
Video aus meinem Youtube Kanal: SIND EDELMETALLPREISE UNWICHTIG? Was passiert, wenn Du Edelmetalle hast?
August 16, 2021
Video aus meinem Youtube Kanal: ICH KAPIERE ES NICHT – kann mir das bitte mal jemand erklären?
August 17, 2021Beitrag als Podcast
Macht ein Zollfreilager Sinn bei Edelmetallkäufen oder nicht? Es kommt ganz darauf an, welche Ambitionen man beim Edelmetallkauf besitzt. Es gibt einen genauen Typ von Käufer, für den das Lagerkonzept passt. Deshalb möchte ich dieser Frage heute auf den Grund gehen.
Angesichts steigender Inflation und regelmäßig auftretenden Diskussionen über Vermögensabgaben nimmt die Vermögenssicherung insbesondere heutzutage einen großen Stellenwert ein. Der Schutz der Ersparnisse vor Enteignung und Entwertung war nie wichtiger und dringender als heute. Edelmetalle haben sich seit Menschengedenken als zuverlässige Kaufkraftspeicher erwiesen. Insofern ist der Besitz von physischen Edelmetallen ein sehr einfacher Weg für effektiven Vermögensschutz.
Nun gibt es verschiedene Käufertypen. Einige sammeln Edelmetalle und erfreuen sich an Stücken mit unterschiedlichen Motiven, Größen usw. andere wollen einfach maximal viel Edelmetall für ihr Geld und legen keinen Wert darauf, die Edelmetalle jederzeit sehen zu können. Macht ein Zollfreilager Sinn für beide Typen? Eher nicht. Der Sammler möchte seine Stücke bei sich haben, der nüchterne Anleger möchte es unkompliziert haben.
Aufschläge und Gebühren
Wer Edelmetalle sammelt, sollte sich Zeit nehmen und vergleichen. Vergleichsportale wie Gold.de weisen für jede Stückelung die Top-Anbieter im Tafelgeschäft und im Onlinehandel aus. Wen man dort im Vergleich nicht findet sind Edelmetallhandelsgesellschaften mit Lagerkonzepten. Hier werden meist aus Kostengründen feste Stückelungen angeboten.
Teilweise sind die Barrengrößen beachtlich, um die Herstellungskosten niedrig zu halten. Es ist der gleiche Produktionsprozess, egal ob ein 100 Gramm Barren Gold gegossen wird oder ein 1 Kilogramm Barren. Die Herstellungskosten verteilen sich bei großen Barren viel besser auf den Materialwert. Große Barren sind daher meist viel günstiger als kleinere Barren.
Bei Münzen ist es etwas einfacher. Die Standard-Anlegermünzen werden in staatlichen Prägeanstalten hergestellt. Die Herstellungskosten sind moderat.
Was deutlich abweicht, sind die Aufschläge der Händler. Ein Beispiel vom 16. August 2021 – die absoluten Preise sind längst überholt, das Verhältnis zwischen teuerstem und günstigstem Anbieter ist es nicht. An diesem Tag konntest Du einen 100 Gramm Goldbarren für 4.944,67 Euro plus 19,95 Euro Versandkosten oder auch für 6.725,00 Euro plus 7,50 Euro Versandkosten kaufen. Der Unterschied ist schon beachtlich. Bei Silber ist es auch nicht besser. Einen 100 Gramm Silberbarren konntest Du am gleichen Tag für 94,04 Euro plus 8,90 Euro Versandkosten oder auch für 141,94 Euro plus 9,90 Euro Versandkosten kaufen.
Einen 15 Kilogramm Barren Silber konntest Du an diesem Tag beim günstigsten Anbieter auf gold.de für 12.166,00 Euro plus 24,95 Euro Versand kaufen. Wenn ich diesen Spitzenpreis mit den Konditionen vergleiche, für die ich einkaufe, würde ich für die gleiche Summe von 12.190,95 Euro (Versandkosten berücksichtigt) 16,94 Kilogramm Silber erhalten – 1,94 Kilogramm mehr Material. Das entspricht einem Aufschlag von nur 9,910 Prozent auf den Spotpreis für 15 Kilogramm Barren.
