Sachwerte als Geldanlage: 460 Euro Plus, 2.428 Euro Kosten
September 11, 2026Unterschied Rendite Verzinsung: Wohin Deine 100 Euro fließen
September 11, 2026Tausend Milliarden Euro. So viel Geld verwalten die deutschen Lebensversicherer für ihre Kunden, Ende 2024 waren es exakt 1.019 Milliarden. In diesen Büchern steckt eine Position, über die fast nie jemand spricht: rund 100 Milliarden Euro stille Lasten Lebensversicherung. Diese stillen Lasten Lebensversicherung sind ein wichtiger Aspekt in der Finanzwelt.
Ich erkläre Dir in diesem Beitrag, was das ist. Und warum es Dich etwas angeht.
Ein weiterer Punkt, den ich in Bezug auf stille Lasten Lebensversicherung ansprechen möchte, ist die langfristige Rendite, die sie beeinflussen kann.
Wie darf ein Lebensversicherer Dein Geld anlegen?
Fangen wir mit der Regel an. Ein Lebensversicherer darf das Geld seiner Kunden nicht anlegen, wie er möchte. Der Gesetzgeber verlangt, dass ein hoher Anteil in festverzinsliche Wertpapiere fließt.
Festverzinslich heißt schlicht: Du leihst jemandem Geld, bekommst dafür einen festen Zins, und am Ende der Laufzeit bekommst Du Dein Geld zurück. Das klingt nach Sicherheit. In normalen Zeiten ist es das auch.
Wie sieht das konkret aus?
| Anlageklasse (Stand 31.12.2024) | Anteil |
|---|---|
| Investmentfonds | 40,3 Prozent |
| Inhaberschuldverschreibungen | 21,0 Prozent |
| Namensschuldverschreibungen | 17,6 Prozent |
Das klingt nach Fachchinesisch, ist aber schnell erklärt. Eine Inhaberschuldverschreibung ist eine Anleihe, die an der Börse gehandelt wird. Wer das Papier hält, dem gehört die Forderung. Eine Namensschuldverschreibung lautet dagegen auf einen bestimmten Namen, wird nicht an der Börse gehandelt und liegt in aller Regel bis zum Ende in der Schublade.
Was steckt in den Investmentfonds?
Bleibt der größte Block. Dazu muss ich Dir etwas Unangenehmes sagen: Ein Fonds ist zunächst nur eine Verpackung. Was genau darin liegt, sagt der Name nicht, und die Verbandsstatistik sagt es auch nicht.
In meinem Buch habe ich geschrieben, dass hier vor allem Staatsanleihen gekauft werden, also Staatsschulden. Da muss ich heute vorsichtiger sein, und der Grund dafür ist selbst schon ein Befund. Der Branchenverband weist die Kapitalanlagen nämlich nicht danach aus, wer der Schuldner ist. Ob hinter einem Papier ein Staat steht, eine Bank oder ein Unternehmen, steht in dieser Statistik nicht.
Ich kann Dir also keine Prozentzahl für Staatsanleihen nennen, und deshalb tue ich es auch nicht. Ich rede von festverzinslichen Papieren. Dass diese Aufschlüsselung fehlt, finde ich für sich genommen bemerkenswert.
Der Mechanismus, den ich damals beschrieben habe, bleibt trotzdem richtig. Wenn ein Versicherer alten Verträgen drei oder vier Prozent garantiert hat und der Markt jahrelang fast nichts hergibt, dann entsteht ein stiller Druck. Das ist keine Gier. Das ist Notwendigkeit. Und höhere Rendite bekommt man nirgendwo geschenkt. Sie ist immer der Preis für ein höheres Risiko. Wer sie braucht, kauft am Ende Papiere, die er sonst nicht gekauft hätte.
Stille Lasten Lebensversicherung: Was steckt hinter dem Wort?
Die stille Lasten Lebensversicherung stellt auch eine Herausforderung dar, die oft ignoriert wird, aber sie ist entscheidend für die finanzielle Stabilität.
Jetzt kommt das, was sich seit dem Buch geändert hat. Die Zinsen sind zurück. Eine zehnjährige Bundesanleihe rentiert im Juli 2026 mit rund 3,2 Prozent. Das ist der höchste Stand seit fünfzehn Jahren. Als ich das Buch schrieb, lag derselbe Wert bei null bis einem halben Prozent. Man könnte also meinen: Problem gelöst.
Genau hier liegt der Haken. Zum 31. Dezember 2025 standen in den Büchern der Lebensversicherer rund 100 Milliarden Euro stille Lasten. Das sind etwa zehn Prozent des gesamten Bestands.
Es ist wichtig, die Auswirkungen der stille Lasten Lebensversicherung auf die allgemeine finanzielle Gesundheit der Versicherer zu verstehen.
Stille Last klingt harmlos. Ich erkläre es Dir an einem Bild. Stell Dir vor, Du hast vor einigen Jahren eine Anleihe für 100 Euro gekauft, die Dir ein Prozent Zins bringt. Heute bekommt man für neue Papiere drei Prozent. Wer zahlt Dir jetzt noch 100 Euro für Dein altes Stück? Niemand. Ein Käufer bietet Dir vielleicht 85, weil er sich den fehlenden Zins über den Preis zurückholen muss.
