Unterschied Rendite Verzinsung: Wohin Deine 100 Euro fließen
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September 11, 2026Acht Jahre in Folge ist der Riester-Bestand geschrumpft. Ende 2025 waren es noch 14,663 Millionen Verträge. Und während dieses Produkt langsam ausläuft, ist sein Nachfolger längst beschlossen. Zum 1. Januar 2027 kommt ein staatlich gefördertes Altersvorsorgedepot, mit einem Kostendeckel von einem Prozent.
Die Debatte über Riester oder Rürup gewinnt immer mehr an Bedeutung.
Wer heute über Riester oder Rürup nachdenkt, sollte diesen einen Satz kennen: Über Kosten wurde bei Riester zwanzig Jahre lang kaum geredet. Ich finde, das sagt mehr über die vergangenen zwanzig Jahre aus als jede Kritik, die ich formulieren könnte. Man deckelt nur, was vorher zu hoch war.
Die Wahl zwischen Riester oder Rürup kann entscheidend für die Altersvorsorge sein.
Warum entstanden Riester und Rürup so schnell?
Um diese Produkte zu verstehen, muss man wissen, in welcher Lage sie entstanden sind.
Über Jahrzehnte hatte die Lebensversicherung ein sehr starkes Verkaufsargument: einen Steuervorteil. Die Beiträge waren in Grenzen absetzbar, und die Auszahlung war nach zwölf Jahren steuerfrei. Das war der Motor des ganzen Geschäfts.
Dann wurde angekündigt, dass diese Steuerbegünstigung ab 2005 wegfällt. Und was passierte? Bis Ende 2004 gab es eine gewaltige Abschlusswelle. Alle wollten das Privileg noch einmal mitnehmen. Ich habe diese Zeit in der Branche miterlebt. Es war ein Ausnahmezustand.
Und dann kam die Gegenschwingung. Prompt. Die Anbieter hatten so massiv damit geworben, dass das Steuerprivileg wegfällt, dass die Menschen daraus einen ganz anderen Schluss zogen. Nämlich: Ohne Steuervorteil ist eine Lebensversicherung wohl völlig unattraktiv. Das Neugeschäft brach ein.
Warum ist das ein so großes Problem für die Branche? Lebensversicherungsverträge sind bei den meisten Anbietern mit recht hohen Kosten behaftet. Sie bezahlen den Vertrieb, die Vertragsführung, den Unterhalt des Apparats. Fällt das Neugeschäft weg, funktioniert dieses Modell nicht mehr. Ohne Ersatz drohte damals der Niedergang einer ganzen Branche.
Die Frage, ob Riester oder Rürup die bessere Wahl ist, stellt sich vielen Menschen.
Und genau hier wird es aus meiner Sicht interessant. Denn der Ersatz kam. Und er kam sehr schnell. In Rekordzeit entstanden die geförderten Produkte, die heute jeder unter zwei Namen kennt: Riester und, als Basisrente, Rürup.
Ich will fair bleiben. Der Staat sucht seit Langem nach Wegen, die gesetzliche Rentenversicherung zu entlasten. Das ist ein echtes Problem – im Beitrag darüber, wie sich eine Versorgungslücke berechnen lässt, habe ich beschrieben, wie beweglich dieses System ist. Und die Idee, private Vorsorge zu fördern, halte ich nicht für falsch.
Was ich kritisch sehe, ist die Ausgestaltung gemeinsam mit den Produktanbietern. Die Geschwindigkeit, mit der gehandelt wurde, sagt aus meiner Sicht etwas über die Dramatik des Problems. Und dieses Problem war nicht nur das der Rentner.
Riester oder Rürup: die drei Bauteile
Ein Vergleich von Riester oder Rürup zeigt deutliche Unterschiede in der Ausgestaltung.
Diese Angebote sind seither Zielscheiben der Kritik. Und das nicht von Wutschreibern, sondern von der seriösen Finanzpresse. Schauen wir uns also die Bauteile an.
Erstens die Sterblichkeit. Eine geförderte Rente ist im Kern eine Wette darauf, wie lange Du lebst und Deine Rente beziehst. Die Anbieter kalkulieren dabei vorsichtig mit einer langen Lebenserwartung. Je länger das Geld reichen muss, desto niedriger die Monatsrente. Wie das genau funktioniert, steht im Beitrag zur Sterbetafel Rentenversicherung.
Zweitens die Beweglichkeit. Riester-Renten sind kaum kapitalisierbar. Du kommst also im Regelfall nicht einfach an Dein Kapital heran. Sie sind nicht übertragbar. Und sie sind nicht vererbbar. Wenn Du stirbst, bevor das Guthaben ausgezahlt ist, gehen die Hinterbliebenen bei dieser Art Vertrag in der Regel leer aus.
Drittens die Steuer am Ende. Die Rente wird in der Auszahlungsphase voll versteuert. Der Steuervorteil verschwindet also nicht, er wird verschoben. Aus der Ansparphase in die Rentenphase.
