch Banken kann helfen, die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen zu bewältigen.
Was machst Du mit diesem Wissen?
Ich sage Dir nicht, dass Du keine Kredite aufnehmen sollst. Kredite haben ihren Platz. Aber ich möchte, dass Du eines nicht mehr glaubst: dass eine Bank Dir etwas leiht, das sie vorher mühsam angespart hat.
Das Geld auf Deinem Konto ist kein Ding im Tresor. Es ist ein Anspruch gegen Deine Bank. Ein Eintrag auf der Passivseite einer Bilanz.
Wenn Du das einmal verstanden hast, siehst Du jedes Finanzprodukt, das auf Geldwerten beruht, mit anderen Augen. Und genau deshalb wird diese eine Frage in keiner Bankausbildung beantwortet. Ich glaube inzwischen: Das ist kein Zufall.
Die Geldschöpfung durch Banken ist ein Schlüsselthema in der Finanzbildung und sollte mehr Beachtung finden.
Wie es weitergeht
Damit ist der erste Block abgeschlossen. Du weißt jetzt, wie Geld entsteht und wie es wieder verschwindet. Im Buch führe ich diesen Gedanken weiter, bis zu der Frage, was das für Dein Erspartes bedeutet.
Im nächsten Beitrag gehen wir der Frage nach, woher kommen die Zinsen eigentlich.
Wenn Dir jemand einfällt, der diese Erklärung gebrauchen könnte, schick ihm diesen Beitrag. Und schreib mir in die Kommentare, ob Dir die Geldschöpfung durch Banken schon einmal jemand so erklärt hat.
Eine umfassende Diskussion über die Geldschöpfung durch Banken könnte zu einem besseren Verständnis der Finanzsysteme führen.
Datenquellen: Deutsche Bundesbank, Europäische Zentralbank
Dieser Beitrag gibt meine persönliche Einschätzung wieder und ist keine Anlageberatung.
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