Die Macht der Worte

Die Macht der Worte offenbart sich im Netz. Das Internet wird immer schneller. Immer mehr Menschen suchen etwas und wollen es sofort finden. Sie wollen die Antwort gleich und unverzüglich und vergessen manchmal zu prüfen, ob die Antwort tatsächlich zu ihrer Frage passt.

Suchmaschinen erleichtern das Leben und gleichzeitig auch nicht. Google & Co haben es sich angewöhnt, die Suchergebnisse individuell anzupassen. Sie wollen verkaufen, nicht informieren. Mach Dir doch mal einen Spaß und informiere Dich über ein Angebot im Netz. Du suchst zum Beispiel nach einem Sonnenschirm, wirst auf die Seite eines Baumarktes verwiesen, schaust Dir dort verschiedene Sonnenschirme an. Danach legst Du das Handy weg.

Am nächsten Tag öffnest Du zum Beispiel Facebook, um nach Neuigkeiten Deiner Freunde zu schauen. Und siehe da, was ploppt da auf? Dir wird eine Werbung eines Sonnenschirms angezeigt. Danach schaust Du Dir die neuesten Nachrichten auf Google an, möchtest vielleicht noch eine Bahnfahrt buchen. Was erscheint auf den Werbebannern der Seiten, die Du aufrufst? Dreimal darfst Du raten. In der nächsten Zeit bekommst Du immer und immer wieder aufs Brot geschmiert, dass es schöne und günstige Sonnenschirme gibt. Die Macht der Worte schlägt zurück.

Zufälle gibt’s oder ist das nur die Macht der Worte?

Viele nehmen diese Art der Manipulation gar nicht mehr wahr. Aber sie ist allgegenwärtig. Unbewusst bekommst Du kontinuierlich die Botschaft schöner, günstiger Sonnenschirme vorgesetzt, bis Du einen kaufst. Und selbst dann ist damit nicht Schluss.

Unsere Geräte sind mittlerweile alle untereinander vernetzt. Und selbst wenn kein physisches Netz besteht, sind doch alle Geräte durch die Anwendungen und Seiten verbunden, auf denen wir uns herumtreiben. Die Worte, die wir hinaussenden, sind das Fundament dafür, was zu uns zurückkommt. Und das bezieht sich keinesfalls nur darauf, was wir kaufen wollen. Auch die Dinge, die uns bewegen und über die wir uns informieren, beeinflussen, was an Inhalten zu uns transportiert wird. Die Macht der Worte verbindet die Geräte.

Der Holzweg liegt vor uns

Das Netz ist voll von Informationen. Allerdings bedeutet das keineswegs, dass alles, was uns Google & Co liefern auch einen Wahrheitsgehalt besitzt. Das Netz hat keinen Anspruch auf Qualität oder gar auf Wahrheit. Es ist vielmehr ein Spielplatz für jedwede Theorie, egal ob diese beweisen und fundiert ist oder nur ein Hirngespinst.

Verfolge ich zum Beispiel die Theorie, dass Gurken im Laufe ihrer Entwicklung blau (fiktives Beispiel zu Veranschaulichung) waren und gebe ich solche Informationen in die Suchmaschine ein, besteht die große Chance, dass ich auf Websites stoße von Gleichgesinnten. Dort lese ich, was ich selbst schon vermutete (Gurken waren mal blau), sehe mich in meiner Theorie bestätigt und habe sogar die Chance, mich mit diesen Gleichgesinnten zu vernetzen und diese Theorie weiter auszuschmücken. Damit bewege ich mich automatisch in einem Raum oder Bereich, in dem selbstverständlich davon ausgegangen wird, dass Gurken mal blau waren und so wird es zu einer fundamentalen Wahrheit für mein Leben.

Meinungen zählen nichts, Wissen entscheidet, übe die Macht der Worte bewusst aus!

Wenn mir dann andere „einen Vogel zeigen“ und behaupten, diese Theorie sei Unsinn und darauf eine rege Diskussion im Netz entsteht, erkennen die Bots der Suchmaschine eine gewisse Relevanz und puschen das Thema. Plötzlich wird das Thema blauer Gurken auch relevant für andere. Viele werden es als Unsinn abtun, einige werden es glauben und so gewinnt die „Blaue Gurken-Community“ weitere Mitstreiter, weitere Seiten entstehen, weitere Diskussionen entstehen, das Thema wird immer relevanter. Die Macht der Worte wird stärker. Dieser dynamische Prozess wird durch die Funktionsweise von Google & Co unterstützt. Die Worte werden mächtiger und mächtiger.

Mit Wahrheit hat das Thema blauer Gurken natürlich nichts zu tun. Trotzdem kann es relevant sein und viele Anhänger mit sich ziehen. Nicht jeder Mensch hat das Allgemeinwissen, welches nötig wäre, die Wahrheit zu erkennen. Tatsächlich muss man aufpassen, was man alles klickt und auch hinterfragen, ob eine Antwort auch tatsächlich Wahrheit in sich tragen könnte oder nicht. Google & Co können also eines nicht ersetzen, den gesunden Menschenverstand und die Notwendigkeit sich zu bilden.

Bildrechte: Fotolia, Urheber: Bertold Werkmann, ID: #11381541

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