Der geringe Aufschlag und die gesparte Mehrwertsteuer rechnen sich also. Für mich macht ein Zollfreilager Sinn.
Die Rolle von Gold und Silber
Das erste Geld wurde vor langer Zeit aus Gold und Silber gefertigt. Damals erfüllten Goldmünzen die Funktion der großen Währung und Silbermünzen waren das Kleingeld. Es existierte ein festes Umtauschverhältnis. Fünfzehn Silbermünzen konnten gegen eine Goldmünze getauscht werden. Dieses Verhältnis hielt sich über mehrere Jahrhunderte. Mit dem vermehrten Abbau von Gold und Silber und dem Verbrauch von Silber in der Industrie verschoben sich diese Verhältnisse. Die sogenannte Gold-Silber-Ratio veränderte sich.
Seither ist dieses Verhältnis in einem ständigen Fluss. Im März 2020 stieg die Gold-Silber-Ratio auf über 120. Übersetzt heißt das, dass man 120 Kilogramm Silber für ein Kilogramm Gold bezahlen musste. Ein knappes Jahr später lag das Verhältnis bei rund 65, also fast der Hälfte. Solche Ausschläge wiederholen sich; die Zahlen von heute sind morgen andere.
Wer Im März 2020 ein Kilogramm Gold verkaufte, konnte für den Gegenwert 120 Kilogramm Silber kaufen. Ein knappes Jahr darauf konnte der Verkauf dieser 120 Kilogramm Silber genug Geld für fast 2 Kilogramm Gold erzielen. Wer das wusste, konnte also seinen Goldbestand innerhalb von einem Jahr fast verdoppeln. Aber hinterher sind immer alle schlauer.
Und so einfach ist die Sache mit dem Edelmetalltausch auch nicht, denn jede Unze Silber kostet beim Händler oder im Onlinehandel Mehrwertsteuer bzw. die halbe Mehrwertsteuer bei differenzbesteuerten Münzen. Es wäre also gut, wenn man sich diesen Posten der Mehrwertsteuer sparen könnte. Dazu kommt die Logistik. Physisches Silber hat eine erheblich geringere Wertdichte als Gold und braucht somit den entsprechenden Platz. Hier macht ein Zollfreilager Sinn, denn die Steuer und die Logistik sind kein Problem.
Was ist ein Zollfreilager?
Zollfreilager waren ursprünglich als Transitlager gedacht, um den Handel zu erleichtern. Wurde eine Ware nicht importiert, mussten weder Importzölle noch Mehrwertsteuer abgeführt werden.
Als Zollfreilager deklarierte Hochsicherheits-Edelmetalllager ermöglichen damit den mehrwertsteuerfreien Handel der nicht importierten Edelmetalle. Solange die Edelmetalle das Lager nicht verlassen, fällt auch keine Mehrwertsteuer an.
Der Handel von Gold ist grundsätzlich von der Mehrwertsteuer befreit. Die Weißmetalle Silber, Platin und Palladium verursachen jedoch beim Kauf oder Verkauf die landesübliche Mehrwertsteuer. Hier macht ein Zollfreilager Sinn, denn der Käufer, der seine Edelmetalle im Lager belässt, spart dauerhaft die Mehrwertsteuer ein.
Eine Auslieferung ist natürlich möglich. Allerdings würde dann die gesamte gesparte Mehrwertsteuer fällig werden. Hier wäre dann der vorherige Verkauf von Weißmetallen und Kauf des mehrwertsteuerbefreiten Goldes anzuraten. Allerdings macht eine Auslieferung wenig Sinn, denn die rechtliche Natur des Zollfreilagers macht den Edelmetallhandel sehr attraktiv, wenn man seine Metalle ab und zu strategisch Tauschen und damit seinen Bestand erhöhen möchte. Erinnere Dich an das Beispiel oben.
