Tiny House

Leben im Tiny House soll auch in Deutschland ein neuer Trend werden. Die Vorstellung entbehrt nicht einer gewissen Romantik. Wenig Quadratmeter, hohe Funktionalität, Leben in Bescheidenheit, ohne auf das Wichtigste zu verzichten. Aufräumen, Ausmisten, Nachhaltigkeit sind angesagt. Weniger ist mehr. Auch in Deutschland wird emsig für die kleinen, mobilen Häuser geworben. Was, wenn die Fantasie von der Realität eingeholt wird?

Ein Haus für knapp 50.000 – 60.000 Euro. Das klingt zu gut, um wahr zu sein. Tatsächlich werden seit jüngster Zeit derartige Häuser angeboten, sogenannte Tiny Houses. Der größte Vorteil: Die Häuser sind mobil und können somit überall aufgestellt werden.

Friede, Freude, Eierkuchen

Im Fernsehen gibt es einige Reportagen, in denen Menschen in ihr Tiny House ziehen. Auf Netflix findet man eine Serie aus den USA, auf RTL ziehen Deutsche Familien in ihr Tiny House. Wenn man dem glauben möchte, was dort gezeigt wird, ist es ein durchweg positives Ereignis.

Geschmäcker sind grundsätzlich verschieden. Ich möchte mir darüber kein Urteil erlauben, ob das Leben in so einem kleinen Haus schön ist oder nicht. Kann ich mir so etwas für mich vorstellen? Offen gesagt, fällt mir das schwer.

Deutschland, das Land der Regeln

Gerade in Deutschland kann ich mir nicht vorstellen, dass der Einzug in ein Tiny House so reibungslos möglich ist. Es heißt, es wäre leicht, so ein Tiny House überall aufzustellen. Da fängt es schon an. Wo soll so ein Tiny Hause stehen? Du brauchst einen Platz, möglicherweise ein eigenes Grundstück. Und da geht’s schon los. Nicht jedes Grundstück darf bebaut werden. In Deutschland brauchst Du stets eine Genehmigung. Wenn Du ein Grundstück in einem Wohngebiet hast, und dieses bebaut werden darf, steht noch lange nicht fest, dass Du ein Tiny House auf diesem Grundstück abstellen darfst.

Selbst ein ungewöhnliches Haus kannst Du nicht überall bauen. Oft muss ein Haus zu den übrigen Häusern in der Umgebung passen, sonst bekommst Du gar keine Baugenehmigung. Und Du brauchst einen festen Wohnsitz, an dem Du gemeldet bist. Und Du brauchst natürlich ein besonderes Auto. So ein Teil wiegt einiges und kann nicht einfach mit einem PKW oder SUV gezogen werden. Da musst Du schon etwas mehr Dampf unter der Haube haben und das hat seinen Preis.

Die Versorgung im Tiny House kann herausfordern

Telefon- und Internetanschluss sind nur die geringsten Herausforderungen. Telefonieren kann man schließlich auch per Handy. Internet gibt’s auch mobil, soweit das Netz in der Nähe es zulässt.

Wenn es keinen Stromanschluss gibt, kann Energie mit einem Aggregat erzeugt werden. Das erzeugt einen Geräuschpegel, der die Nachbarn stören könnte. Außerdem permanent treten Abgase aus. Gibt es einen Wasseranschluss? Wenn nicht, muss Wasser herbeigeschafft werden. Woher nehmen?

Und was ist mit dem Abwasser und den Hinterlassenschaften der Toilette? Ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie das Leben in einem solchen Tiny House ist, wenn mal ein Magen-Darm-Infekt die Familie heimsucht. In der Regel gibt es nur eine Toilette. Mal davon abgesehen, dass dann mehrere Leute anstehen müssen, wird der Behälter der Toilette sehr schnell an seine Grenzen stoßen.

Privatsphäre, ja oder nein?

Ich habe schon einige dieser Reportagen gesehen. Immer werden Familien mit Kindern gezeigt, die begeistert in ihr Tiny House ziehen. Meist waren die Kinder noch sehr jung. Aber Kinder werden schnell größer und fordern dann auch Privatsphäre. Bisher habe ich in diesen Sendungen noch kein Modell gesehen, wo das so einfach möglich war.

Lebensabend im Tiny House?

Das Tiny House soll für Senioren ideal sein, den Lebensabend zu begehen. Da bin ich auch ein wenig skeptisch. Gerade, wenn man älter wird und der Körper nicht mehr so gut kann, ist die Versorgung im Tiny House schwieriger. Wenn Wasser oder Treibstoff für die Energiegewinnung herbeigeschafft werden muss, wenn Abwasser und Toiletteninhalte entsorgt werden müssen, ist das etwas komplizierter als in einer Wohnung oder einem normalen Haus.

Fazit

Vielleicht bin ich bei diesem Thema zu kritisch oder zu unflexibel. Ich bin über 2m groß und habe die 50 schon überschritten. Meine Fantasie reicht daher nicht aus, mich in so einem Tiny House leben zu sehen. Aber wie schon anfangs gesagt, die Geschmäcker sind verschieden. Allerdings kann ich mit gerade hier in Deutschland nicht vorstellen, dass der Einzug in ein Tiny House so reibungslos möglich ist. Aber vielleicht entwickelt sich die Bürokratie hierzulande in eine Tiny House freundlichere Richtung. Man darf gespannt sein.

Bildrechte: Adobe Stock, ID: 4465143, Urheber: Galyna Andrushko

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