Wohnungsbauprämie: 70 Euro und eine unbequeme Grenze
September 11, 2026Dynamik Versicherung: jede Erhöhung ist ein neuer Vertrag
September 11, 2026Es gab einmal einen Topf, der die Bausparkassen absichern sollte. 1,34 Milliarden Euro. Innerhalb eines einzigen Jahres schmolz er auf 637 Millionen. Wer heute fragt, ob lohnt sich ein Bausparvertrag überhaupt noch eine sinnvolle Frage ist, muss diese Vorgeschichte kennen.
Deshalb ist die Frage, ob lohnt sich ein Bausparvertrag, umso wichtiger geworden.
Recherchiert hat das Wirtschaftsmagazin Capital in seiner Ausgabe 10 aus dem Jahr 2018. Damals sah es aus, als stünde diese Branche am Abgrund. Heute macht sie wieder Gewinn. Und genau das ist die interessantere Geschichte. Ich erzähle Dir beides, weil das eine ohne das andere nicht zu verstehen ist.
Warum geriet das Bausparprinzip in die Kritik?
Das damalige Nullzinsniveau machte den Kassen schwer zu schaffen. Abseits des traditionellen Bausparbetriebs gab es für sie kaum Möglichkeiten, Erträge zu erwirtschaften. Und das stärkste Argument des Bausparens, der niedrige Darlehenszins am Ende, war plötzlich nichts mehr wert. Wenn man normale Baufinanzierungen für weniger als ein Prozent bekommt, braucht niemand ein Bauspardarlehen.
Der eigentliche Nachteil liegt aber woanders, nämlich in der Ansparphase. Und der gilt unabhängig vom Zinsniveau. Wer später einen niedrigen Darlehenszins haben möchte, muss vorher einen ähnlich niedrigen Guthabenzins in Kauf nehmen. Das ist kein Trick, das ist die Logik des Systems. Dein Guthaben wird also kaum verzinst. Kräftig inflationiert wird es trotzdem – wie stark, kannst Du im Beitrag zum Kaufkraftverlust nachlesen. Dazu kommen Abschlussgebühren zwischen einem und 1,6 Prozent und laufende Kontoführungsgebühren.
Was geschah 2015 mit den alten Verträgen?
Es gibt sehr alte Bausparverträge, die mit vier Prozent und mehr verzinst werden müssen. Aus Kundensicht sind das Schätze. Aus Sicht der Kassen waren es Lasten. 2015 kündigten die Bausparkassen deshalb reihenweise genau diese Verträge. Rund 200.000 sollen betroffen gewesen sein. Vor allem solche, die längst zuteilungsreif waren und bei denen niemand das Darlehen abrufen wollte. Die Begründung: Solche Verträge entsprächen nicht dem Bausparkassenprinzip. Ein Vertrag ist ein Vertrag, dachte ich damals. Und trotzdem wurde er gekündigt, weil er für die andere Seite unbequem geworden war.
Und dann der Notfallfonds. Nach der Recherche von Capital haben die Bausparkassen ihre Reserven zur, ich zitiere, bauspartechnischen Absicherung im Jahr 2017 etwa halbiert.
| Kennzahl aus der Capital-Recherche 10/2018 | Wert |
|---|---|
| Reserven zur bauspartechnischen Absicherung, vor der Halbierung | 1,34 Milliarden Euro |
| dieselben Reserven nach 2017 | 637 Millionen Euro |
| Verträge in der Kündigungswelle 2015 | rund 200.000 |
| Verzinsung der betroffenen Altverträge | vier Prozent und mehr |
Eingerichtet worden waren diese Töpfe Anfang der Neunzigerjahre für etwas ganz anderes, nämlich um viel zu lange Zuteilungszeiten zu verkürzen. Also für die Kunden. Seit 2015 durften sie Verluste im laufenden Geschäft ausgleichen. Ein Topf für die Kunden stopfte fortan Löcher im Betrieb.
Kritik kam damals sogar aus der Politik, von genau der Seite, die die Erlaubnis erteilt hatte. Der Bundestagsabgeordnete Gerhard Schick von den Grünen sagte, das Geld stehe eigentlich den Bausparern zu. Die Eigentümer der Bausparkassen sollten Verluste ausgleichen, bevor man an die Rücklagen der Kunden geht.
Und noch etwas fiel damals auf. Das klassische Bauspargeschäft war bei den Anbietern selbst unbeliebt geworden. Bauspardarlehen sind meist viel kleiner und deshalb in der Bearbeitung teurer als herkömmliche Immobiliendarlehen. Wüstenrot etwa hatte zwei Milliarden Euro über Bauspardarlehen vergeben, aber 17 Milliarden Euro über sogenannte außerkollektive Darlehen.
Lohnt sich ein Bausparvertrag nach der Zinswende wieder?
So weit die Vergangenheit. Und jetzt kommt der Teil, den ich Dir nicht verschweigen will, auch wenn er meiner damaligen Einschätzung widerspricht. Die Zinswende hat diese Branche gerettet.