Der Verlust ist da. Aber er ist still. Solange Du das Papier behältst und bis zum Ende durchhältst, bekommst Du Deine 100 Euro zurück und musst nie etwas abschreiben.
Warum schichtet der Versicherer nicht einfach um?
Damit sitzt Dein Versicherer in der Klemme. Er könnte die alten Ein-Prozent-Papiere verkaufen und dafür die neuen Drei-Prozent-Papiere kaufen. Nur: In dem Moment, in dem er verkauft, wird aus der stillen Last ein echter, ausgewiesener Verlust.
Diese stille Lasten Lebensversicherung wird zu einem Problem, wenn die Marktbedingungen sich ändern und die Zinsen steigen.
Also verkauft er nicht. Er hält. Für Dich heißt das: Du sitzt in den Anleihekäufen von gestern fest, obwohl es heute wieder Zinsen gäbe.
In Zahlen sieht das so aus.
Die Auswirkungen der stille Lasten Lebensversicherung auf die zukünftige Rentabilität sind nicht zu unterschätzen.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Kapitalanlagen der Lebensversicherer, 31.12.2024 | 1.019 Milliarden Euro |
| stille Lasten, 31.12.2025 | rund 100 Milliarden Euro |
| Anteil am Bestand | rund 10 Prozent |
| Nettoverzinsung der Kapitalanlagen 2024 | 2,37 Prozent |
| Inflationsrate Juli 2026 | 2,8 Prozent |
Rechne das selbst zusammen. Und versteh bitte, warum sich das nur langsam bessert. Es bessert sich in genau dem Tempo, in dem alte Papiere fällig werden. Nicht schneller. Ein Papier mit fünfzehn Jahren Restlaufzeit läuft eben noch fünfzehn Jahre.
Eine Gegenseite will ich nicht verschweigen. Die Versicherer haben über Jahre eine zusätzliche Rücklage aufgebaut, die Zinszusatzreserve. Sie liegt inzwischen unter 80 Milliarden Euro, weil sie seit der Zinswende wieder aufgelöst werden darf. Dieses Auflösen stützt die laufende Verzinsung, und es wirkt. Nur ist es ein Puffer, der sich dabei verbraucht.
Die ständige Überwachung der stille Lasten Lebensversicherung sollte für jeden Versicherungsnehmer von Interesse sein.
Wer finanziert eigentlich die Garantie?
Damit bin ich bei dem Satz, um den es mir eigentlich geht. Die Garantie, die in Deinem Vertrag steht, finanzierst am Ende Du.
Denke daran, dass die stille Lasten Lebensversicherung nicht nur eine Nummer in der Bilanz ist, sondern auch reale finanzielle Konsequenzen hat.
Aus Deinem Beitrag wird die Kapitalanlage, aus der Kapitalanlage der Ertrag, aus dem Ertrag die Garantie. Der Versicherer gibt ein Versprechen, dessen Deckung aus Deinem eigenen Geld kommt. Genau deshalb sind stille Lasten Lebensversicherung mehr als eine Bilanzposition: Sie bremsen die Verzinsung, aus der Deine Garantie am Ende bezahlt wird.
Und für den Fall, dass diese Deckung einmal nicht reicht, gibt es Vorschriften, die dem Unternehmen Luft verschaffen. Über den Paragraf 314 VAG habe ich einen eigenen Beitrag geschrieben, deshalb hier nur der Hinweis.
Der Steuerzahler steht dabei aus meiner Sicht doppelt gerade. Einmal als Versicherter, der die Sache über seine Beiträge finanziert. Und einmal als Bürger, falls am Ende der Staat einspringen müsste. Das ist meine Einschätzung, keine Prognose.
Was kannst Du damit praktisch anfangen?
Es ist auch wichtig, sich über die stille Lasten Lebensversicherung bewusst zu sein, um informierte Entscheidungen zu treffen.
Zwei Dinge, beide kosten nichts.
Erstens: Such im Geschäftsbericht Deines Versicherers die Nettoverzinsung und die Struktur der Kapitalanlagen. Beides steht dort, es steht nur weit hinten.
Zweitens: Vergleich die Verzinsung, die man Dir mitteilt, mit der Inflationsrate desselben Jahres. Nicht mit einem Vorjahr, nicht mit einem Durchschnitt. Mit demselben Jahr.
Und wenn Dir jemand sagt, das sei zu kompliziert für Dich: Es ist nicht zu kompliziert. Es ist nur unbequem.
Wie es weitergeht
Warum eine Lebensversicherung trotzdem kein Sparvertrag ist, habe ich im Beitrag zur Frage lohnt sich eine Lebensversicherung beschrieben. Im nächsten Beitrag verlassen wir die Geldwertwelt und schauen uns Sachwerte als Geldanlage an – Wein, Oldtimer und Kunst.
Die stille Lasten Lebensversicherung bleibt ein relevantes Thema, das immer wieder diskutiert werden sollte.
Und schreib mir gern, ob Du die Nettoverzinsung Deines Anbieters gefunden hast.
Datenquellen: Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG)
Dieser Beitrag gibt meine persönliche Einschätzung wieder und ist keine Anlageberatung.
Bildrechte: Bernd Liebl, Magdeburg