Auf der Kostenseite gibt es die Lagergebühren für die Edelmetallverwahrung und ggf. einen Einmalpreis für den Lagerplatz. Wer jedoch größere Beträge in Edelmetalle tauschen möchte, macht diese Kosten schnell durch die günstigen Einkaufskonditionen wett.
Dazu kommt, dass ein Zollfreilager in der Schweiz die Vermögenswerte vor unbefugtem oder auch befugtem Zugriff (z. B. bei Ermittlungen, Insolvenz, Steuerschulden usw.) schützt, denn die Schweiz gehört nicht zur EU.
Zollfreilager in Deutschland oder in der Schweiz?
Diese Frage wird oft gestellt, und sie hat zwei getrennte Antworten. Der Mehrwertsteuer-Effekt funktioniert in einem Zollfreilager in Deutschland genauso wie in einem außerhalb der EU – solange die Ware das Lager nicht verlässt, wird sie nicht eingeführt.
Der zweite Punkt ist der Rechtsraum. Ein Zollfreilager in Deutschland liegt im deutschen Rechtsraum. Für einen möglichen staatlichen Zugriff macht es damit keinen Unterschied, ob Dein Silber im heimischen Zollfreilager oder im Bankschließfach nebenan liegt. Erst ein Lager außerhalb des EU-Rechtsraums – die Schweiz ist der bekannteste Standort, daneben gibt es unter anderem Liechtenstein, Singapur und Dubai – trennt Deinen Besitz vom Zugriffsbereich einer europäischen Vermögensabgabe.
Wichtig und oft missverstanden: Ein anderer Rechtsraum bedeutet nicht Steuerfreiheit. Wer in Deutschland steuerpflichtig ist, bleibt es – mit allen Erklärungspflichten. Ein Zollfreilager ist ein Instrument des Vermögensschutzes, kein Instrument zur Steuerhinterziehung.
Welche Nachteile hat ein Zollfreilager?
Ein Zollfreilager ist kein Selbstläufer. Die Nachteile solltest Du kennen, bevor Du Dich entscheidest:
- Kein direkter Zugriff. Du hast das Metall nicht in der Hand. Wer genau das möchte, ist mit einem Teil seines Bestandes zu Hause besser bedient.
- Laufende Kosten. Lagerung und Versicherung kosten Gebühren, in der Regel ein Prozentsatz des Depotwertes pro Jahr. Bei kleinen Beträgen frisst das den Mehrwertsteuervorteil auf.
- Die Mehrwertsteuer ist gestundet, nicht erlassen. Sobald Du Weißmetalle ausliefern lässt, wird sie fällig.
- Der Anbieter ist eine Gegenpartei. Prüfe, ob Dein Eigentum einzeln zugeordnet ist oder nur ein Anteil an einem Sammelbestand, wie versichert wird und ob es unabhängige Bestandsprüfungen gibt.
- Mindestsummen und Aufwand. Viele Anbieter setzen eine Mindestanlage voraus, und Verkauf, Umschichtung oder Erbfall über eine Landesgrenze hinweg sind aufwendiger als im Inland.
Macht ein Zollfreilager Sinn bei Edelmetallkäufen – Ein Fazit
Ein Lagerkonzept, gekoppelt mit günstigen Einkaufkonditionen, sind ein rundes Paket für die richtige Zielgruppe. Wer viel Material für sein Geld will und keine Lust hat, sich um die Verwahrung Gedanken zu machen, ist hier gut bedient.
Wenn Dich das Thema anspricht, lade ich Dich herzlich in meinen Gratis-Kurs ein:

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Bildrechte: Michael Sielmon



1 Comment
[…] seine Edelmetalle lieber weit weg in Sicherheit wiegen möchte, kann den Handel mit Einlagerung wählen. Auch hier lohnt der Vergleich. Doch hier ist nicht nur die Kostenstruktur ausschlaggebend, […]