In diesem Kontext stellt sich die Frage: lohnt sich ein Bausparvertrag nach der Zinswende tatsächlich wieder?
| Aktuelle Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Bauspar-Neugeschäft 2025 (Bausparsumme) | 60,9 Milliarden Euro |
| Schwäbisch Hall, Gewinn vor Steuern | von 64 auf 122 Millionen Euro |
| Baugeld mit zehn Jahren Zinsbindung, Juni 2026 | 3,98 Prozent |
Das Neugeschäft ist deutlich zurückgegangen. Aber die Kassen verdienen wieder Geld. Der Grund ist simpel: Höhere Zinsen bedeuten für ein Institut, das Einlagen verwaltet, wieder Erträge.
Und noch etwas hat sich gedreht, fast auf den Kopf. Bauspardarlehen erleben eine Renaissance. Die niedrigen Kollektivzinsen aus alten Verträgen liegen inzwischen unter dem Marktzins. Wer vor Jahren einen Bausparvertrag abgeschlossen hat und heute sein Darlehen abruft, kann damit günstiger fahren als bei der Bank. Das Argument, das in der Nullzinszeit wertlos war, ist wieder ein Argument.
Für viele stellt sich die zentrale Frage: lohnt sich ein Bausparvertrag im Vergleich zu anderen Sparformen?
Gibt es eine neue Kündigungswelle?
Und jetzt das Wichtigste, weil dazu gerade viel Unsinn kursiert: Für eine neue Kündigungswelle gibt es keinen Beleg. Keinen. Ich habe danach gesucht und nichts gefunden. Wer Dir etwas anderes erzählt, hat entweder die alte Geschichte von 2015 vor Augen oder möchte Dir etwas verkaufen. Das gehört zur Ehrlichkeit dazu, auch wenn eine Warnung die schönere Schlagzeile wäre.
Was es dagegen gibt, ist ein Urteil. Der Bundesgerichtshof hat am 28. Juli 2026 entschieden, dass Jahresentgelte bei Riester-Bausparverträgen unwirksam sind. Wenn Du so einen Vertrag hast, lohnt sich ein genauer Blick in Deine Jahresabrechnung.
Was ist die eigentliche Lehre aus dieser Geschichte?
Die Lehre ist auch, dass sich die Frage lohnt sich ein Bausparvertrag immer wieder neu stellen muss.
Die Branche stand am Abgrund. Gerettet hat sie kein besseres Produkt, keine kluge Reform und keine neue Idee. Gerettet hat sie eine Entscheidung der Europäischen Zentralbank, auf die weder die Kassen noch ihre Kunden irgendeinen Einfluss hatten.
Und wenn ein Geschäftsmodell so sehr am Zinsumfeld hängt, dann hängt Dein Vertrag da genauso dran. In beide Richtungen. Das ist für mich die eigentliche Lehre aus dieser Geschichte, und sie gilt weit über das Bausparen hinaus.
Was kannst Du praktisch tun?
Das Wichtigste bleibt: lohnt sich ein Bausparvertrag für Deine individuelle Situation?
Ich sage Dir nicht, ob Du einen Bausparvertrag abschließen, behalten oder kündigen sollst. Das hängt an Deinem Vertrag und an Deiner Lebenslage. Aber hol ihn einmal heraus und schau nach vier Dingen.
Bevor Du entscheidest, ob sich ein Bausparvertrag lohnt, überlege, wie oft Du die Frage bereits gehört hast: lohnt sich ein Bausparvertrag?
Denke immer daran, dass die Frage lohnt sich ein Bausparvertrag stark von den persönlichen Umständen abhängt.
- Welcher Guthabenzins steht drin?
- Welcher Darlehenszins ist Dir zugesagt, und wie steht der zu den knapp vier Prozent am Markt?
- Welche Gebühren laufen?
- Ist der Vertrag zuteilungsreif?
Ein alter Vertrag kann heute mehr wert sein als vor drei Jahren. Prüfe das in Ruhe und lass Dir von jemandem helfen, der auf Deiner Seite steht und nicht am Abschluss verdient.
Wie es weitergeht
Hierbei ist entscheidend, wie oft sich die Frage lohnt sich ein Bausparvertrag im laufenden Jahr stellt.
Die Frage lohnt sich ein Bausparvertrag hat noch eine zweite Seite: die staatliche Förderung. Im nächsten Beitrag geht es um die Wohnungsbauprämie, um die Arbeitnehmersparzulage und darum, warum diese Förderung oft genau die Falschen erreicht.
In der Diskussion um die Förderung stellt sich erneut die Frage: lohnt sich ein Bausparvertrag für alle?
Die staatliche Förderung wirft auch die Frage auf: lohnt sich ein Bausparvertrag wirklich für jeden?
Und wenn Du 2015 selbst eine Kündigung bekommen hast, erzähl gern in den Kommentaren, wie es ausging.
Erfahrungen zeigen oft, dass sich die Frage lohnt sich ein Bausparvertrag nicht pauschal beantworten lässt.
Datenquellen: Europäische Zentralbank, Bundesgerichtshof
Dieser Beitrag gibt meine persönliche Einschätzung wieder und ist keine Anlageberatung.
Bildrechte: Adobe Firefly