Das gilt auch für den zweiten Zweig, für Rürup, die Basisrente. Der Steuervorteil dort ist real und er ist groß.
| Rürup-Beiträge 2026 | Höchstbetrag | Absetzbarkeit |
|---|---|---|
| Ledige | 30.826 Euro | 100 % |
| Zusammen veranlagte Paare | 61.652 Euro | 100 % |
Aber auch hier gilt: verschoben, nicht geschenkt. Und beweglich ist so ein Vertrag erst recht nicht.
Als ich mein Buch geschrieben habe, hatte die Deutsche Aktuarvereinigung dazu eine Rechnung vorgelegt, die mich nicht mehr losgelassen hat. Rund zwanzig Jahre Rentenbezug, bis das eigene eingezahlte Geld aufgebraucht ist. Erst danach fließt die staatliche Förderung. Bei Rentenbeginn mit siebenundsechzig wäre man damit bei siebenundachtzig. Das war die Rechnung von damals, und ich gebe sie hier ausdrücklich als solche wieder. Nicht als heutigen Stand.
Wenn man Riester oder Rürup vergleicht, sind viele Faktoren zu berücksichtigen.
Was ab 2027 gilt – und was noch nicht
Und jetzt zur Gegenwart, denn hier hat sich etwas bewegt.
| Datum | Schritt |
|---|---|
| 27. März 2026 | Der Bundestag stimmt dem Altersvorsorgereformgesetz zu |
| 8. Mai 2026 | Zustimmung des Bundesrats |
| 29. Mai 2026 | Verkündung des Gesetzes |
| 1. Januar 2027 | Neue geförderte Produkte, darunter ein Altersvorsorgedepot; Kostendeckel 1,0 % für das Standardprodukt |
| 12. August 2026 | Frühstart-Rente: Regierungsentwurf – noch kein geltendes Recht |
Diese eine Zahl, der Kostendeckel von 1,0 Prozent, ist aus meiner Sicht die eigentliche Nachricht. Zwanzig Jahre lang war die Förderung das Verkaufsargument und die Kosten die Fußnote. Jetzt steht eine Obergrenze im Gesetz.
Und jetzt bitte genau hinschauen, weil gerade zwei Dinge munter durcheinandergehen. Von der sogenannten Frühstart-Rente hast Du vielleicht gehört. Die ist nicht beschlossen. Dazu gibt es einen Regierungsentwurf vom 12. August 2026, mehr nicht. Ein verkündetes Gesetz und ein Regierungsentwurf sind zwei verschiedene Dinge. Wenn Dir jemand ein Produkt mit dem Verweis auf eine Reform anbietet, frag ruhig nach, welche der beiden er meint.
Die Rechnung, die Du selbst machen kannst
Und das ist der Dreh, um den es mir geht. Die staatliche Förderung ist das Hauptargument, mit dem diese Verträge verkauft werden. Politiker verwenden es, Banker verwenden es, Vermittler verwenden es.
Ob am Ende etwas bei Dir ankommt, entscheidet sich aber nicht an der Förderung. Es entscheidet sich an den Kosten und an der Lebenserwartung, mit der gerechnet wird. Deshalb ist ein Kostendeckel von einem Prozent für mich die spannendere Nachricht als jede Prämie.
Ich sage ausdrücklich nicht, dass Du so einen Vertrag kündigen sollst. Bei geförderten Verträgen kann eine Kündigung sogar dazu führen, dass Förderungen zurückgezahlt werden müssen. Das ist eine Entscheidung, die niemand pauschal über einen Blogbeitrag treffen kann.
Ich empfehle Ihnen, die Optionen Riester oder Rürup eingehend zu prüfen und abzuwägen.
Was ich Dir vorschlage, ist etwas anderes. Nimm Dir Deine Unterlagen und such drei Zahlen. Erstens: Wie hoch ist die garantierte monatliche Rente? Zweitens: Wie viel hast Du bis zum Rentenbeginn insgesamt selbst eingezahlt? Drittens: Teile das eine durch das andere. Dann weißt Du, wie viele Monate es dauert, bis Du Dein eigenes Geld zurückhast.
Die Entscheidung für Riester oder Rürup sollte wohlüberlegt sein und auf Fakten basieren.
Diese Rechnung braucht keinen Berater und keine Software. Sie braucht einen Taschenrechner und zehn Minuten. Und sie sagt Dir über Riester oder Rürup mehr als jede Hochglanzbroschüre.
Im nächsten Beitrag geht es um den Unterschied zwischen Rendite und Verzinsung – zwei Wörter, die in Modellrechnungen gern verwechselt werden.
Schreib mir gern Dein Ergebnis der Drei-Zahlen-Rechnung in die Kommentare.
Teile Deine Erfahrungen mit Riester oder Rürup in den Kommentaren.
Zum Weiterlesen: Riester-Rente
Dieser Beitrag gibt meine persönliche Einschätzung wieder und ist keine Anlageberatung.
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